Wirbel um Fleischspieße: Altenaer (79) vor Gericht

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Wegen Fleischspießen musste sich ein Mann aus Altena vor Gericht verantworten.

Altena – Zwei Fleischspieße für nicht einmal fünf Euro soll ein Senior aus Altena im Discounter gestohlen haben. Dafür stand er nun vor Gericht. Es war nicht das erste Mal.

Bis ins Landgericht haben es zwei Packungen Fleischspieße geschafft, die ein 79-jähriger Altenaer am 23. Juni 2018 im hiesigen Lidl-Markt gestohlen haben soll. Das Amtsgericht hatte ihn zu einer Haftstrafe von zwei Monaten ohne Bewährung verurteilt, weil er wegen weiterer Diebstähle noch zwei Bewährungsstrafen offen hatte. 

Schon zuvor hatte er wegen Diebstählen offenbar immer wieder mit der Justiz zu tun, die ihn „durchgehend“ verurteilen musste, hieß es in der Urteilsbegründung. Sogar eine Haftstrafe war dem Angeklagten nicht erspart geblieben. Dr. Christian Voigt, Vorsitzender Richter einer Berufungskammer des Landgerichts, machte allerdings deutlich, dass der 79-Jährige nicht mit einer abweichenden Meinung des Gerichts und einer Umwandlung in eine Bewährungsstrafe rechnen könne. 

Doch der Angeklagte bat nicht um Gnade. Vielmehr erklärte er sich zum Opfer eines Missverständnisses in der Kassenzone. Denn neben anderen Waren, die er ordnungsgemäß auf das Kassenband gelegt hatte, seien auch die Fleischspieße abgescannt worden. Er könne das allerdings nicht beweisen, weil ihm der Kassenbeleg nicht ausgehändigt worden sei, sagte der Mann. 

Die Verkäuferin stellte diese Darstellung in Frage: Sie habe gewartet, bis der „eigentlich ganz freundliche Kunde“ alle Einkaufswaren auf das Fließband gelegt hatte. Dann sei sie ihrem Verdacht gefolgt, dass sich noch etwas unter mehreren Tüten in seiner Einkaufstasche befand und dort auf die Fleischspieße im Gesamtwert von 4,98 Euro gestoßen. Sie könne deshalb ausschließen, dass sie die Fleischspieße gescannt habe. 

Um letzte Sicherheit in dieser Frage zu gewinnen, bot sich nun ein Blick auf den damaligen Kassenbeleg an. Dieser war aber nicht Teil des Ermittlungsverfahrens geworden und fehlte. Das Gericht war etwas ungehalten, weil der Angeklagte und sein Verteidiger das Beweisstück nicht früher ins Spiel gebracht hatten. Zur umfassenden Aufklärung sei ein Blick auf das Dokument aber unverzichtbar. 

In einem ersten Anlauf teilte der Discounter mit, dass der damalige Kassenbeleg nach dem Abbruch des Kaufvorgangs nicht aufbewahrt wurde. Aus steuerlichen Gründen müsse das System den damaligen Vorgang aber festgehalten haben, hieß es im Gerichtssaal. Das Unternehmen soll nun um eine aufwendige Nachrecherche gebeten werden, deren Ergebnis zur Fortsetzung der Verhandlung vorliegen soll. 

Für Kopfschütteln sorgte neben dem nicht vorliegenden Beweisantrag noch ein weiterer Aspekt der Vorgeschichte: Nachdem der Anhörungsbogen der Strafermittler den Angeklagten erreicht hatte, öffnete seine Tochter das Schreiben und verfasste ohne Rücksprache ein Entschuldigungsschreiben, das sie mit dem Namen ihres Vaters unterzeichnete. Die Staatsanwältin kündigte ihr daraufhin ein Strafverfahren wegen Urkundenfälschung an.

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