Er wusste gar nichts vom „Deutschen Lehrerpreis“

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Monika Pfeil hat Ingmar Vogel für den Deutschen Lehrerpreis vorgeschlagen. ▪

ALTENA ▪ „Deutscher Lehrerpreis – was ist denn das ?“ Das war der erste Gedanke, der Ingmar Vogel durch den Kopf schoss, als er einen an ihn „persönlich“ adressierten Brief in seinem Postfach geöffnet und gelesen hatte.

In dem Schreiben gratulierte ihm der Deutsche Philologenverband zu einer Auszeichnung, von deren Existenz er bis dahin nichts gewusst hatte. Er nicht. Wohl aber seine ehemalige Schülerin Monika Pfeil, die im Sommer an der Bismarckstraße ihr Abiturzeugnis bekommen hatte. Sie war es, die ihren damaligen Lehrer für die Auszeichnung vorgeschlagen hat. Auf zwei Druckseiten hatte sie den 34-jährigen Pädagogen als preiswürdig beschrieben – und dabei offenbar die richtigen Worte gefunden. Vogels Unterricht beschrieb Monika Pfeil gestern als „sehr fresh“.

Großer Bahnhof in Berlin, Handschlag von der Bundeskanzlerin – gestern berichtete Ingmar Vogel über die Hintergründe und Umstände der Auszeichnung, die ein großes mediales Interesse ausgelöst hatte. Nein, ein Küsschen hat er nicht bekommen von der Kanzerlin, „das hat wohl nur im Fernsehen so ausgesehen.“

Schon während der Schulzeit sei es für ihm klar gewesen, dass er einmal den Lehrerberuf ergreifen will. Und die Fächer waren eigentlich auch vorbestimmt: Sport, weil er begeisterter Handballspieler ist, und Geschichte, „weil ich immer gerne meiner Oma zugehört habe, wenn sie von früher erzählt hat.“ Und wie war er selbst als Schüler? Vogel beschreibt sich als eine „ausgewogene Mischung“. Er habe zum Beispiel gerne gefeiert – „aber ich wusste auch immer, wenn Schluss sein musste damit“. Dann ging es wieder ans Lernen.

Für Vogel ist es ein Anliegen, sich Zeit für seine Schüler zu nehmen, für ein individuelles Gespräch auch außerhalb des Unterrichts. Dabei sei es aber wichtig, nicht nur „kumpelig“ aufzutreten, sondern „freundschaftliche Authorität“ auszustrahlen.

Die heutige Schullandschaft? Dem G8-Abitur steht der preisgekrönte Pädagoge, seit 2009 an der Bismarckstraße tätig, durchaus auch skeptisch gegenüber. „Das macht es schwieriger, ein guter Lehrer zu sein. Man merkt, dass den Schülern ein Jahr fehlt“, sagt Vogel. „Damit steigt auch der Druck auf uns.“ J tk

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