Mit allen Sinnen den Whisky genießen

BECKUM ▪ Ein Whisky sollte mit allen Sinnen genossen werden. Auge, Nase und Zunge wollen und sollen sich an diesem Genuss erfreuen, der immer unterschiedlich ausfällt. Dass nicht nur Jahreszeit oder persönliches Empfinden den Geschmack beeinflussen, machten Ralf Bernhardt und Hans Georg Würsching am Samstag in der „Fabrik“ deutlich.

Die beiden gehören zu den deutschlandweit 40 „Keepers of the Quaich“ („Hüter des Kelches“); weltweit ist diese Ehre, die mit der Aufgabe verbunden ist, sich für den schottischen Whisky einzusetzen, etwa 1 600 Mal verliehen worden.

Aus berufenem Munde wurden die 60 Teilnehmer in die Welt des Whiskys eingewiesen – und dies stilvoll, denn die Referenten erschienen im „Highland Evening Dress“, der einem Smoking oder Frack ähnelt. Ralf Bernhardt: „Damit wären wir auf jeden Fall richtig angezogen, wenn die Queen hier zu Besuch wäre.“ Zu der Ehre, den Titel tragen zu dürfen, kamen beide auf Empfehlung eines anderen Keepers. Mindestens fünf Jahre mussten sie sich für den Whisky einsetzen. „Doch trinken allein reicht nicht“, sagte Würsching, der sich seit 2004 als „Keeper“ bezeichnen darf; Bernhardt seit 2006.

Eine Menge steckte in den sechs Gläsern, die vor den Teilnehmern standen. Lagerung, Zutaten, Landschaft und noch vieles mehr bildeten eine Einheit, die sich beim Trinken entfaltete. Im Dialog mit ihrem Publikum gaben die beiden Vortragenden ihr Wissen preis, das sie auch in fünf Fachbüchern zusammen getragen haben.

Probiert wurden ein Benrinnes (zwölf Jahre alt), ein „Highland Park“ (zwölf Jahre), ein Glenfarclas (17 Jahre), der „Aberlour a`bunadh“, „Bowmore Tempest“ (zehn Jahre) und der teuerste Whisky des Abends, ein „Longmorn Vintage 1970“, der für 195 Euro (0,7 Liter) erhältlich ist.

Genossen wurden die edlen Tropfen, während die Whisky-Kenner aus ihren drei Krimis lasen. Seit 2006 lassen sie ein Kommissar-Duo und einen Destillerie-Manager in Schottland mysteriöse Morde aufklären. „Wasser, Gerste, Leiche“ heißt ihr erstes Buch, dem 2008 „Riechen, Schmecken, Sterben“, und 2010 „Aqua Mortis“ folgte. In diesem Jahr wird auf der Frankfurter Buchmesse ihr viertes Buch vorgestellt.

Ein kräftiger Eintopf mit Tomaten und Ananas, auf Wunsch auch ohne Fleisch, sorgte in der Halbzeit für eine verdiente Stärkung, so dass die zweite Hälfte der Vorführung ebenso unterhaltsam fortgesetzt werden konnte. Viele Erkenntnisse nahmen alle mit nach Hause. Wer sie vertiefen möchte, hat dazu in der „Whiskyfabrik“ Gelegenheit: Frank Schwabe hat 200 Sorten im Angebot, die probiert und gekauft werden können. Ergänzend dazu soll im April ein „Whisky-Club“ gegründet werden. ▪ JK

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