Christen kümmern sich in Altena um anonym Verstorbene

von Maike Förster - ALTENA - ALTENA ▪ „Der Zustand einer Gesellschaft lässt sich daran bemessen, wie sie mit ihren Toten umgeht.“ Dieser Satz ist für Pfarrer Dr. Dietrich Kehlbreier kein Allgemeinplatz, sondern ein Appell zum Handeln: „Immer mehr Menschen werden anonym bestattet. Entweder weil sie keine Angehörigen haben oder weil sie schlicht kein Geld für eine würdevolle Bestattung haben. Manchmal verscharrt nur ein Friedhofsgärtner die Kapsel, in der sich die Asche des Verstorbenen befindet.“ Mit einem würdevollen Umgang mit den Toten habe das nur noch wenig zu tun, fügt Kehlbreier hinzu.

Dieses Faktum brachte den evangelischen Geistlichen bei einem Treffen mit seinem katholischen Kollegen Diakon Ulrich Slatosch, Kirsten Hochrinner vom Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) und Christiane Frebel, stellvertretende Vorsitzende des Pfarrgemeinderates St. Matthäus Altena-Nachrodt-Wiblingwerde, auf die Idee, einen Gottesdienst für einsam Verstorbene abzuhalten.

„Wir wollen an die Menschen erinnern, denen ein Gedenken bisher versagt geblieben ist“, erklärt Kehlbreier. Wichtig ist dem Pfarrer die Anbindung an den Wochenabschlussgottesdienst. „Angehörige werden ja nicht kommen. Aber die Gemeinde, jeder einzelne Gläubige, der am Freitag in die Kirche kommt, wird da zum Nächsten der Menschen, derer wir gedenken wollen.“

Natürlich erhofft sich Kehlbreier viel Zuspruch für den ökumenischen Gottesdienst, der am Freitag ab 17 Uhr in der Kapelle des katholischen Friedhofes Breitenhagen gefeiert wird. Eingeladen sind ausdrücklich alle Gemeindeglieder und Bürger, denen es ein Anliegen ist, der einsam Verstorbenen zu gedenken.

Über die Hintergründe der sich häufenden Zahlen von einsam Verstorbenen wird Kirsten Hochrinner im Rahmen des Gottesdienstes aufklären. „Die so genannten Sozialbestattungen nehmen zu. Die Kosten übernimmt das Ordnungsamt. Da muss alles billig sein. Wir wollen ein Gegengewicht setzen, denn anonyme Beerdigungen kennt die christliche Bestattungskultur nicht. Und aus diesem Grunde wollen wir die Namen der Verstorbenen nennen“, sagt Kehlbreier und hofft, dass es nicht bei einem einmaligen Gottesdienst bleibt. „Solche Feier sollte es regelmäßig geben.“

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