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Große Pläne: Ganzes Wohngebiet soll klimaneutral werden

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Von: Jona Wiechowski

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102 Häuser, darin gut 400 Wohneinheiten oder 24 000 Quadratmeter Wohnfläche hat die Baugesellschaft am Knerling – und all das soll klimaneutral werden. Dauern wird das viele Jahre. Die ersten Gedankenspiele mit dem Fraunhofer-Institut haben begonnen.
102 Häuser, darin gut 400 Wohneinheiten oder 24 000 Quadratmeter Wohnfläche hat die Baugesellschaft am Knerling – und all das soll klimaneutral werden. Dauern wird das viele Jahre. Die ersten Gedankenspiele mit dem Fraunhofer-Institut haben begonnen. © Wiechowski, Jona

Die Altenaer Baugesellschaft (ABG) hat Großes vor: Der Knerling mit seinen gut 400 Wohneinheiten soll klimaneutral werden. Wie genau das umgesetzt werden kann, erarbeitet die ABG zurzeit mit Experten des Fraunhofer-Instituts. Feststeht: Von heute auf morgen ist dieses umfangreiche Projekt nicht möglich. Dafür ist die Thematik viel zu komplex, was auch an den denkmalgeschützten Gebäuden mit ihren eigenen Vorgaben liegt.

Altena - Vorstand Manfred Haupt spricht von einem „Projekt mit Signalwirkung.“ Der Vorstand stellt im Gespräch klar: „Wir setzen einen sehr großen Fokus auf den Knerling.“ Dafür soll auch die Gartenstadt-Idee weiter vertieft werden, nach deren Idealen die Siedlung einst gebaut wurde. Erst im letzten Jahr hatte die Baugesellschaft den Generationenplatz errichtet mit Boule-Anlage, Bänken, Pizzaofen und Hochbeeten. Der Platz soll Generationen verbinden – und die Siedlung attraktiver machen. Attraktiver werden soll sie auch durch Klimaneutralität; dadurch, dass der gebrauchte Strom auf kurz oder lang komplett am Knerling beziehungsweise in der Nähe erzeugt werden kann. Einerseits, um das Klima zu schützen; andererseits, um beispielsweise den steigenden CO2-Besteuerungen, die sowohl Mieter als auch Vermieter anteilmäßig bezahlen müssen, zu minimieren. Auch in Zukunft wolle die ABG bezahlbaren und attraktiven Wohnraum bieten.

Das ist ein Großprojekt. Magnus Benkhofer, bei der ABG für Instandhaltung und Technik zuständig, zeigt die Rahmenbedingungen auf: 102 Gebäude unterhält die Gesellschaft am Knerling, die sich aus gut 400 Wohneinheiten mit einer Wohnfläche von rund 24 000 Quadratmeter Wohnfläche zusammensetzen. „Im Jahr werden rund 3,6 Millionen Kilowattstunden Gas allein für die Heizung gebraucht“, erklärt er. Teilweise sei Warmwasser da schon mit eingerechnet. Geheizt wird in den Meisten Wohnungen mit Gasetagenheizungen. Benkhofer spricht von 82 Gebäuden mit Einzelfeuerstätten und 20 Zentralheizungsanlagen.

Der Weg soll weg vom Gas sein, das ganz aktuell auch politisch unter Beschuss geraten ist. Mithelfen bei einer Lösung soll das Fraunhofer-Institut. Zustande gekommen ist der Kontakt über einen der Pioniere, die Altena Ende 2021 verlassen haben. 15 Kreativ- und Digital-Arbeiter hatten die Burgstadt damals für sechs Monate zu ihrem Lebensmittelpunkt gemacht und verschiedene Projekte angestoßen.

Hauptsächlich sind es vier Mitarbeiter des Instituts, die sich nun mit dem Altenaer Projekt beschäftigen; im Hintergrund werden sie von weiteren Mitarbeitern unterstützt. Zu einem ersten vierstündigen Workshop kamen die beiden Parteien in der letzten Woche zusammen. Kernfrage: „Mit welchen Energiequellen kann die Versorgung sichergestellt werden?“ Man müsse schauen, ob vielleicht zwei Millionen Kilowattstunden per Photovoltaik erzeugt werden könnten, so Benkhofer. Dafür müsse erörtert werden, ob es überhaupt genug Flächen gebe – oder, ob sich vielleicht andere Energiequellen viel besser eignen würden, wie zum Beispiel die Kombination von selbsterzeugtem Solarstrom in Verbindung mit dem Betrieb von Wärmepumpen.

Im Gespräch mit unserer Zeitung machen die Vertreter der Baugesellschaft klar: „Alles ist denkbar.“ Man wolle sich von Vornherein keiner Idee verschließen, sagt Jörg Hammerschmidt, bei der ABG zuständig für Modernisierung und Technik, und nennt sichtbare Solarfelder, mit denen das Klima in der Siedlung sicht- und erlebbar gemacht werden könnte, oder einen Mix aus Energiequellen.

In den nächsten Monaten sollen die Ideen weiter vertieft werden. „Von Workshop zu Workshop haben wir Hausaufgaben“, so Haupt. Die ABG müsse dann zum Beispiel Daten aufbereiten oder auch neue zur Verfügung stellen. Ende des Jahres soll dann vielleicht schon eine grobe Richtung erkennbar werden, wie das Projekt Klimaneutralität in den nächsten Jahren angegangen wird.

Wichtig für die Mieterschaft der ABG: Alle Maßnahmen sollten im bewohnten Zustand möglich sein. „Die Bewohner können und sollen in ihren Wohnungen bleiben.“

Wäre das alles nicht schon aufwendig genug, kommt am Knerling der Denkmalschutz mit seinen Tücken erschwerend hinzu. Eine Sache, die es aufgrund des Denkmalschutzes zu beachten gilt: „Wir dürfen nicht viel an der Fassade machen“, erklärt Hammerschmidt, sodass Wärmedämmmaßnahmen an der Fassade nur bedingt möglich sind. Der Einbau neuer Fenster ist in den nächsten Jahren in Abstimmung mit der Unteren Denkmalbehörde geplant. Abgesehen von den Klimaneutralitäts-Planungen liefen flankierend auch bereits Wärmedämmmaßnahmen im Dach und Kellerboden unverändert weiter..

Bei dem Vorhaben handelt es sich um ein Pilotprojekt. „Wir versprechen uns dadurch eine Signalwirkung über die Landesgrenzen hinaus“, sagt Haupt. Diese Wirkung soll auch auf die Jugend überspringen. Deswegen hofft die Baugesellschaft, dass sich ein Physik-Leistungskurs des Burggymnasiums mit in das Projekt einbringt. Hier warte er aktuell noch auf eine Antwort.

Und alles, was jetzt aus dem Projekt gelernt wird, will die ABG weiter nutzen. Nicht zuletzt in den eigene Standorten Breitenhagen und Pragpaul wo sie zwei weitere große Wohngebiete unterhält, die irgendwann auch mal klimaneutral werden sollen. Auch für andere Gesellschaften sollen diese Erfahrungswerte zugänglich gemacht werden.

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