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Zweistelliger Millionen-Betrag: Feuerwache im MK wird doppelt so teuer

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Von: Thomas Bender

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Fünf Rolltore hat die bisherige Feuer- und Rettungswache, hinzu kommt eine Doppelgarage. Der geplante Neubau soll Platz für doppelt so viele Fahrzeuge wie bisher bieten.
Fünf Rolltore hat die bisherige Feuer- und Rettungswache, hinzu kommt eine Doppelgarage. Der geplante Neubau soll Platz für doppelt so viele Fahrzeuge wie bisher bieten. © Thomas Bender

Immense Kostensteigerung schon vor dem ersten Spatenstich: Elf Millionen Euro soll jetzt der Neubau der Feuer- und Rettungswache kosten. So war es aber nicht von vornherein geplant.

Altena – Bis zum 14. Juli 2021 ging die Verwaltung noch von 5,5 Millionen Euro aus. Dann kamen zuerst die Flut und dann der Wiederaufbauplan – und in dem werden die Kosten für den Neubau mit elf Millionen Euro angegeben..

Schon die Tatsache, dass der schon 2019 beschlossene Neubau der Wache überhaupt Bestandteil des Wiederaufbauplans ist, wirft Fragen auf – zumindest bei Ulrich Biroth von der Sozialen und demokratischen Alternative. Denn: Tatsächlich stand am 14. Juli Wasser im Keller des Gebäudes an der Bachstraße. Der Schaden war aber überschaubar, die Wache konnte schon tags darauf wieder in Betrieb gehen. Nur die Atemschutzwerkstatt dürfe nicht mehr genutzt werden, argumentieren die Spitzen von Feuerwehr und Verwaltung. Sie habe sich im Keller befunden, das sei nicht mehr zulässig – und deshalb handele es sich um einen flutbedingten Totalschaden.

Biroth will jetzt wissen, warum die Atemschutzgeräte der Altenaer Wehr nicht wie die der meisten anderen Wehren im Brandschutzzentrum des Kreises gewartet werden – eine Frage, die Wehrführer Alex Grass in der kommenden Ratssitzung beantworten soll. Nach Informationen unserer Zeitung hat sich die Altenaer Feuerwehr für ein System entschieden, das nicht mit dem der anderen Feuerwehren kompatibel ist.

Zurück zur Bachstraße: Dass die Verhältnisse dort nicht mehr den Vorschriften entsprechen, ist schon lange klar. Der Neubau ist deshalb Bestandteil des vor über zwei Jahren verabschiedeten Brandschutzbedarfsplanes, der auch Aussagen dazu macht, wo in etwa der Neubau errichtet werden muss –nämlich in einem Umkreis von einigen hundert Metern um das jetzige Gebäude. Nur dann können die in dem Plan festgeschriebenen Einsatzzeiten eingehalten werden.

Gleich drei Gerätehäuser in den Stadtteilen sollen durch Neubauten ersetzt werden –  es handelt sich um die in Evingsen, auf Großendrescheid (Bild) und in der Rahmede. Die Verwaltung ist auf der Suche nach geeigneten Grundstücken.
Gleich drei Gerätehäuser in den Stadtteilen sollen durch Neubauten ersetzt werden – es handelt sich um die in Evingsen, auf Großendrescheid (Bild) und in der Rahmede. Die Verwaltung ist auf der Suche nach geeigneten Grundstücken. © Bender, Thomas

Diese Vorgabe macht die Sache nicht ganz einfach – freie und zudem noch einigermaßen hochwassersichere Grundstücke in diesem Bereich sind rar. Deshalb wurde von Anfang an über den Abriss der jetzigen Wache und einen Neubau an gleicher Stelle nachgedacht.

Um zu wissen, was wo möglich ist, brauche man zunächst ein Raumprogramm, erklärt Bürgermeister Uwe Kober. Darüber sprachen die Spitzen von Feuerwehr und Stadtverwaltung mit Gutachtern, die bei der Standortsuche und der Planung der neuen Wache behilflich sein sollen. „Das war so ein bisschen wie bei ,Wünsch Dir was’“, erinnert sich der Verwaltungschef – niedergeschrieben wurde bei dieser Planung alles, was gut und teuer ist.

Als da wären: Getrennte Bereiche für die Feuer- und Rettungswache mit eigenen Schlaf-, Aufenthalts- und Sozialräumen, mehrere Schulungsräume, ein Fitnessbereich, Büros, Einsatzzentale, Räume für die Kinder- und die Jugendfeuerwehr, für die Feuerwehr eine Trennung in „schwarze“ und „weiße“ Bereiche (siehe Infokasten), Werkstätten und und und. Vor allem aber: Jede Menge Platz für Fahrzeuge.

Deutlich über ein Dutzend Rolltore seien geplant, sickerte aus den Beratungen durch – es sei fraglich, ob der Platz zwischen Eksi-Draht und der ehemaligen Heißmangel Lewandowski für ein Gebäude dieses Ausmaßes überhaupt ausreiche, zumal ja auch noch Parkplätze für die Einsatzkräfte benötigt werden. In der neuen Wache wird der gesamte Löschzug Stadtmitte unterkommen, das Gerätehaus der Löschgruppe Knerling soll aufgegeben werden.

Das bedeutet Schwarz-Weiß-Trennung

Um Kontaminationen zu beseitigen, die nicht bereits an der Einsatzstelle vom Körper entfernt werden konnten, ist es erforderlich, dass in den Wachen Sozialräume bedarfsgerecht zur Verfügung stehen. Es sollen Wasch- und Duschmöglichkeiten, Toiletten und Umkleideräume vorgehalten werden. Verschmutzte Einsatzkleidung soll nicht mit der Privatkleidung direkt in Kontakt kommen. Deshalb sollten diese getrennt gelagert werden (Schwarz-Weiß-Trennung). Hierfür sind geeignete bauliche und organisatorische Maßnahmen zu treffen.

Quelle: Unfallkasse NRW

Der Bürgermeister wiegelt ab: All das seien bisher nur Planspiele. Aufgabe der Gutachter sei es nun, ein konkretes Raumprogramm zu entwickeln und darzustellen, was auf welchen Flächen zu realisieren ist und mit welchen Kosten zu rechnen ist. Nach Angaben Kobers steht neben dem Grundstück der jetzigen Wache noch ein zweites zur Diskussion – welches, will er nicht sagen.

Gedanken wird man sich auch über eine Übergangslösung für den Fall machen müssen, dass die neue Wache tatsächlich auf dem Grundstück der jetzigen errichtet werden soll. Zur Diskussion stehe für diesen Fall eine Unterbringung in Containern, berichtet Kober.

Die Feuer- und Rettungswache ist nicht der einzige Neubau, der ansteht – der Brandschutzbedarfsplan sieht auch Ersatzbauten für die Gerätehäuser in Evingsen, auf dem Großendrescheid und in der Rahmede vor. Dafür laufe die Suche nach passenden Grundstücken, verrät Kober und berichtet von vielversprechenden Gesprächen, die in einem Fall kurz vor dem Abschluss stünden.

Spätestens dann, wenn ein Grundstückskauf ansteht, wird der Verwaltungschef auch die Politik beteiligen müssen. An der ging die Diskussion über die Anforderung an die neue Feuer- und Rettungswache bisher völlig vorbei. Weder der Hauptausschuss als zuständiger Fachausschuss noch ein Arbeitskreis, der die Aufstellung und Umsetzung des Brandschutzbedarfsplanes begleiten soll, seien in die Diskussion um das Raumprogramm bisher eingebunden gewesen berichtet ein Kommunalpolitiker, der beiden Gremien angehört.

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