Zwischen Faszination und Schock: Awo-Gruppe bei Milchviehbetrieb Geßler

+
Der Milchviehbetrieb in Kleinendrescheid ermöglicht den Kühen einen beinahe selbstbestimmten Tagesablauf.

Altena - Der Grad zwischen Faszination und Enttäuschung war am Donnerstag schmal. Eine Gruppe der Awo Evingsen/Nettenscheid besuchte den Milchviehbetrieb der Familie Geßler in Kleinendrescheid.

Einige der Frauen schwelgten dabei in Erinnerungen an familieneigene Bauernhöfe – einen Vorteil durch die technische Entwicklung sahen aber nicht alle. „Früher wurden die Kühe noch von Hand geputzt“, bemerkte eine der Teilnehmerinnen während der Führung durch den Milchviehbetrieb. 

Björn Hülle, Student der Agrarwissenschaften und gelernter Landwirt, erklärte gerade den beinahe autark laufenden Betrieb. „Die Kühe können sich hier frei bewegen und selbst entscheiden, was sie wann machen wollen“, sagte er. 

Neugierige Sensations-Kühe

Dabei sprach er die moderne Technik des Hofes an, durch die die Kühe dank Robotern mit Futter versorgt, gemolken und gebürstet werden. Eben immer dann, wenn sie sich selbst dorthin begeben. Hülle betonte die augenscheinliche Ruhe in der Herde: „Würden sie sich unwohl fühlen, suchten sie keine Nähe. Sobald man in ihre Nähe kommt, werden sie zu Sensations-Kühen und sind neugierig, was los ist.“ 

Ein Teil der Gruppe bewunderte den technischen Fortschritt. Für andere hingegen war es eher ein Schock. „Es ist wirklich beeindruckend, wenn man so einen großen Betrieb das erste Mal sieht“, sagte eine Besucherin. Und betonte: „Hier haben die Kühe wenigstens noch richtig Platz und können sich bewegen. In anderen Betrieben werden die ja schrecklich zusammengepfercht.“ 

Björn Hülle erklärte der Gruppe detailliert die Arbeitsabläufe.

Härter äußerte sich dazu Christel Müller. Die Altenaerin ist mit Tieren groß geworden und war vielmehr geschockt von der drastischen Entwicklung. „Für mich ist das hier wirklich enttäuschend – das ist nur noch eine Fabrik und unpersönlich“, sagte sie. Man müsse sich eben vom Gedanken des „Kuschelbauernhofs“ verabschieden, ergänzte Karin Braekler. 

Als wirklich negativ empfand den Hof aber kaum jemand. Vielmehr rangen die Frauen mit der Vergangenheit – in ihrer Kindheit gab es derartige Tierhaltung noch nicht. „Früher wurden die Kühe morgens einfach auf die Weide getrieben und abends gemolken. Wenn nötig, haben wir sie gebürstet und die Klauen geschnitten. Wir können uns einfach schlecht vorstellen, wie das heute funktioniert“, bemerkten die Teilnehmerinnen während der Führung. 

Dass es funktioniert, bewies Björn Hülle, der bis ins kleinste Detail über den Arbeitsablauf auf dem Hof aufklärte. „Man merkt, dass der Mann wirklich mit Liebe dabei und hochbewandert ist“, stellten die Frauen fest.

Lesen Sie dazu auch:

- Die Stallknechte der neuesten Generation

- Jede Kuh hat einen Namen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare