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A46-Lückenschluss: Gutachten „wissenschaftlich nicht belastbar“

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Von: Markus Wilczek

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Der geplante A46-Lückenschluss ist in der Region umstritten.
Der geplante A46-Lückenschluss ist in der Region umstritten. © dpa

Als unsinnig bezeichnete Professor Dr. Johannes Weyer, Verkehrsforscher an der Technischen Universität Dortmund, in einem Anfang Juni privat von ihm veröffentlichten Gutachten die Realisierung des Projektes 46sieben (Lückenschluss der Autobahn 46 und Weiterbau der Bundesstraße 7).

Friedhelm Kossmann, von Autobahn Westfalen und dem Landesbetrieb Straßen.NRW beauftragter Gutachter für dieses Verkehrsprojekt, sieht die Lage völlig anders und bezeichnete das Gutachten als „wissenschaftlich nicht belastbar“.

Professor Weyer war unter anderem zu dem Ergebnis gekommen, dass der Lückenschluss samt B7-Weiterbau für Verkehrsteilnehmer allenfalls kurzfristig einen Zeitgewinn von wenigen Minuten bringe und der Verkehr in der Region durch die neuen Straßen mittel- bis langfristig und bis zu 15 Prozent zunehme, was zu neuen Staus führe.

Kritik am methodischen Vorgehen

Kritik übte Friedhelm Kossmann von SSP Consult (Köln) am methodischen Vorgehen Weyers. „Die Nutzung von Google Maps zur Ableitung von Geschwindigkeiten entspricht nicht dem Stand der Technik.“ Hierfür gebe es Modelle, die anhand von sogenannten Fundamentaldiagrammen zu Verkehrsstärke und -dichte belastungsabhängige und realistische Geschwindigkeiten sowohl für Spitzen – als auch für Schwachlastzeiten ermittelten „Zum Beispiel ist eine durchschnittliche Pkw-Geschwindigkeit von 85 km/h auf Autobahnen in der Nacht viel zu gering. Mit dieser Geschwindigkeit fahren die schweren Lastwagen, die von Pkw mit deutlich höherer Geschwindigkeit überholt werden“, so Kossmann.

Auch die Aussage eines fehlenden Nutzen der A46/B7 für die Region auf der Basis von „fünf weitgehend beliebigen Beispielen“, in denen Johannes Weyer fiktive Strecken zugrunde lege, ist für Friedhelm Kossmann nicht nachvollziehbar. Es fehle vor allem eine Ermittlung und Bewertung der Anzahl der Autofahrer, die einen Nutzen von dem Projekt 46sieben hätten. „Dazu ist nach dem aktuellen Stand der Technik ein umfassendes Verkehrsmodell notwendig – und nicht nur die Auswertung weniger Google-Maps-Routen“, sagte Kossmann.

Ortskerne sollen entlastet werden

Und noch ein Punkt fehlt dem Gutachter: „Neben der fehlerhaften Übernahme viel zu geringer Reisezeitvorteile wird vor allem verschwiegen, dass mit 46sieben eine deutliche Entlastung der Ortslagen im Umfeld der Neubaumaßnahme einhergeht. Der Durchgangsverkehr kann auf die A46/B7 verlagert und zum Beispiel die hochbelastete Ortslage Hemer um rund 10 000 Fahrzeuge pro Tag entlastet werden.“

In Balve könnte besonders Eisborn von einer Realisierung des Verkehrsprojekts betroffen sein, weil auch ein Trassenverlauf in unmittelbarer Nähe zur Ortsgrenze geprüft wird. Zurzeit laufen Untersuchungen über die Auswirkungen eines möglichen Ausbaus auf die Flora und Fauna in der Region, die sich noch über Monate hinziehen werden. Zuletzt hatten Autobahn Westfalen und Straßen.NRW einen Zwischenbericht vorgelegt. So wurden in dem Untersuchungsraum unter anderem Nachweise von Wildkatzen erfasst. Eine fundierte Bewertung der Funde im Hinblick auf das Projekt sei aber noch nicht möglich, hieß es von den beauftragten Experten zweier Fachbüros mit Verweis auf ein Andauern der Untersuchungen.

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