Abhörgerät in Balver Wohnung platziert: Diese Strafe bekam der 30-Jährige

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Balve/Menden - Was eine junge Frau aus Balve im März durch Zufall unter ihrem Sofa entdeckt, lässt ihr den Atem stocken – ein Abhörgerät.

Angebracht hatte dieses ein Mann aus Menden, den die 20-Jährige in der Abendschule kennengelernt hatte. 

Mit der Aktion hat sich der 30-Jährige gemäß Paragraf 201 des Strafgesetzbuches wegen Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes strafbar gemacht. Im Amtsgericht Menden erschien der Angeklagte mit hochrotem Kopf. Sein Mandant schäme sich sehr dafür, erklärte der Verteidiger des Mendeners. 

Probleme mit dem Selbstvertrauen?

Dem Angeklagten selbst fiel es schwer, über den Vorfall zu sprechen. Es sei ihm jedenfalls nicht um die Frau gegangen. Vielmehr habe er herausfinden wollen, was seine Freunde tatsächlich über ihn dachten: „Ich hatte große Probleme mit meinem Selbstvertrauen. Ich wollte wissen, was hinter meinem Rücken über mich geredet wird.“ 

Das Gerät sei ursprünglich für den Rollstuhl seines Großvaters gewesen. Bei einem Spieleabend habe er die Gelegenheit genutzt, als ein Würfel zu Boden gefallen sei. Mit doppelseitigem Klebeband hatte er das Abhörgerät unter der Couch der Geschädigten angebracht. Er habe aber nur einen Tag gelauscht, dabei aber nur Rauschen gehört. Mehr habe er nicht vom Privatleben der Balverin mitbekommen, beteuerte der Angeklagte. 

Bitte um Entschuldigung

Aber genau das nahm ihm die 20-Jährige nicht ab. Sie glaubte, der Mann habe mehr mitbekommen. Von anderen Gelegenheiten wisse sie, dass der Mendener nicht immer die Wahrheit sagte. 

Der Angeklagte nutzte die Chance des Zusammentreffens mit der Frau vor Gericht für eine Entschuldigung: „Ich weiß echt nicht, was mich da geritten hat. Ich weiß nicht, wie ich Dein Vertrauen so missbrauchen konnte. Es tut mir wahnsinnig leid.“ 

Enttäuschung zu groß

Die 20-Jährige nahm die Entschuldigung nicht an. Zu groß waren offenbar Enttäuschung und Missachtung. Etwas, das der Vertreter der Staatsanwaltschaft gut nachvollziehen konnte. Deshalb lehnte er auch eine Verfahrenseinstellung ab. Die Wohnung sei ein hohes Gut, die absolute Intimsphäre, ein besonderer Schutzbereich, so seine Begründung. Das Vorgehen des Mendeners zeuge von einer gewissen kriminellen Energie. 

Am Ende verurteilte die Richterin den 30-Jährigen zu 1800 Euro Geldstrafe. Der Angeklagte habe sich selbst massiv geschadet. Aus Scham hatte der Mendener seine Schule abgebrochen und damit 2500 Euro umsonst investiert. „Wir haben hier einen Angeklagten vor uns, der von Schuld und Scham zerfressen ist“, so die Richterin

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