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Beckumer Feld: 180 Meter hohe Windräder ab 2029

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Von: Julius Kolossa

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Der Projektentwickler Juwi will die bisherigen 60-Meter-Windräder am Beckumer Feld durch neue Windräder mit Nabenhöhen von 170 bis 180 Metern und etwa 50 Millionen Kilowattstunden Leistung ersetzen.
Der Projektentwickler Juwi will die bisherigen 60-Meter-Windräder am Beckumer Feld durch neue Windräder mit Nabenhöhen von 170 bis 180 Metern und etwa 50 Millionen Kilowattstunden Leistung ersetzen. © Kolossa

Auf dem Beckumer Feld geht es rund: Die dort befindlichen Windräder haben gut zu tun. Und demnächst soll an selber Stelle noch effizienter der Wind zu Strom gemacht werden. 16 000 Haushalte könnten damit ein Jahr lang mit Strom versorgt, und 30 000 Tonnen an Kohlendioxid eingespart werden. Und die Balver können sich mit einem Bürgerbeteiligungsmodell schon beim Bau daran beteiligen.

Balve - Federica Pelzer, Projektleiterin des Unternehmens JUWI, stellte in der Sitzung vom Ausschuss „Umwelt, Stadtentwicklung, Bau“ das aktuelle Konzept für eine neue Windenergieanlage vor. Drei bestehende Windenergieanlagen mit einer Nabenhöhe von jeweils 61 Metern und einer Gesamtleistung von 3,0 Megawatt sollen durch drei neue Windenergieanlagen ersetzt werden.

Diese haben Nabenhöhen von 170 bis 180 Metern und können etwa 50 Millionen Kilowattstunden an Strom erzeugen. Felzer: „Wir halten die vorgeschriebenen Abstände von Siedlungen mit 1000 Meter und zu Außenbebauungen mit 500 Metern ein, so dass wir dort keine Konflikte sehen.“ Nun gehe es daran, dass Gelände vorschriftsgemäß zu überprüfen, so dass nach der Erstellung der Genehmigungsunterlagen das Baugrundgutachten und die Umweltverträglichkeitsprüfung stattfinden kann.

Diese Prüfung kann sich bis zu zwei Jahre hinziehen, bevor die Erschließung vorgenommen werden kann. „Eventuell im Jahr 2029 kann mit dem Bau begonnen werden“, so Pelzer. Davon haben die Einwohner Balves dann schon von Beginn an eventuelle Vorteile, wenn sie sich an Modellen wie „Bürgerwindrad“, „Bürgerstrom“ oder aber „Sparbrief“ oder „Crowd Funding“ beteiligen.

„Über diese einzelnen Bürgerbeteiligungsmodelle mit ihren finanziellen Vorteilen aber auch Risiken mit Mindestbeteiligung oder langer Laufzeit werden wir zu einem späteren Zeitpunkt informieren.“ Dass Windenergie in Balve demnächst an anderen Stellen als bisher nur im Beckumer Feld genutzt werden kann, dafür schufen die Ausschussmitglieder in der Sitzung die Grundlage, als sie die bisherige Windkonzentrationszone aus rechtlichen Gründen auflösten. Diese einstimmige Entscheidung muss noch vom Rat der Stadt Balve bestätigt werden.

Federica Pelzer (stehend) vom Unternehmen Juwi stellte in der Sitzung vom Balver Ausschuss „Umwelt, Stadtentwicklung, Bau“ das aktuelle Konzept für eine neue Windenergieanlage vor.
Federica Pelzer (stehend) vom Unternehmen Juwi stellte in der Sitzung vom Balver Ausschuss „Umwelt, Stadtentwicklung, Bau“ das aktuelle Konzept für eine neue Windenergieanlage vor. © Kolossa

Unsere Redaktion sprach mit Federica Pelzer über das neue Windenergieprojekt.

Wie und warum kommen Sie auf den Standort am Beckumer Feld?

Da gibt es mehrere Gründe: Zum einen ist es ein Windpark, den Juwi selbst entwickelt hat. Wir wissen daher um die generelle Eignung des Standorts für einen Windpark. Zum anderen prüfen wir natürlich, welche bestehenden Windparks für ein Repowering, also das Ersetzen mehrere Altanlagen durch wenige moderne und leistungsstärkere Anlagen, in Frage kommen. Zudem handelt es sich um eine Fläche innerhalb des Regionalplans (ROP) Arnsberg, den wir im Rahmen seiner Offenlage analysiert haben. In diesem Rahmen sind wir erneut auf die Fläche im Beckumer Feld aufmerksam geworden.

Dort, in der Nähe des Modellflugplatzes, stehen bereits drei Windenergieanlagen – wem gehören diese?

Unserer Erkenntnis nach werden die Bestandsanlagen von einem institutionellen Investor betrieben.

Warum sollen diese Windräder abgerissen und entsprechend neu gebaut werden?

Die betreffenden Windenergieanlagen wurden im Jahr 2005 in Betrieb genommen. Üblicherweise haben Windenergie-Anlagen eine technische Lebensdauer von 20 bis 25 Jahren. Im Anschluss daran bietet sich an vielen Standorten ein sogenanntes „Repowering“ an, bei dem die bestehenden Anlagen zurückgebaut und durch neue leistungsstärkere Windenergieanlagen ersetzt werden. Das heißt am gleichen Standort wird mit weniger Anlagen ein Mehrfaches an sauberem Strom erzeugt. Ein aktuelles Beispiel ist der Standort Spiesheim. Hier ersetzen wir fünf alte Windräder mit einer neuen Anlage und erzeugen dennoch fast das Vierfache an Strom.

Oder ist ein neuer Standort im Beckumer Feld vorgesehen?

Neben der Beplanung eines Standortes, auf dem aktuell zwei Altanlagen stehen, ist zudem eine Erweiterung um zwei Windenergieanlagen geplant, die sich ebenfalls in der geplanten Fläche des ROP Arnsberg befinden.

Wie hoch sind die Investitionen?

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir zu Investitionssummen aus wettbewerblichen Gründen generell keine Angaben machen.

Wann werden Sie eine Bürgerinformationsveranstaltung durchführen?

Wir befinden uns diesbezüglich aktuell in enger Abstimmung mit der Stadtverwaltung. Sobald ein Termin gefunden wurde, informieren wir umgehend.

Bis zum Baustart 2029 ist noch eine lange Zeit: Wie sind Ihre weiteren Überlegungen, die Balver zu informieren?

Neben der Auftakt-Veranstaltung im Fachausschuss für „Umwelt, Stadtentwicklung und Bau“ werden wir im weiteren Projektverlauf eine Projekt-Homepage einrichten, auf der das Vorhaben mit Karten und Visualisierungen vorgestellt wird und auf der regelmäßig über den weiteren Projektfortschritt informiert wird. Hier haben die Bürgerinnen und Bürger auch die Möglichkeit Fragen zum Projekt einzureichen. Weitere Präsenzveranstaltungen, die dann bspw. über finanzielle Beteiligungsmöglichkeiten informieren, werden mit Baubeginn/ Inbetriebnahme erfolgen.

Welche Leistungen brachten die bisherigen Windenergieanlagen?

Die zwei betreffenden Altanlagen haben eine Leistung von jeweils 1.5 Megawatt.

Juwi ist Projektentwickler. Was steckt dahinter?

Juwi entwickelt Windparks, holt die Genehmigung ein, baut die Projekte im Anschluss und bietet Dienstleistungen zur Betriebsführung an. Juwi selbst betreibt Erneuerbare-Energien-Anlagen aber nicht selbst. In der Regel verkaufen wir die von uns entwickelten Projekte an Stadtwerke, Kommunale Energieversorger, Institutionelle Investoren, Energiegenossenschaften, oder bieten eines der Windräder als Bürgerwindrad an. Juwi wurde 1996 von Fred Jung und Matthias Willenbacher in Rheinland-Pfalz gegründet. Seit Ende 2014 ist die Mannheimer MVV Energie AG Partner und 100-prozentiger Eigentümer der Juwi-Gruppe. Firmensitz ist in Wörrstadt bei Mainz. Weltweit sind 850 Mitarbeiter beschäftigt, bisher wurden weltweilt mehr als 1000 Windenergie-Anlagen mit einer Leistung von über 2400 Megawatt an etwa 180 Standorten realisiert.

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