Absage an die Stadt: Drostenhaus wird nicht zum Schnäppchenpreis verkauft

+
Das Drostenhaus in Balve soll verkauft werden. Nachdem sich die Eigentümerin mit der Stadt bislang nicht einigen konnte, soll nun ein Makler eingeschaltet werden.

Balve - 280.000 Euro für das Drostenhaus mit dem 1300 Quadratmeter großen Grundstück – bei diesem Schnäppchenpreis für diese in 1A-Lage gelegene Immobilie möchte jeder gerne seine Unterschrift unter den vom Notar beglaubigten Kaufvertrag setzen.

„Aber nein“, zerstört Alfons Rath, Verwalter der Eigentümerin Christel Bathe, jegliche Illusion: „Wir verkaufen nicht für 280.000 Euro.“ Mit dieser Aussage erteilte er zugleich der Stadt Balve eine Absage, die hoffte, für diese Summe das Drostenhaus mit Grundstück kaufen zu können. 

Im Mai hatte der SV bei Bürgermeister Hubertus Mühling nachgefragt, ob die Stadt Interesse an der Immobilie habe. „Dazu gibt es seitens der Stadt keine Aussage“, lautete die Antwort. In dieser Woche stand das Drostenhaus samt Drostenplatz im nicht-öffentlichen Teil auf der Tagesordnung des Haupt- und Finanzausschusses. 

Aus dieser drangen Einzelheiten an die Öffentlichkeit, so auch das Interesse der Politik und Verwaltung daran, Büros für Angestellte und auch ein Bürgerbüro in dieser exponierten Lage einzurichten. „Ja, das stimmt“, gab Rath dazu Auskunft. „Zu diesem Zweck haben wir seit mehr als einem Jahr für die Stadt den Drostenplatz mit Drostenhaus reserviert.“ 

Gutachten im Auftrag der Stadt 

Auf Anfrage der Stadt wurde im Dezember ein Gutachten vom Gutachterausschuss des Märkischen Kreises zum Zustand der Immobilie erstellt. Laut diesem ist das Gebäude mit Anbau 100 000 Euro wert. Deutlich mehr, nämlich 180.000 Euro, das Grundstück. 

Dazu gibt Rath die Meinung der Eigentümerin wieder: „Das ist ein Gefälligkeitsgutachten für die Stadt. Die Vorstellungen der Stadt stimmen nicht mit dem tatsächlichen Wert überein.“ Deshalb habe mittlerweile ein Gespräch mit dem Bürgermeister stattgefunden, indem die Verkäuferseite deutlich gemacht habe, mit der Kaufpreisvorstellung der Kommune nicht einverstanden zu sein. 

Nach wie vor soll aber verkauft werden, betont Rath: „Wir gehen jetzt auf den freien Markt.“ Und das bedeutet, dass auch ein Makler eingeschaltet werden soll. Drostenhaus und Drostenplatz bleiben also im Gespräch. 

Gebäude stand 1977 vor dem Abriss 

Alfons Rath hat einen Anteil daran, dass das Haus sich so darstellt, wie es jetzt ist. Angefangen vom Drostenkeller, in dem vor einigen Jahren noch Bier ausgeschenkt wurde, bis über die erste Etage mit einer Praxis, den Wohnungen in der zweiten Etage und dem als Chorraum genutzten Dachboden. Als Geschäftsführer der Planbau war er mit dafür zuständig, dass das Drostenhaus am 7. Juli 1977 gekauft wurde. „Es war ein Gebäude, das zum Abbruch freigegeben war“, erinnert er sich. So schlecht der Zustand war, so schlecht sei auch das Umfeld gewesen. Eineinhalb Jahre hätten die Arbeiten gedauert, etwas Neues aus dem etwa um 1600 gebauten Haus mit Hilfe von Landesmitteln, Denkmalschutz und Eigeninitiative entstehen zu lassen. 

Mehrere Generationen war es im Besitz der Landsbergschen Familie, danach war es Verwaltungssitz eines Drosten, zuletzt beherbergte es den Landrat des ehemaligen Kreises Iserlohn.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare