Veto aus Paderborn: Pfarrheim-Abriss verzögert sich

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Das Pfarrheim am Kirchplatz, in dem schon alle Versorgungsleitungen gekappt worden sind, muss nun doch länger stehen bleiben als gedacht. Eigentlich war der Abriss für diesen Monat geplant.

Balve - „Wir befinden uns in einer unbefriedigenden Situation“, fassten Pfarrer Andreas Schulte und der Kirchenvorstand der St. Blasius-Gemeinde den Prozess „Abriss des Pfarrheims und Neubau“ am Sonntag in Worte. Dahinter steckt die Nachricht, dass sich der Abriss des Gebäudes deutlich verzögern wird.

Seit 2010 laufen die Planungen. Bis vor kurzem war der Kirchenvorstand noch recht zuversichtlich, die Bagger spätestens in der nächsten Woche anrollen lassen zu können. Doch untersagte das Generalvikariat in Paderborn die Genehmigung dafür. Bruno Köck, zuständig für Bauangelegenheiten im Balver Gremium, erhielt am Mittwoch die Information, dass vergaberechtliche Maßnahmen dagegen sprächen.

Jetzt muss ein Vermögensverwaltungsrat der Baumaßnahme zustimmen. Dieses relativ neue Gremium muss bei Projekten, die teurer sind als 500.000 Euro, eingeschaltet werden, um Auwüchse wie in Limburg zu verhindern. Der dortige frühere Bischof Franz-Peter Tebartz van Elst hatte sich 2013 den Umbau seiner Residenz etwa 31 Millionen Euro kosten lassen.

„Wir wollen in Balve doch keinen Protzbau“, sagte dazu Ludger Terbrüggen, stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstands. Vielmehr sei Paderborn von Anfang an über die Planungen in Balve informiert und immer auf dem neuesten Stand über das 1,5 Millionen Euro teure Bauprojekt gehalten worden.

Dass jetzt plötzlich nach neuem Vergaberecht gehandelt werde und damit erneute Verzögerungen einhergehen, stößt bei den Kirchenvorstandsmitgliedern auf Unverständnis. „Wir wollen arbeiten, werden aber im Regen stehen gelassen“, reagierte der geschäftsführende Vorsitzende Jürgen Känzler mit Unverständnis. Er sieht sich auch gegenüber der Kirchengemeinde in der Verantwortung, der er während der Blasiusfeier noch stolz berichtet hatte, dass in diesem Jahr bereits mit dem Neubau begonnen werden könne.

Jetzt sieht es so aus, dass eventuell im April mit einer Stellungnahme des Vermögensverwaltungsrates gerechnet werden kann. Fällt die positiv aus, kann der Abriss begonnen werden. Ob dann aber das schon beauftragte Unternehmen noch zur Verfügung steht, zweifeln die Kirchenvorstandsmitglieder angesichts der boomenden Baukonjunktur an.

Damit aber nicht genug, muss die Baugenehmigung beim Märkischen Kreis in die Wege geleitet werden – dieses Verfahren würde etwa vier Monaten in Anspruch nehmen. Und damit würde der Neubaubeginn auf Anfang 2020 fallen. Jürgen Känzler: „Die stetig steigenden Baukosten muss die Gemeinde tragen.“

Darunter leide auch das Gemeindeleben, denn das alte Pfarrheim sei seit Januar nicht mehr nutzbar. „Die Situation“, so Ludger Terbrüggen, „führt zu einer Frustration der Ehrenamtlichen.“ Der gesamte bisherige Verlauf sei „keine Werbeveranstaltung für das Ehrenamt“, betonte er. Bruno Köck ergänzte: „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, die in Paderborn sind liegen geblieben.“

Das gesamte Verfahren werde auch den 3000 Gemeindemitgliedern nicht gerecht. Vielleicht habe der Kirchenvborstand aber die Öffentlichkeit auch zu wenig informiert, gab er zu. Eine Möglichkeit, dennoch einigermaßen schnell agieren zu können, sehen die Balver darin, den Abriss, für den etwa 100.000 Euro veranschlagt werden, separat genehmigen zu lassen. Aber bei allem Hin und Her steht für Jürgen Känzler fest: „Hinwerfen ist nicht im Sinne der Gemeindearbeit. Wir kämpfen weiter um die Sache.“

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