Es war der Wunsch des Onkels

Ingrid Dobrin vor der Vitrine, in der jetzt Kelch und Teller ausgestellt sind.

ORTSMARKE ▪ Die Wurzeln der Dahlerin Ingrid Dobrin liegen in Schlesien: Ihre Eltern kommen aus Breslau und ihr Patenonkel stammt aus Schweidnitz (´Swidnica), das rund 70 Kilometer davon entfernt liegt. Jetzt war sie dort zu Besuch, und zwar um einen Abendmahlskelch und einen Hostienteller in die alte Heimat zu bringen.

„Heinz Dobrin, mein Patenonkel, war der letzte deutsche Pfarrer der Schweidnitzer Friedenskirche“, erzählt die 73-Jährige im Gespräch mit der Redaktion. Im Alter von 92 Jahren verstarb er 2002. Ingrid Dobrin kümmerte sich zusammen mit ihrer Cousine Ulrike Eschweiler um den Nachlass. Und da fanden sie eben diesen Abendmahlkelch aus dem Jahre 1705, gespendet von Rosina Schoberer, geborene Fesseling, und den dazugehörigen Oblatenteller. „Die Sachen muss er damals mitgenommen haben, um sie vor Plünderern zu schützen“, meint Dobrin.

Ein Auktionshaus habe sie als sehr wertvoll eingeschätzt. Die Verwandten hätten schließlich entschieden, dass Ingrid Dobrin Kelch und Teller bekommen sollte, weil sie die älteste der Hinterbliebenen ist. Doch: „Ich wollte es nicht behalten. Was sollte ich damit?“ Außerdem habe der Pfleger ihres Onkels ihr berichtet, dass es sein Wunsch war, dass die Dinge nach Schweidnitz zurückkommen. „Ich habe mich sofort an den jetzigen Pfarrer gewandt und ihm einen Brief geschrieben. Doch er hat nie geantwortet“, erinnert sich die 73-Jährige. Und so verstrich die Zeit. Erst 2009 wurde Ingrid Dobrin wieder aktiv und wandte sich an die deutsche Botschaft in Polen. Daraufhin meldete sich der Kulturreferent Rainer Sachs bei der Dahlerin. „Er war hochentzückt, einmal etwas Positives zu erleben“, erzählt sie. Er stellte Kontakt her zum Museum in Schweidnitz und kümmerte sich um eine offizielle Übergabe vor Ort.

Ingrid Dobrin flog mit ihrer Cousine nach Breslau. Dort wurden die Frauen abgeholt und nach Schweidnitz gefahren. Es gab einen Empfang beim Oberbürgermeister. Der habe sich bedankt und die Aktion sehr begrüßt. Er habe von „aufeinander zugehen“ und „Völkerverständigung“ gesprochen, berichtet Ingrid Dobrin. Auch sie hielt eine kleine Rede. „Ich erklärte, dass wir uns freuen, den Wunsch unseres Onkels zu erfüllen und die Sachen zurückbringen konnten“, erzählte die 73-Jährige. Für sie sei das einfach eine Selbstverständlichkeit gewesen. ▪ Ilka Kremer

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