13-Jähriger hat seinem Trainer vertraut

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Zwischen dem Trainer und seinem Schützling soll nicht immer der Fußball im Mittelpunkt gestanden haben.

BALVE/HAGEN ▪ Während an den letzten Verhandlungstagen im Missbrauchs-Prozess gegen einen 47-jährigen Balver zumeist die Vergangenheit Gegenstand war, gab es am Mittwoch die Gelegenheit, einen Eindruck vom momentanen Zustand des heute 17-jährigen mutmaßlichen Opfers zu bekommen.

So berichtete eine mit dem Jungen in Kontakt stehende Diplompsychologin, dass es dem Jugendlichen laut eines Gesprächs vor ein paar Tagen, im Moment sehr schlecht gehe. Er werde von Albträumen verfolgt und leide unter Panikattacken. Die träten insbesondere beim Anblick von Fahrzeugen auf, die dem des Angeklagten ähneln. „Er denkt dann immer. Das kann er sein. Er hat dann immer massive Angst“, so die 57-Jährige. Laut Angaben des Jungen hatte sich der Balver sogar sein Autokennzeichen nach dem damals 13-Jährigen ausgesucht. So sind auf dem Nummernschild die Initialen des Jungen zu lesen.

Die Zeugin erzählte weiter, dass der Junge sehr schnell aggressiv werde und unter so genannten „Flashbacks“ leide. „Der Betroffene erlebt die Situation so, als würde sie gerade geschehen“, weiß die Expertin. Dass sich der Junge auch nach der mutmaßlichen Tat immer wieder von selbst beim Angeklagten gemeldet hat, ist für die Psychologin keine Überraschung: „Es gab ja auch Zeiten, in denen der Kontakt angenehm war. Der Angeklagte war eine zentrale Vertrauensperson für den Jungen.“ Und: „Wenn man ein Kind missbrauchen will, muss man erst sein Vertrauen gewinnen.“ Das Wichtigste sei jetzt, dem Teenager Sicherheiten zu bieten. Da er diese aus seinem schwierigen Elternhaus nicht bekomme, müssten hier andere Wege gefunden werden. Erst wenn das gelinge, habe der Junge eine Chance, das mutmaßlich Erlebte wirklich zu verarbeiten.

Eine Mitarbeiterin des Jugendamtes gab an, dass der inzwischen 17-Jährige heute in einer Wohngruppe lebe, in der er sich wohl zu fühlen scheine. Die Beziehung zum Angeklagten bezeichnete sie als „ungesund“.

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Zeuge von seiner Beobachtung schockiert

Ein 70-jähriger Iserlohner erklärte am Mittwoch, er sei nicht selten Zeuge unzähliger Anrufe seitens des Jungen an den Balver geworden: „Gerade hatte er den Hörer aufgelegt, da klingelt es zwei Minuten später schon wieder“, so der Rentner. Dabei habe er den Angeklagten meist nach Geld gefragt. „Im Großen und Ganzen gesagt, ist er von dem Jungen ausgenutzt worden“, so die Einschätzung des 70-Jährigen.

Mit Spannung werden nun verschiedene Gutachten erwartet. ▪ jape

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