Zweimal ausgeraubt: Radtour nach Marokko endet im Desaster

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Endstation Marseille: Weiter kam Jürgen Kalf bei der Radtour nicht. Dort wurde er ausgeraubt.

Altena – Seit vielen Jahren fährt Jürgen Kalf mit dem Fahrrad durch die Welt. Nie endete eine Tour so schlimm wie die letzte. In Marokko kam er nie an.

Rad-Abenteurer Jürgen Kalf ist wieder zurück in Altena. Aber nicht freiwillig. Der Rentner, der nach 25 Jahren noch einmal mit seinem Spezialrad an der Nordküste Afrikas entlangfahren wollte, musste aufgeben. 

„Mein Marokko-Trip endete in einem Fiasko“, sagt er und rückt sich seine bunte Strickmütze auf dem Kopf zurecht. „Ich wurde sowohl in Basel als auch in Marseille ausgeraubt. Schaden: Mehr als 2 900 Euro. 

"Ich hatte nicht einmal mehr einen Pass, eine Geldkarte oder kleinste Reserven. Meine Tochter musste mir von zuhause ein Rückfahrticket nach Deutschland buchen. Das war einfach nur schrecklich.“ 

Erster Überfall in Basel

Kalf unternimmt seit 25 Jahren Radtouren, die ihn durch viele Teile der Welt geführt haben. „Nie musste ich eine Reise aufgrund von Überfällen abbrechen. Aber einmal ist ja immer das erste Mal.“ 

Er startete in Altena am Fronleichnamstag und radelte zunächst den Rhein aufwärts. In der Schweiz angekommen, kurz hinter Basel, ließ er einen Moment sein Rad aus den Augen. Er hatte dort seine Bauchtasche hängen lassen. „Ein fataler Fehler“, räumt er ein. Denn prompt wurden Geldkarte, Bargeld und Kleinigkeiten gestohlen. 

Der Altenaer folgte dann der Radwanderroute Via Rhona. Die oft beworbene und als sehr radfahrerfreundlich bezeichnete Strecke „war für mich wegen mangelhafter Beschilderung, unfreundlicher Menschen und schlechter Streckenabschnitte alles andere als erlebenswert. Ich gehe so weit zu sagen: Das war eine einzige Enttäuschung.“ 

Hitze kaum auszuhalten

Weil die Temperaturen während seines Aufenthaltes in Frankreich auf über 40 Grad anstiegen, pausierte Kalf auf einem Campingplatz in Avignon. Nach vier Tagen kam er in Orange und Arle an, die letzten Stationen vor Marseille. Von dort wollte er auf den schwarzen Kontinent übersetzen. Doch daraus wurde nichts. „Noch immer stieg das Thermometer, teilweise auf unerträgliche 45 Grad Celsius“, erzählt Kalf. „Da habe ich schon mit dem Gedanken gespielt, abzubrechen. Alles war nur noch eine einzige Quälerei.“ 

Und es kam noch schlimmer: Der Altenaer glaubte, am von der Polizei gut bewachten Bahnhof der Hafenstadt ein sicheres Nachtlager gefunden zu haben. „Doch da habe ich mich geirrt. Die Polizei forderte mich irgendwann nach Mitternacht am ersten Tag auf, den Bahnhof zu verlassen. Und dann kreiste mich kurz darauf eine Gruppe Jugendlicher ein und bedrohte mich massiv. Ich hatte keine Chance. Die jungen Burschen haben mir alles abgenommen.“ 

Kolumbianer helfen

Dankbar ist Kalf neben seiner Tochter auch unbekannten Touristen aus Kolumbien. „Die haben mir geholfen, in den richtigen Zug zu steigen, mir etwas zugesteckt, um so dann doch sicher und unversehrt nach Hause zu kommen.“ 

Ob er wieder eine Reise wagen wird? Da muss Kalf zum ersten Mal lächeln. „Ich weiß es noch nicht. Aber ich sage mal: Unterkriegen gilt nicht!"

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