Ambiente und Akustik sind einfach unglaublich

Séan Reeves: Wer typisch irische Atmosphäre kennen lernen will, muss in die Balver Höhle kommen

BALVE ▪ Bereits zum neunten Mal findet vom 5. bis 7. August in der Balver Höhle das Irish Folk & Celtic Music Festival statt. Dann wird Europas größte Kulturhöhle zu einem riesigen Irish Pub. Was das bedeutet, erklärte der Festival-Moderator Séan Reeves im Interview.

Eine einfache Rahmentrommel, mit Ziegenleder bespannt, mit der einen Hand gehalten, während der Musiker mit einem Schlegel in der anderen Hand den Rhythmus schlägt. Ein Dudelsack, den sich der Musiker an Hüfte und rechten Unterarm schnallt und mit Armbewegungen aufpumpt. Dazu Geigen, Bouzoukis, Harfen oder Gitarren, mit denen verschiedene Bands Balladen, Trinklieder oder Tänze wie Jigs, Reels oder Hornpipes anstimmen: Am Donnerstag ab 19.30 Uhr, am Freitag ab 18 Uhr und am Samstag ab 16 Uhr wird in der Balver Höhle irische Musik gespielt. Einlass ist jeweils eine Stunde vorher.

Die Balver Höhle wird vom 5. bis 7. August wieder zu einem riesigen irischen Pub.

Als Hauptband tritt am Samstagabend die Gruppe The Kilkennys auf. In einer Doppelfunktion als Sänger und Moderator ist Séan Reeves mit dabei. Der gebürtige Ire, der seinen Gesprächspartnern ohne Umschweife das „Du“ anbietet, moderiert an allen drei Abenden, steht außerdem heute Abend mit seiner eigenen Band Five Alive ‘O auf der Bühne. Wie sehr die irische Musik Menschen aus aller Welt begeistere, werde allein an der Zusammensetzung dieser Gruppe deutlich, meint der Sänger, Bódhran- und Cajon-Spieler, der im Ruhrgebiet lebt, im Interview mit Axel Krüger. Denn bei Five Alive ‘O stehen er als Ire, mehrere Deutsche, ein Schotte und ein Amerikaner gemeinsam auf der Bühne.

Moderator und Musiker – kommt da die Freude bei einem Festival wie dem in der Balver Höhle nicht zu kurz?

Séan Reeves: Ein bisschen zu kurz ja, das muss ich sagen. Auch, weil das Ambiente, das die Balver Höhle zu bieten hat, eine einmalige Sache ist. Es muss meiner persönlichen Meinung nach daran gearbeitet werden, dass die Balver Höhle bekannter wird, um mehr Leute auch zum Irish-Folk-Festival zu locken. Denn das Ambiente und die Akustik, die entstehen, wenn Irish-Folk-Bands dort spielen, ist einfach unglaublich. Die Atmosphäre ist absolut einmalig.

Unterscheidet sich die Balver Höhle sehr von anderen Auftrittsorten?

Séan Reeves: Wenn Gruppen in Hallen auftreten, ist das Ambiente so künstlich. In der Balver Höhle ist dagegen alles drum herum Natur, es ist Stein. Und die Beleuchtung in der Balver Höhle ist einmalig, das ergibt eine Atmosphäre, die man nirgendwo sonst sieht, finde ich persönlich.

Du hast auch Bands vermittelt. Wie wählst Du aus?

Séan Reeves: Ausgewählt habe ich natürlich nach dem Budget, das mir von den Festspielen Balver Höhle zur Verfügung gestellt wird. Der Verein investiert Geld in das Festival – manchmal ein bisschen mehr, manchmal ein bisschen weniger. Dieses Jahr ist es leider Gottes ein bisschen weniger, weil unser Hauptsponsor leider nicht mehr dabei ist. Wir versuchen trotzdem, sehr gute Gruppen ins Sauerland zu holen.

Gibt es jemanden, auf den Du Dich besonders freust und den Du besonders empfiehlst?

Séan Reeves: Ich kenne ein paar von den Bands persönlich. Eine, die mich unheimlich anspricht, ist Caladh Nua. Die spielt am Samstagabend ab 20.30 Uhr. Caladh Nua ist eine ganz neue Gruppe. Ein Mitglied, Eoin O’Meachair, der Banjo und Tin Whistles spielt, hatte früher eine Gruppe namens Caladh. Jetzt haben sie sich umbenannt in Caladh Nua, haben vier neue Mitglieder dazubekommen einschließlich der Sängerin Lisa Butler. Auf die Band bin ich richtig gespannt, denn sie hat am 17. März, am St. Patrick’s Day, dem Feiertag des irischen Nationalheiligen St. Patrick, für die irische Präsidentin Mary McAleese im Áras an Uachtaráin, dem „irischen Weißen Haus“, gespielt. Und das als Gruppe, die gerade vor knapp zwei Jahren formiert wurde! Sie sind aus allen Bands aus Irland ausgewählt worden, um dort zu spielen. Das war eine ganz große Ehre für sie. Auf diese Musiker bin ich gespannt, auch, weil sie Amerika schon „erobert“ haben, dort Plattenverträge gekriegt haben. Ich bin sehr neugierig auf deren Musik und deren Show.

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Was bedeutet es für irische Musiker, ihre Musik und Kultur in Deutschland zu präsentieren?

Séan Reeves: Das bedeutet uns sehr viel. Die Iren sind eben ein fröhliches Volk. Sie singen und tanzen und machen Musik in der ganzen Welt. Die „typisch irische“ Atmosphäre, die dabei entsteht, kommt auch sehr, sehr gut an. Für Leute, die diese Atmosphäre nicht kennen, ist es immer ein Erlebnis, wenn irische Musik gespielt wird. Die Leute, die das nicht kennen, müssen auf jeden Fall in die Balver Höhle kommen, weil die Musik dort richtig authentisch präsentiert wird.

Was bewegt andererseits die vielen deutschen Musiker, Fiddle oder Bódhran zu lernen und Bands zu gründen?

Séan Reeves: Das ist die Begeisterung für die irische Musik selbst. Wenn irische Musik gespielt wird, wird geklatscht, und die Leute stampfen mit den Füßen – man kann richtig aus sich herauskommen, muss nicht nur dasitzen und zugucken. Das wird nicht erwartet von einem Zuschauer! Es wird erwartet, dass das Publikum mitmacht. Das ist, was in Deutschland oft fehlt, wie ich finde. Aber beim Irish-Folk-Festival in der Balver Höhle ist das nicht der Fall, die Leute flippen zwar nicht komplett aus, aber sie machen mit. Das sollte meiner Meinung nach auch so sein, wenn eine gute Band auf einer Bühne spielt. Es gibt dann immer Leute, die sind ein bisschen gehemmt und gucken den anderen zu, sagen sich dann aber: „Oh, das könnte ich auch machen.“ So ein Festival wie in Balve ist die Gelegenheit dazu. Beim Irish-Folk-Festival bekommt man auch irisches Essen angeboten, irische Getränke – Guinness ist dabei, Kilkenny ist dabei. Es gibt deutsche Musiker, auch in meiner eigenen Gruppe Five Alive ‘O, die von dieser Begeisterung erfasst worden sind. Es gibt Gruppen und Musiker hier in Deutschland, die extra nach Irland fahren, um die Instrumente zu lernen und bei Workshops mit bekannten Musikern mitzumachen, um zu lernen, wie die Instrumente richtig gespielt werden. Sie machen dann selbst in Deutschland Workshops mit diesen Instrumenten – davon können sie leben. Oder sie setzen sich in Kneipen zusammen, manchmal mit zwölf oder 14 Musikern wie die Musiker meiner Band, und spielen nur für sich aus der Freude an der Musik heraus die irischen Traditionals.

Wie kam es zur Gründung von Craic mit Musikern aus dem Sauerland?

Séan Reeves: Das ist ein Trio – manchmal haben sie eine Geigerin dabei, dann sind sie zu viert. Das sind junge, begeisterte Menschen, die irische Musik auf der Bühne vortragen. Ich habe sie in Gladbeck kennen gelernt, als sie in der Stadthalle vor uns gespielt haben, und ich selbst als Ire war begeistert! Die haben die Musik so rübergebracht, dass die Leute richtig mitgegangen sind. Da war ich überzeugt, dass Craic in der Balver Höhle spielen sollte. Craic spielt am Eröffnungstag am Donnerstag vor Five Alive ‘O und noch einmal am Samstag auf einer kleinen Bühne. Wir haben weiter oben in der Höhle noch diese zweite Bühne aufgebaut, damit kontinuierlich Musik gespielt wird, damit es keine Unterbrechungen gibt während der Umbaupausen auf der großen Bühne. Die Leute sollen richtig schön unterhalten werden.

Hat Riverdance eine Rolle dabei gespielt, dass irische Musik in Deutschland bekannt wurde?

Séan Reeves: Riverdance hat eine der größten Rollen gespielt in der Geschichte der Verbreitung der irischen Folklore. Die Tanzshows waren ja absolut bombastisch! Da haben die irische Folk-Szene und die irische Kultur den Durchbruch geschafft. Weltweit kennt man Riverdance. Jede Tanztruppe in Deutschland, Amerika, Australien – egal, wo – versucht, Teile aus Riverdance nachzumachen. Wir haben dieses Jahr in der Balver Höhle auch irische Tänzer dabei. Die haben das Temperament dafür, was in Deutschland meiner persönlichen Meinung nach etwas fehlt. Es gibt auch sehr gute Tänzer hier in Deutschland, aber das Temperament, das die irischen Tänzer zeigen, das fehlt mir.

Was macht den Reiz traditioneller irischer Musik, gemischt mit rockigen Tönen, aus, wie es auch mehrere Bands beim Festival in Balve spielen?

Séan Reeves: Auch meine Band Five Alive ‘O macht das. Ich finde diese Mischung sehr, sehr gut. Deshalb machen wir das ja auch. Ich denke, dass alles gezeigt werden soll, nicht nur das Traditionelle. Traditionelle irische Musik ist sehr, sehr schön, aber für Zuschauer, die Irland kennen lernen möchten, muss alles präsentiert werden: Balladen, Rauf- und Sauflieder, dann auch noch einmal die traditionelle irische Folklore, wie wir sie bei Five Alive 'O haben. Wir haben jetzt einen neuen Piper, der Uileann Pipes spielt – das ist die irische Version des Dudelsacks – Tin Whistle, Querflöte und Low Whistle. Wir haben zwei Geiger dabei, die spielen Sachen auf der Bühne, da flippen die Leute aus!

Hier gibt es nähere Informationen zum Irish Folk & Celtic Music Festival!

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