Zahnarzt im MK: Vierte Generation am Bohrer

Zahnarztpraxis Lönquist in Altena
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Stilvoll bohren: 1990 zog die Praxis Lönquist in die ehemalige Silberwarenfabrik Rentrop in Altena um. Dr. Björn, Dr. Jan und David Lönquist (von links) im schönsten der insgesamt sieben Behandlungszimmer

Die vierte Generation hat den Bohrer übernommen. Seit mehr als 75 Jahren besteht die Zahnarztpraxis Lönquist in Altena.

Altena – Wenn es so etwas wie eine Zahnarztdynastie gibt, dann heißt sie Lönquist: Die Praxis besteht seit mehr als 75 Jahren. Das ist weit und breit einmalig – vor allem auch deshalb, weil mit David Lönquist inzwischen die vierte Generation der Familie dort tätig ist. Er arbeitet seit dem vergangenen Jahr an der Freiheitsstraße. Seniorchef Dr. Jan Lönquist hingegen zieht sich aus dem operativen Geschäft zurück.

Der 80-Jährige praktizierte seit 1968. Damals stieg er bei seinem Schwiegervater Dr. Ernst Kamrath ein, der 1945 eine Zahnarztpraxis an der Linscheidstraße übernommen hatte. Kurz nach dem Krieg habe es dort noch mechanisch angetriebene Bohrer gegeben, die dann später bei seinem Opa im Keller gestanden hätten, erinnert sich Dr. Björn Lönquist, der genau in dem Jahr auf die Welt kam, als sein Vater Zahnarzt wurde.

Früher viel mehr Zähne gezogen als heute

1972 übernahm Dr. Jan Lönquist die Praxis seines Schwiegervaters und zog von der Linscheid- zur Lennestraße um. Im Laufe seines Arbeitslebens habe er starke Umbrüche in der Zahnmedizin miterleben dürfen, erzählt der Senior. „Damals wurden viel mehr Zähne gezogen als heute“.

Dafür habe es zwei Gründe gegeben: Zum einen seien die Patienten damals erst zum Arzt gegangen, wenn sie die Schmerzen nicht mehr ertragen konnten. „Zum anderen können wir mit den heutigen Möglichkeiten Zähne behandeln, die früher nicht mehr zu retten waren.“ Im Laufe der Jahre und Jahrzehnte hätten dann Themen wie Prophylaxe und Parodontosebehandlung an Bedeutung gewonnen, was der Zahngesundheit gutgetan habe.

In die Fußstapfen des Vaters getreten

Immer auf dem Laufenden bleiben – das war Dr. Jan Lönquist in seinem Berufsleben ein stetes Anliegen. Schon 1988 beschäftigte er sich mit Implantologie – die feste Verankerung von Zahnersatz im Kiefer steckte damals noch in den Kinderschuhen. Seine große Erfahrung sorgte dafür, dass er neben seiner Tätigkeit in der Praxis auch zum Gutachter ernannt wurde.

1990 zog Lönquist mit seiner Praxis noch einmal um, und zwar in die ehemalige Silberwarenfabrik Rentrop an der Freiheitstraße. Damals zeichnete sich bereits ab, dass sein Sohn Björn in seine Fußstapfen treten würde – er hatte gerade in Ulm sein Studium der Zahnmedizin begonnen.

Keiner drängt den Junior zur Berufswahl

Nach dessen Abschluss arbeitete er zunächst an der Universität Ulm, wo er 1997 mit einer Arbeit über Stress von Patienten im Zahnarztstuhl promovierte. Dann kehrte er nach Altena zurück und stieg in die Praxis seines Vaters ein. 2008 übernahm er sie, Dr. Jan Lönquist war seither als angestellter Zahnarzt dort tätig.

Das war 1997, Sohn beziehungsweise Enkel David war da gerade fünf Jahre alt – ein Alter, in dem Jungs wohl eher Feuerwehrmann als Zahnarzt werden wollen. Weder sein Vater noch sein Großvater hätten ihn gedrängt, diesen Beruf zu ergreifen, versichert David Lönquist. Der Entschluss sei erst mit dem Abitur gereift.

Reger Austausch unter Generationen

Als Junge habe er Spaß am Zeichnen gehabt und möglichst filigrane Dinge zu Papier gebracht. Dieses motorische Feingefühl und ein Praktikum in der Praxis seines Vaters hätten ihn schließlich zu dem Entschluss gebracht, dass Zahnarzt der richtige Beruf für ihn sei, erzählt der 28-Jährige. Von 2015 bis 2019 studierte er in Mainz Zahnmedizin und trat dann in die Praxis seines Vaters Björn ein.

Der ständige fachliche Austausch mit Sohn und Enkel sorgte dafür, dass der Senior der Praxis bis heute auf der Höhe der Zeit ist und keinesfalls der „früher war alles besser“-Mentalität huldigt.

Mancher Patient lag bei allen auf dem Stuhl

„Es ist toll, was heute alles möglich ist“, schwärmt Dr. Jan Lönquist mit Hinweis zum Beispiel auf dreidimensionales Röntgen, für das sowohl sein Sohn als auch sein Enkel ausgebildet sind. Auf diesen Röntgenbildern sieht man viel besser, wo was (im wahrsten Sinne des Wortes) faul ist. Das und ein deutliches verbessertes Instrumentarium erleichtere beispielsweise Wurzelbehandlungen enorm.

Besser als früher ist auch die Sache mit dem Notdienst. Der ist kreisweit organisiert, die Praxis muss nur noch an zwei bis drei Feiertagen pro Jahr geöffnet sein. „Früher war das öfter. Und man konnte an diesen Tagen auch nicht weg, weil es ja noch keine Handys gab“, erinnert sich Jan Lönquist.

Vier Generationen in einer Praxis – das hat zur Folge, dass manche Altenaer Familie in dritter oder vierter Generation dort behandelt wird. „Und ich hatte auch schon ältere Patienten auf dem Stuhl, die als Kinder noch Patienten meines Urgroßvaters waren“, sagt David Lönquist.

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