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„Wir müssen helfen“: Friedenskundgebung im MK

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Von: Ilka Kremer

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Mit Plakaten und Flaggen sprachen sich auch viele junge Teilnehmer gegen den Krieg in der Ukraine aus.
Mit Plakaten und Flaggen sprachen sich auch viele junge Teilnehmer gegen den Krieg in der Ukraine aus. © Kremer, Ilka

Mehr als 100 Menschen, darunter zahlreiche Geflüchtete mit ihren Kindern, kamen am Dienstagabend in den Park der Burg Holtzbrinck in Altena, „um ein Zeichen zu setzen für die Ukraine und gegen diesen schrecklichen Krieg“.

Die stellvertretende Bürgermeisterin, Hanna Freissler, vertrat den erkrankten Bürgermeister Uwe Kober bei der Kundgebung für den Frieden, die CDU, Bündnis 90/Die Grünen, SPD, FDP und Die Linke gemeinsam organisiert hatten.

„Wie zerbrechlich das Leben ist, das erleben wir gerade mitten in Europa. Wir sind sehr betroffen, sehen jeden Tag schreckliche Bilder des Krieges in der Ukraine. Wir müssen dagegen unsere Stimmen erheben“, sagte Freissler in aller Deutlichkeit. Die stellvertretende Bürgermeisterin war überwältigt, dass so viele Menschen an der Kundgebung teilnahmen. „Das ist ein tolles Zeichen für Altena.“

Ex-Bürgermeister Hollstein spricht

Der frühere Bürgermeister und Europapreisträger des UNHCR (Hoher Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen), Dr. Andreas Hollstein, erklärte der Menge, dass er die Wut der Ukrainer verstehen könne. „Sie kämpfen ums Überleben. Und was tun wir?“, fragte er. Ja, die Bundesregierung liefere Waffen. Doch es müsse mehr getan werden. „Ich schäme mich, als Deutscher aufzutreten. Wir sitzen warm hinter einer Mauer. Die Frage darf doch nicht sein, ob wir ein Prozent des Wirtschaftswachstums verlieren. Wir müssen helfen“, so seine Forderung. Es könne nicht immer nur „Wirtschaft, Wirtschaft, Wirtschaft“ heißen. „So geht das nicht“, sagte Hollstein. Ein Gasembargo sei natürlich mit Risiken verbunden, aber: „So können wir nicht weitermachen.“ Die Demonstranten forderte er auf, die Stimmen der Ukrainer hörbar zu machen. Und an die Lokalpolitiker ging seine Anregung, über die Botschaft eine vom Krieg stark betroffene Stadt in der Ukraine auszusuchen, um dort beim Wiederaufbau zu helfen. Hollstein endete mit den Worten: „Gott schütze die Ukraine und Gott gebe uns die Kraft, richtig zu handeln.“

Rund 100 Frauen, Männer und Kinder zeigten am Montag Flagge gegen den Krieg in der Ukraine.
Rund 100 Frauen, Männer und Kinder zeigten am Montag Flagge gegen den Krieg in der Ukraine. © Kremer, Ilka

Für die Kirchen gaben Sandra Schnell (Katholische Kirchengemeinde) und Claudia Sauer (Evangelische Kirchengemeinde) den Demonstranten Impulse. „Suche Frieden und jage ihm nach“, zitierte Sauer den Psalm 34,15. In Zeiten wie diesen, täten wir genau das. „Wende das Böse, tue das Gute“, vervollständigte Schnell. Für die Christen sei das ein Auftrag, erklärte sie. Aber es gebe viele Gründe, sich für den Frieden einzusetzen. „Hier in Altena herrscht eine große Solidarität. Es gibt viele Menschen, die helfen und sich für andere engagieren“, so Sandra Schnell.

Blaue und gelbe Ballons steigen auf

Dann kündigte Carsten Menzel, der die Veranstaltung moderierte, die ukrainische Nationalhymne an. „Ich musste schlucken, als ich mir den Titel der Hymne übersetzte: Noch sind der Ukraine Ruhm und Freiheit nicht gestorben“, sagte er. Zu den Klängen des Komponisten Mychajlo Werbyzkyj ließen die Teilnehmer der Friedenskundgebung blaue und gelbe Ballons in die Luft steigen – als Zeichen für Freiheit und Frieden in der Ukraine.

Zur Hymne der Ukraine ließen die Teilnehmer Luftballons in die Luft steigen. Sie hatten sie zuvor gegen eine Spende erworben, die der Ukraine-Hilfe des Stellwerks zugute kommt.
Zur Hymne der Ukraine ließen die Teilnehmer Luftballons in die Luft steigen. Sie hatten sie zuvor gegen eine Spende erworben, die der Ukraine-Hilfe des Stellwerks zugute kommt. © Kremer, Ilka

Im Anschluss trat überraschend eine junge Frau aus der Ukraine ans Rednerpult. Anna Mukomela, erst vor ein paar Tagen gemeinsam mit ihren beiden Kindern (vier und sieben Jahre alt), der Schwester und deren Kindern sowie dem 60-jährigen Vater aus Irpin geflohen, nutzte die Chance, ihre Geschichte zu erzählen. „Ich lebte mit meinem Mann und meinen Kindern in einer Stadt, die demokratische Werte lebte. Dann kam der Krieg und ich musste fliehen, um meine Kinder zu schützen, und mein Herz zerreißt vor Schmerz“, sagte sie. Sie bedankte sich, dass sie hier so herzlich aufgenommen wurden. Die Unterstützung sei nicht nur materieller Art, sondern vor allem eine moralische. „Sie geben uns ganz viel Kraft, diese schwere Zeit zu überstehen. Danke!“

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