Pianist Timur Gasratov begeistert bei Weltklassik

Der vielfach ausgezeichnete Pianist Timur Gasratov bei seinem Gastspiel „Weltklassik am Klavier“ in der Burg Holtzbrinck. Er kam bereits zum zweiten Mal nach Altena.  Foto: Jakob Salzmann

Altena -    Zeitlich gesehen liegen zwischen Beethovens Sonate Nr. 3 C-Dur op. 2 Nr. 3 aus dem Jahr 1795 und Schuberts Sonate a-Moll D 784 – 1823 entstanden – nur wenige Jahre. Musikgeschichtlich trennen die beiden Werke, die sich am Sonntagnachmittag, 18. Januar 2015, in der Burg Holtzbrinck im Rahmen der „Weltklassik am Klavier“ begegneten, Welten.

Beethoven verneigt sich in seiner Sonate vor seinem Lehrer Haydn und zeigt sich der Frühklassik verpflichtet. Schubert bricht zu neuen (romantischen) Ufern auf. „Virtuose Höhepunkte“ sind beide Werke. In Riesenschritten durcheilte der vielfach ausgezeichnete Pianist Timur Gasratov – zuletzt im April 2014 bei der „Weltklassik am Klavier“ in Altena zu erleben – am Sonntagnachmittag die großen Klassiker der Musikgeschichte.

Ausnahmslos „Virtuose Höhepunkte“, die im zweiten Teil des Programms in Frédéric Chopins kongenialen „12 Etüden op. 25“ gipfelten, brachte der an der berühmten Stoljarski-Musikschule in Odessa ausgebildete Pianist, der seit 2007 klassisches Klavier an der Hochschule für Musik in Freiburg unterrichtet, zu seinem gefeierten Gastspiel in der Burg Holtzbrinck mit.

Erfreulicherweise war der kleine, feine Konzertsaal so voll wie seit Jahren nicht mehr. Zusätzliche Stühle mussten nachgestellt werden, um allen Konzertbesuchern einen Sitzplatz anbieten zu können. Orchestrale Fülle entfaltete Timur Gasratov in der viersätzigen Beethoven-Sonate, die pianistischen Glanz einforderte. In der hellen, lebensbejahenden Tonart C-Dur verfasst, sprühte die Sonate, in der Beethoven mit jeder Zeile seinen konzertanten Anspruch manifestierte, nur so vor Vitalität und Lebendigkeit. Nächtliche Schatten, die in abgründige, geheimnisvolle Tiefen hinab glitten und den jungen Komponisten von seiner nachdenklichen Seite zeigten, tauchten lediglich im Adagio auf.

Nichtsdestotrotz haftete der Sonate in der farbenreichen Interpretation Gasratovs eine gewisse Leichtigkeit an. Die Vielzahl an Gedanken und Einfällen, die Beethoven in seine frühe Sonate „packte“ – angefangen bei kräftigen Akkordschlägen über Arpeggien und gebrochene Oktaven bis hin zu brillanten Trillern und schwebenden Seufzern – erlaubte es ihm, aus dem Vollen seiner pianistischen Fähigkeiten zu schöpfen.

Mit der a-Moll Sonate von Schubert brachte der Pianist eine der meistgespielten Sonaten des Wieners zu Gehör. Von scharfen Gegensätzen der Dynamik und des Ausdrucks zeigte sich das Werk durchdrungen. Bei den Etüden Chopins, die zwischen 1833 und 1837 entstanden, zeigte sich der Virtuose vollends in seinem Element. Mit Hingabe und spieltechnischer Brillanz widmete er sich den spannungsgeladenen, zeitlos schönen Charakterstücken, die hohen musikalischen Rang besitzen und zahlreiche große Klavierkomponisten inspirierten.

Jede der zwölf Etüden entpuppte sich unter Gasratovs Händen als kleiner Geniestreich. Mal lebhaft mit extrem elastischen Fingern wie in der äußerst schwierig zu spielenden Etüde Nr. 5, dem Scherzo des Zyklus, mal mit traurig klagender Stimme wie bei der Etüde Nr. 7 durchmaß er das berühmte Etüdenwerk, in dem Chopin das „Übungsstück“ zur Kunstform erhob.

von Monika Salzmann

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