Am 11. November in Altena

„Zukunftsdialog“ zum Wohnen: Bürger können mitreden

Mit dem Thema Wohnen und Wohnformen beschäftigt sich der Zukunftsdialog.
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Mit dem Thema Wohnen und Wohnformen beschäftigt sich der Zukunftsdialog.

Senioren-WG, Co-Working-Bereiche, Mehrgenerationenhaus: Wie soll künftig gewohnt werden? Zum Thema Wohnen gibt es einen „Zukunftsdialog“ in Altena - und jeder darf und soll mitdiskutieren.

Altena – Es ist einfach, sich um seinen eigenen Kirchturm zu drehen, sein eigenes Süppchen zu kochen, aber laut zu klagen: „Hier ist nichts los. Hier kann man nicht einkaufen und wohnen schon gar nicht.“ Kann man nicht? Mit Liebe zur Stadt, mit Mut und Visionen durchaus. Und – ganz entscheidend – mit vielen Kräften, die gemeinsam an einem Strang ziehen.

„Ziel ist es, dass Wohnen und Leben einmal komplett anders gedacht wird. Man muss großzügiger denken, sich mehr vernetzen“, sagt Manfred Haupt, Vorstand der Altenaer Baugesellschaft (ABG), über seine Teilnahme beim „Denkraum-Projekt“. Experten beleuchten dabei das Thema „Wohnen und Arbeiten“ in Südwestfalen aus verschiedenen Perspektiven.

„Denkraum“ zum Thema Arbeit und Wohnen

Initiatoren sind die Südwestfalen-Agentur und die südwestfälischen Volksbanken, die im Rahmen der „Regionale 2025“ besagten Denkraum ins Leben gerufen haben. Dabei sind Stadtentwickler und -planer, Politiker und Wohnraum-Anbieter wie die ABG mit Manfred Haupt aus Altena oder Oliver Drenkard von der Meinerzhagener Baugesellschaft. Und auch die Bürger können mitmachen und mitdiskutieren – beim „Zukunftsdialog“, der am 11. November in Altena stattfindet.

Die meisten Menschen sehen in den Städten ein attraktiveres Wohnumfeld. Mit mehr Freizeitangeboten, einem besseren öffentlichen Nahverkehr, mehr Arbeitsplätzen. „Es gibt zwar einen kleinen Trend Richtung Land, aber der wird durch harte Fakten nicht bestätigt“, sagt Manfred Haupt.

Weniger leere Wohnungen

Die Baugesellschaft hat sich mit der Veränderung ihrer Wohnungstypen der Nachfrage gestellt, bietet unter anderem auch möblierte Wohnungen an, WG-Häuser und Coworking-Arbeitsplätze. Der Leerstand im Bestand der ABG konnte von 9,88 Prozent auf jetzt 7,5 Prozent gesenkt werden, was in absoluten Zahlen bedeutet: Von den 1715 Wohnungen der Baugesellschaft sind im Moment 130 nicht vermietet, wobei viele davon auch gerade saniert oder zusammengelegt werden.

„Wir würden auch eine Alten-WG umsetzen, wenn das gewünscht wäre“, sagt Manfred Haupt. Ist es aber augenscheinlich nicht. Generationenübergreifendes Wohnen oder altersgerechtes Wohnen in WGs haut die Altenaer eher nicht vom Hocker. „Viele Menschen leben in ihren Einfamilienhäusern. Und wenn der Partner verstirbt, möchte man so lange wie möglich selbstbestimmt in dieser Wohnform weiterleben. Den Sprung von dort können sich die Menschen eher in ein Altenheim als in andere Wohnformen vorstellen“, erklärt Manfred Haupt den Stand der Dinge.

Pioniere erproben Leben auf dem Land

Aber es steckt dennoch viel Bewegung im Thema Wohnen – bei den anderen Generationen. Beim ‚Summer of Pioneers‘ in Altena erproben Digitalarbeitende das gemeinschaftliche Leben auf dem Land, in Erndtebrück soll ein KoDorf entstehen, Kreuztal und Warstein planen neue Quartiere. Und auch in Altena gibt es große Pläne und Ideen: Das Thema Wohnen spielt auch bei der Schwatrzenstein-Brache eine Rolle.

Und: Altena und andere kleinere Städte profitieren davon, dass Wohnraum in Großstädten knapper und unbezahlbarer wird. „Corona hat verdeutlicht, dass man auch von Zuhause arbeiten kann. Und warum soll ich das in einer Großstadt machen, wenn ich mir für die Hälfte ein kleines Haus in Altena leisten kann?“, sagt Manfred Haupt und sieht darin durchaus gute Chancen für die Burgstadt und andere kleine Städte. Bestes Beispiel: die Selve-Villa, in der die neuen Eigentümer fast alle Wohnungen vernietet haben - zu deutlich höheren Preisen als derzeit üblich in der Stadt. Dass der IC bald durchs Lennetal fährt, steigert die Attraktivität zudem.

Thema Wohnen nicht alleine zu bewältigen

Die Fragen zur Kombination von „Arbeiten und Wohnen“ betreffen nicht nur die Wohnungsbaugesellschaften, sondern auch die Städte selbst sowie Firmen und Kreditinstitute. „Klar ist, dass man als kleines Wohnungsunternehmen nicht alles allein bewältigen kann. Die Industrie und die kommunale Verwaltung müssen sich ebenso einbringen, um eine Stadt wie Altena weiterzuentwickeln“, so Manfred Haupt.

Vor allem, so findet er, müssen die Bürger ins Boot geholt werden. „Veränderungsprozesse können nur von innen nach außen passieren, nicht andersherum“, so der Vorstand der Baugesellschaft. Altena werde von Außenstehenden als attraktiver Wohnstandort angesehen – mit einer naturnahen Lage und guter Infrastruktur.

ABG-Chef: Leerstand nicht als Problem sehen

„Ich kann nachvollziehen, dass Bürger durch den Leerstand in der Stadt abgeschreckt sind. Aber das gehört heute zum Leben dazu, überall auf der Welt gibt es dieses Problem. Wir müssen uns loslösen davon, dass es ein Altena Problem ist. Das ist es nicht.“ Zumal sich was tut in der Innenstadt und einige Leerstände bereits verschwunden sind.

Zum Auftakt des „Denkraumes“ ging es um verschiedene Facetten des Wohnungsmarkts. Am 11. November heißt der Titel in Altena – der Ort wird noch bekannt gegeben – „Lebensstil Neues Land – Auch in Südwestfalen?“ Dann wird es von 17 bis 19 Uhr unter anderem Diskussion mit den Pionieren, mit Politikern und Wohnungsgesellschaften geben. Dabei sein ist für alle Interessenten vor Ort möglich, aber auch digital via Zoom.

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