Erkrankter Lutz Vormann kämpft sich zurück: Weihnachten noch nicht zuhause

„Der Weg zurück ins Leben ist wie ein Marathonlauf“

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Lutz Vormann am Schreibtisch. Weihnachten wird er noch nicht wieder ganz fit sein. Aber er kämpft sich zurück und möchte auf jeden Fall weiter Politik machen.

Altena - Was macht eigentlich Lutz Vormann? Wie geht es dem stellvertretenden Landrat des Märkischen Kreises und SPD-Ortsvereins- und Ratsfraktionsvorsitzenden aus Altena im Moment? Und: Ist er Weihnachten wieder ganz der Alte und zuhause? Ehefrau Sandra Höck-Vormann hat auf diese Fragen zunächst eine hoffnungsvolle Antwort: „Ich sage mal, der Weg zurück ins Leben ist wie ein Marathonlauf. Aber Lutz kämpft. Tag für Tag, um wieder ganz gesund zu werden. Er ist auf einem guten Weg.“

Rückblende: Am 5. Mai diesen Jahres wurde der 54-Jährige aus „dem vollen Leben“ gerissen, musste ins Krankenhaus nach Iserlohn eingeliefert werden. Diagnose: Lungenentzündung. „Mein Mann ist einfach zusammengebrochen.“ Im Krankenhaus wurde noch eine Blutvergiftung und ein akutes Nierenversagen festgestellt. „Das war ein totaler Kollaps“, sagt Sandra Höck-Vormann. Er wurde sofort ins künstliche Koma gelegt. Was dann noch folgte, hatte niemand geahnt. Lutz Vormann erlitt zusätzlich einen Schlaganfall. „Der behandelnde Arzt hat mir klipp und klar gesagt: Er wird wohl nie wieder. Was für ein Schock für uns.“ Sandra Höck-Vormann umklammert eine Kaffeetasse, die sie in der Hand hält und schaut aus dem Fenster.

Sandra Höck-Vormann ist voller Hoffnung, dass ihr Mann Lutz vollständig gesundet

Augenblicke der Stille folgen. Dann sagt sie: „Unser Jonathan, der Jüngste, hat seinen vierten Geburtstag wenige Tage danach am Krankenbett in Iserlohn erlebt und auch unseren Hochzeitstag am 15. Mai habe ich dort verbracht. Schrecklich. Diese Ungewissheit.“ Doch neue Kraft kam unerwartet vom Erkrankten selbst. Als hätte er die niederschmetternden Worte des Arztes an seinem Krankenbett gehört, schlug er plötzlich wieder die Augen auf. „Er war voll da, geistig fit und ansprechbar, auch wenn die Kommunikation noch mühselig war.“ Mai bis Dezember ist eine lange Zeit. Acht Monate, in denen die Altenaerin fast täglich zum Krankenbett fuhr und ihrem Mann beistand. Die Iserlohner Ärzte und Pflegekräfte hätten sich in dieser Zeit ungemein um ihren Mann bemüht. „Das war und ist vorbildlich“, sagt Sandra Höck-Vormann anerkennend und dankbar. Nach ersten Monaten in der Waldstadt wurde er in eine Früh-Reha in Hagen-Herdecke geschickt. Spezielle Stroke-Unit-Therapien nach Schlaganfall beherrschten dann die Tage und Wochen nach dieser Zeit. Und immer habe die Frage über allem geschwebt: „Schafft er es oder schafft er es nicht?“ Von Hagen-Herdecke ging es weiter nach Hagen-Ambrock , wo er noch heute versorgt und wieder aufgebaut wird.

Vollständig klar

 „Lutz ist vollständig klar, erinnert sich an alles kommuniziert, als wäre nichts gewesen mit uns. Aber er ist halbseitig gelähmt und muss wieder das Laufen lernen.“ Hagen als Reha-Ort? Warum wählt man diese Zentren und nicht Uni-Kliniken in Nord- oder Süddeutschland? Sandra Höck-Vormann antwortet mit einer Gegenfrage: „Was braucht ein Mensch in dieser Lage am meisten, was glauben Sie?“ und lenkt das Gespräch auf die Familie. „Wir haben schulpflichtige Kinder im Haushalt, der Vater und Zwillingsbruder sind da und unsere Hunde. Wir züchten ja bekanntlich Weimaraner für die Polizei oder Jäger. Die gehen auch als Rettungs- oder Diabetikerwarn-Hunde in die ganze Welt. Was ich sagen will: Lutz braucht und wollte uns, seine Familie, in der Nähe.“ Immer wieder habe sie in den vergangenen Monaten Gerüchte in der Stadt gehört, wie es ihrem Mann gehe und oft seien auch böse Zungen dabei gewesen. „Es gab sogar Personen, die bis auf die Intensivstation gegangen sind, ohne Absprache, um ihn zu sehen. Eigentlich unglaublich“, fügt sie an. Die Krankheit, die Genesung, all die Umstände „haben uns schon schwer getroffen. Aber irgendwie ist Lutz heute schon wieder so ein bisschen wie früher.

SPD ist ihm wichtig

Er nimmt Anteil an allem – besonders der Sozialdemokratie. Die ist und bleibt auf Kommunal- und Kreisebene eine Herzensangelegenheit für ihn. Sobald er die Rehaklinik verlassen kann, freut er sich darauf, seinen politischen Verpflichtungen wieder nachzukommen. Das kriegt man nicht raus aus ihm. Und auch zu seinen Mitpatienten hat er gute Kontakte, hilft ihnen sogar.“ Aber, auch das sagt die junge Frau klar und deutlich: „Der Schlaganfall, die Reha, die Zeit bis jetzt, all das haben unser gemeinsames Leben verändert. Ich habe mich ausbilden lassen in Sachen häusliche Pflege. Ich trainiere, wie bettet man einen Schwerkranken, wie hilft man bei den Aktivitäten des täglichen Lebens im Haushalt oder vermeidet etwa Dekubitus beim Lagern?“ Den Kopf frei kriege sie nur beim Sport. „Ich bin Dog-Triathletin - sogar auf Europa-Ebene.“

Sport ist Ablenkung

Diese Sportart wird mit Hunden gemeinsam betrieben und beinhaltet Radeln, Paddeln und Schwimmen. Weihnachten wird Lutz Vormann noch nicht zu Hause sein. Doch ein, zwei Mal war er bereits kurz wieder in Dahle. Und er ließ sich – „so ist er eben!“ – zum Beispiel zum Aldi nach Altena fahren. Da traf er Menschen, ging wie immer in die Gespräche und blühte auf“, erzählt seine Ehefrau. Obwohl das alles sehr aufwendig gewesen sei. Lutz sei noch immer „sehr cool“, findet seine Frau. Er hat nach wie vor einen strammen Tag. 7 Uhr selbstständig anziehen, frühstücken, dann Therapie und Übungen bis zum frühen Abend.

Dank an Freunde

Wir bitten deshalb liebe Freunde, Bekannte und Weggefährten, ihn nicht zu besuchen. Er möchte es in dieser Situation einfach nicht. Ich bewundere Lutz schon wegen seiner Geduldigkeit und seines Willens. Der ist im Kopf so stark. Sein Vater sagt immer: Einen Vormann muss man immer auf der Rechnung haben!“ Herzlich dankt Sandra Höck-Vormann Freunden, Bekannten und Weggefährten und „ausdrücklich Pfarrer Uwe Krause aus Dahle für ihre Anteilnahme und die aufbauenden Gesten und Worte. So eine Solidarität tut

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