Das „Wir“ im Mittelpunkt: Möhling feiert 175. Firmengeburtstag

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Möhling-Geschäftsführerin und -Mitinhaberin Britta Hölper vor Werbeplakaten in einem Besprechungsraum. Sie hält eine Spindel für Auto-Sitzverbindungen in der Hand. Ein typisches Produkt „Made bei Möhling.“

Altena - Mehr als 15 Millionen Teile verlassen pro Tag die Werke der Möhling-Gruppe. Allein in Altena und Dahle beschäftigt die Traditionsfirma, die in diesem Jahr ihren 175. Geburtstag feiert, 420 Frauen und Männer. Darunter seit der Flüchtlingskrise 2015 auch drei Asylbewerber, die Ausbildungen in technischen Berufen begonnen haben.

Doch was fertigt Möhling, Altenas größer Arbeitgeber, eigentlich? Beispiele:

- Sie öffnen Ihr Zimmerfenster – Möhling-Teile bewegen den Dreh-Kippmechanismus.

- Sie schieben Ihren Autositz nach hinten – Teile von Möhling sorgen für eine feste Verbindung zwischen Sitz und Schiene.

- Sie fahren Ski – Ihre Skibindung enthält Möhling-Teile.

- Sie schneiden gerne mit den guten Solinger Messern – Messernieten von Möhling verbinden Schaft und Klinge.

Ob in ABS-Systemen, Schaltschränken, Möbelbeschlägen, Werkzeugzangen, Scheren oder Einkaufswägen: Verbindungselemente von Möhling sind überall.

Der Firmengeburtstag soll über das Jahr 2018 in verschiedenen Etappen gefeiert werden. Dazu gehörte die Geburtstags-Kuchen-Aktion für alle Mitarbeiter (AK berichtete), es folgt im Februar ein Rentner-Treffen mit Kaffeetrinken, Sportevents, also Fußballspiele und Radfahraktivitäten, groß angelegte Mitarbeiterfahrten zu Kunden oder Lieferanten und ein ganz großes Firmen-Event. Apropos Mitarbeiterfahrten: Wer wisse, wo „sein Teil“, das er in Altena herstelle, einmal verbaut werde, könne noch besser verstehen, wie wichtig sein persönlicher Beitrag zum Firmenerfolg sei, so Hölper. Sie nennt das „Kennenlernen der Arbeit auf zwei Ebenen.“ Das Geburtstagsjahr 2018 selbst stellt das Unternehmen deswegen ganz besonders unter das Motto ,Wir bei Möhling’.

Historisches Foto der Firmenbelegschaft aus dem Jahr 1905. Darunter auch Eduard Wortmann, Britta Hölpers Ur-Großvater. Repro:

Britta Hölper gehört einer der Inhaber-Familien an. Ihre Linie ist seit vier Generationen für die Geschicke des Unternehmens mit zuständig. Hans Möhling kann mit seiner Familie bereits auf sieben Generationen in der Firma zurückblicken. Zudem gibt es noch einen dritten, aber stillen Teilhaber.

Als Mittelständer müsse man sich täglich neu erfinden, sagt die Diplom-Kauffrau. „Den Mitarbeitern wird viel abverlangt, keine Frage. Aber ohne den ständigen Wechsel, das ständige Weiterentwickeln, geht es heute nicht.“ Und so setzt die Firma neben permanenten technischen Neuerungen und Innovationen eben ganz bewusst auf die Kompetenz und das Mitdenken der Mitarbeiter. „Sie sind und bleiben das Kapital einer Firma.“ Nicht von ungefähr gehört mehr als die Hälfte des Teams dem Unternehmen 30 oder mehr Jahre an. „Es gibt sogar Familien, da hat schon der Urgroßvater bei uns gearbeitet.“

Heute drückt der Fachkräftemangel die Firma ebenso, wie das fehlende, schnelle Internet in Dahle, dem Verwaltungssitz. Zwar behilft man sich auf eigene Kosten seit Jahren mit Richtfunk-Internet über den Nettenscheid und Rosmart, aber leider gibt es immer wieder Probleme.

Blutjung waren einige der Möhling-Mitarbeiter, die sich anno 1891 zum Gruppenbild stellten. Auch diese Aufnahme wird in einer Chronik, die zurzeit erarbeitet wird, einen Platz finden. Sie wird die gesamte Firmen-Geschichte in Wort und Bild vorstellen. Repro:

Heute gebe es leider immer weniger Interesse an gewerblich-technischen Berufen. Fast sei es so, als wolle sich niemand mehr schmutzig machen. „Viele meinen zudem, erst Lehre, dann Meister oder Techniker und sofort in ein Betriebsbüro. Aber, so viele Techniker benötigt niemand und es kommt auch auf die Erfahrung, das Arbeiten vor Ort, an den Maschinen und Aggregaten an, um Prozesse zu verbessern.“ Das geschieht bei Möhling laufend, etwa durch Zertifizierungen und eigene Computerprogramme, die von der Auftragsannahme über sämtliche Verarbeitungsschritte in den Werken bis zur Rechnung alles steuern. Eines aber stellt Hölper klar: „Eine Berufs-Karriere und Aufstieg sind eben auch im gewerblich-technischem Bereich möglich.“

Um den Titel „Weltmarktführer aus Südwestfalen“ hat sich Möhling nie beworben, obwohl es viele Fertigungsteile gibt, die neben der Qualität schon rein mengenmäßig dieses Attribut verdient hätten. „Wir sind heute breit aufgestellt, unterhalten beispielsweise in Slowenien ein Zweigwerk.“

Hölper: „Möhling stellt Verbindungen her – das ist ein gutes Synonym für Zusammenarbeit, sich Wohlfühlen im Haus. Bei aller Technik, die menschliche Arbeit ist noch immer unser wichtigstes Gut.“ Pläne, Ideen, Visionen? Möhling sei und bleibe der Spezialist für Kaltumformung.

Britta Hölper trat vor 12 Jahren in die Geschäftsleitung ein. „Da haben wir manche Dinge technisch gar nicht hinbekommen, die heute Alltag sind. Heißt: Wir entwickeln Tag für Tag individuelle Lösungen, setzen auf höchste Präzision, Qualität und Zuverlässigkeit. Das wird so bleiben müssen!“

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