Zahl der Nutzer liegt jetzt deutlich unter 1000

Dramatische Bücherei-Bilanz

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Kinder sind die eifrigsten Nutzer der Stadtbücherei.

Altena - Wie geht es weiter mit der Stadtbücherei? Diese Frage drängt sich angesichts der Zahlen auf, die Antonius Gusik am Montagabend dem Ausschuss für Schule, Sport und Kultur präsentierte. Aktuell hat die Stadtbücherei deutlich unter 1000 aktive Leser. 2006 waren es noch 2600, damals schon kostete jeder Leser den Steuerzahler einen jährlichen Zuschuss von 122 Euro.

 Etwa 344 000 Euro steckt die Stadt im kommenden Jahr in die Bücherei, bei etwa 900 aktiven Lesern (ganz genaue Zahlen gibt die Statistik des Büchereileiters nicht her) ist das ein Betrag von rund 380 Euro pro Leser und Jahr. Das reicht locker für den Kauf von 30 Taschenbüchern – tatsächlich werden im laufenden Jahr voraussichtlich rund 34000 Medien ausgeliehen, das sind 37 pro aktivem Leser.

Auffällig: Kinder sind das Pfund, mit dem die Bücherei noch wuchern kann. Bei den Kinderbüchern rechnet Gusik für das laufende Jahr mit knapp 10000 Ausleihen, das wäre eine Steigerung. Etwa 430 aktive Leser sind jünger als 18 Jahre, wobei die Jugendlichen allerdings kaum noch ins Gewicht fallen: Die Ausleihzahlen bei den Jugendbüchern liegen sehr deutlich unter 1000. Gut genutzt – wenn auch mit leichter Tendenz nach unten – werden Hörbücher und Romane, während sich die Ausleihzahlen bei den Sachbüchern innerhalb von zwei Jahren fast halbierten.

Angesichts dieser Zahlen setzt das Büchereiteam vor allem auf die Rekrutierung ganz junger Leser. Die Zusammenarbeit mit dem im gleichen Gebäude untergebrachten Tagespflegebüro sei gut, schreibt Gusik. Auch zu Caritas und zu den Kindergärten gebe es gute Kontakte, sodass ein „Büchertreff für Kinder von eins bis drei Jahren“ kurz vor der Gründung stehe. Mit einer Fülle von Angeboten versucht die Bücherei, sich interessanter zu machen. Da gibt es Führungen für Kindergärten und Grundschulen (Gusik: „könnten noch intensiver genutzt werden“), eine Schreibwerkstatt für Kinder („traf dieses Jahr leider wieder nicht das Interesse der Schüler“) und Autorenlesungen („werden wegen mangelndem Interesse der Bürger nur selten geplant“).

Immerhin gibt es das ein oder andere Erfolgsmodell: Der Vorlesespaß für Vorschulkinder läuft gut, das große Kinder- und Familienfest zum Ende der Ferien war auch 2018 ein Publikumsmagnet. Gusik sieht einen grundsätzlichen Wandel der Bedeutung der Stadtbücherei. Sie werde häufig zum gemeinsamen Lernen genutzt. Gemeinsam mit dem Förderverein will er die Aufenthaltsqualität in dem Gebäude weiter verbessern: „Die Stadt plant die Erweiterung der Reinigungszeiten sowie Renovierungsarbeiten. So sollen Bürger motiviert werden, ihre Stadtbücherei als dritten Ort – neben Wohnung und Schule oder Arbeitsplatz – zu nutzen und sich bei Veranstaltungen, beim Lernen, Arbeiten, Spielen und im Gespräch wohl zu fühlen“.

Gut angenommen würden auch Präsenzangebote wie der umfangreiche Bestand an Zeitschriften, Nachschlagwerke und die Internetzugänge. Politik nimmt lediglich Kenntnis Der Ausschuss nahm den dramatischen Rückgang der Büchereibenutzer lediglich zur Kenntnis, diskutiert wurde nicht – vielleicht auch deshalb, weil die Zahlen den Politikern als Tischvorlage präsentiert wurden und sie sich nicht vorbereiten konnten.

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