Onlineforum noch im Februar

A46-Lückenschluss: Bürger werden gehört

Verläuft am Rande von Eisborn bald die Trasse der Autobahn 46? Dies ist zumindest eine mögliche Option beim Weiterbau der Autobahn.
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Verläuft am Rande von Eisborn bald die Trasse der Autobahn 46? Dies ist zumindest eine mögliche Option beim Weiterbau der Autobahn.

Noch sind viele Schritte zu gehen auf dem Weg zu einem möglichen Lückenschluss der Autobahn 46 zwischen Hemer und Menden mit dem daran anschließenden dreispurigen Ausbau der Bundesstraße 7 bis nach Neheim.

Der nächste Schritt soll in Form eines Bürgerdialogs aber bereits im Februar stattfinden und dürfte besonders für die Eisborner von großem Interesse sein.

Denn im Rahmen einer neuen Umweltverträglichkeitsstudie für das Projekt Lückenschluss wurde der Untersuchungsraum für eine mögliche Trassenführung im Bereich Asbeck bis an den Rand Eisborns erweitert. Ortsvorsteherin Pia Spielermann (CDU) kündigte bereits Widerstand an.

Auch Bürgermeister Mühling ist dabei

„Es findet am 16. Februar von Autobahn Westfalen und Straßen.NRW ein erstes Dialogverfahren mit Beteiligung der Balver statt“, sagte Michael Schmitz, Medienreferent des Landesbetriebs Straßen.NRW, im Gespräch mit der Redaktion.

In einem Onlineforum sollen Informationen der Planungsbehörden mit den direkt oder indirekt betroffenen Kommunen – neben Balve auch Menden, Hemer und Arnsberg – ausgetauscht werden. „Wir haben bereits Kontakt mit Bürgermeister Hubertus Mühling aufgenommen, dass er und ein weiterer Stadtvertreter an dem Forum teilnehmen sollen. Außerdem sollen zwei von ihm bestimmte Balver Bürger ebenfalls teilnehmen“, sagte Schmitz.

Noch keine konkrete Trassenführung

Eine konkrete Trassenführung für den Lückenschluss habe man bislang noch nicht im Blick. Und damit auch erst recht keinen möglichen Verlauf nahe Eisborn. „Wir befinden uns als Planungsbehörde noch in seiner sehr frühen Phase der Linienfindung“, so Schmitz.

Die Autobahn GmbH und Straßen.NRW hätten nach einer öffentlichen und europaweiten Ausschreibung zwei Fachbüros mit der Durchführung der faunistischen Bestandserfassungen beauftragt. Zuvor sei die Planungsraumanalyse (FPA) – welche Tierarten sollen kartiert werden und in welchem Umfang? – auch auf den südlichen Teil des Untersuchungsraumes und damit bis ran an Eisborn ausgeweitet worden. „Damit werden Gutachter auch im Gebiet südlich des Luerwaldes und des Bieberbachtales nach planungsrelevanten Arten suchen“, so der Medienreferent. Der südliche Untersuchungsbereich sei allerdings durch besondere Schutzgüter wie Flora-Fauna-Habitat-Gebiete (eben Luerwald sowie Bieberbachtal) und dichte Besiedlung stark vorgeprägt. Momentan seien Experten der beauftragten Gutachterbüros NZO und AFRY im Gelände unterwegs.

Umweltverträglichkeitsstudie wird ausgeschrieben

Voraussichtlich noch im ersten Quartal 2021 soll laut Schmitz eine europaweite Ausschreibung der Umweltverträglichkeitsstudie (UVS) erfolgen. In dieser Studie werden mit einer vertiefenden Raumanalyse alle relevanten Schutzgüter im Planungsraum erfasst, bewertet und deren ökologische Wertigkeiten und Empfindlichkeiten gegenüber Beeinträchtigungen anschließend kartografisch in einer sogenannten Raumwiderstandskarte dargestellt.

Anschließend werden auf dieser Basis Grobkorridore mit möglichst konfliktarmen Trassenalternativen ermittelt und entwickelt. Es folgt ein Vergleich – auch hinsichtlich der Umweltauswirkungen – der Alternativen sowie eine Bewertung, so dass nach Abschluss dieses Prozesses im Idealfall eine Empfehlung für einen Trassenverlauf vorliegt.

BUND sieht Projekt als unnötig an

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) beurteilt das Lückenschluss-Vorhaben äußerst kritisch als „Millionengrab im Sauerland“. Der BUND listet den Weiterbau der A 46 in einer von ihm veröffentlichten Liste im Internet (www.bund.net) als eines der zwölf unnötigsten Fernstraßen-Projekte Deutschlands auf.

Diese Autobahn mit durchgängigem Verlauf durch das Sauerland war vor gut 50 Jahren geplant worden, um das östliche Ruhrgebiet zu entlasten. Inzwischen, so argumentiert der BUND, seien dort die A 1 und A 44 ausgebaut worden, womit der Bedarf für den überregionalen Verkehr in der Region gedeckt sei. Die Planungen zum A 46-Lückenschluss seien daher verkehrspolitisch nutzlos.

Naturschutzorganisation rechnet mit Kosten von mehr als 600 Millionen Euro

„Die A 46 in Nordrhein-Westfalen endet zurzeit direkt am Ortsausgang von Iserlohn und sollte ursprünglich über Hemer, durch Menden und an Wickede vorbei um 19,8 Kilometer verlängert und an die A 445 angeschlossen werden“, erklären die Naturschützer weiterhin. Im aktuellen Bundesverkehrswegeplan (BVWP) sei die Planung aufgeteilt in eine rund sieben Kilometer lange, vierstreifige Autobahn A 46 und eine anschließende zwölf Kilometer lange, dreistreifige Bundesstraße B 7n. „Trotz des fehlenden verkehrlichen Nutzens, der gravierenden ökologischen Schäden, Kosten in Höhe von inzwischen mehr als 610 Millionen Euro und viel Widerstand aus den Kommunen vor Ort, steht das Projekt weiter im Vordringlichen Bedarf des BVWP 2030. In den letzten 50 Jahren wurde es aber keinen einzigen Meter weitergebaut“, so der BUND.

Deshalb lehnt die Naturschutzorganisation den Weiterbau der A 46 und der B 7 ab. „Stattdessen sollten regional kleinere Ausbauten im Bestand vorgenommen und der regionale Bahnverkehr gestärkt werden.“ Mit dieser Position des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland konfrontiert, sagte Straßen.NRW-Sprecher Michael Schmitz einzig: „Uns sind diese Positionen bekannt. Diese nehmen wir zur Kenntnis.“

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