Wirtshausgeschichten: Stammtische im Bild

ALTENA ▪ Objekt des Monats heißt die Reihe, mit der die Museen des Märkischen Kreises auf interessante Neuerwerbungen oder Kostbarkeiten aus den Magazinen aufmerksam machen wollen. Zu sehen sind die Objekte in der Vitrine vor dem Ausstellungsraum „In aller Munde“ in den Museen Burg Altena zu den üblichen Öffnungszeiten.

Beim Objekt des Monats Mai werden möglicherweise bei manchen älteren Altenaern Erinnerungen wach: Zu sehen sind drei Aquarellbilder von Mitgliedern des Stammtischs, der regelmäßig in der ehemaligen Gastwirtschaft vom Heede stattfand. Das Wirtshaus befand sich in der Bahnhofstraße 37, geführt wurde es vom stadtbekannten Wirt Gustav vom Heede. Die Mitglieder des Stammtisches „De Schaule“ (=Schule), kamen aus allen Schichten, allerdings sprach man nur Plattdeutsch. Fanden Stammtische statt, ließ der Wirt keine anderen Gäste in die Gastwirtschaft. Frauen waren nur zu besonderen Anlässen zugelassen, vor dem 2. Weltkrieg war dies überhaupt nicht üblich.

Der Maler Heinz Wever gesellte sich 1936 zum Stammtisch. Er folgte einem Tipp von Burgwart Braun, der von seinem Interesse am Plattdeutschen wusste. Wever begann noch im selben Jahr Porträts von einzelnen Teilnehmern zu zeichnen. Diesen fügte er zum Teil kleine Gedichte hinzu, welche die Eigenschaften der Personen hervorhoben. An den ersten Abenden entstanden gleich mehrere Porträts mit einem eher skizzenhaften Charakter. Nach dem zweiten Weltkrieg ließ er sich die Porträts bezahlen. Der ursprüngliche Stammtisch wurde in dieser Zeit aufgelöst. Als Gustav vom Heede 1958 starb, übernahm sein Schwiegersohn Erich Niemeyer die Gastwirtschaft. Nach dem Tod von Niemeyer wurde das Wirtshaus im Oktober 1961 geschlossen.

In das Gebäude zogen ein Architekturbüro und eine Arztpraxis. Die Gemälde von Wever, die über viele Jahre die Wänden schmückten, wurden - soweit möglich und gewünscht - an die Familien der Dargestellten zurückgegeben. Insgesamt sind einunddreißig Porträts von Stammtischmitgliedern überliefert. Drei besonders interessante Exemplare aus dieser Reihe können nun in den Museen der Burg Altena besichtigt werden.

Über weitere Informationen zu den Mitgliedern des Stammtisches „De Schaule“ oder zur Gastwirtschaft würde sich das Museum sehr freuen. Tel.: 02352/9667412.

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