„Wir halten das aus“: Reaktionen auf verlängerten Lockdown

Die Innenstadt Altenas bleibt leer. Der Lockdown wird verlängert.
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Die Innenstadt Altenas bleibt leer. Der Lockdown wird verlängert. Eine Entscheidung, die viele Bürger, Politiker und Händler für richtig halten.

Der Lockdown geht weiter. Das haben Bund und Länder am Dienstag beim Corona-Gipfel beschlossen. Überraschend kommt diese Entscheidung nicht, doch es trifft alle hart: Händler, Handwerker, Gastronomen, Familien. Jeden Einzelnen. Beruflich und privat. Erste Reaktionen.

„Wir kriegen das hin und halten das aus“, sagt Ursula Schöllnershans. Die stellvertretende Pfarrgemeinderatsvorsitzende der Pfarrei St. Matthäus in Altena und Nachrodt, findet die Verlängerung des Lockdowns richtig, ihr gehen die Maßnahmen sogar nicht weit genug. „Aber die Solidarität lässt zu wünschen übrig. Viele in unserem Umfeld denken nicht darüber nach, was sie tun. Obwohl sie eigentlich auch eine Vorbildfunktion hätten, verletzen sie die Coronaschutzverordnung“, ist Ursula Schöllnershans enttäuscht, dass nicht alle an einem Strang ziehen. Es kommt darauf an, wie viel Energie sie noch übrig hat: Dann streitet sie auch mit eben diesen Leuten. „Das Einzige, was wir alle tun können, ist, uns an die Regeln zu halten und soziale Kontakte absolut zu reduzieren.“ Sie stemmt zuhause Homeoffice und Home-Kindergarten.

Vollkommen in Ordnung und absolut notwendig findet auch Sabine Karisch die Verlängerung des Lockdowns. „Ich hätte mir noch engere Einschränkungen gewünscht“, sagt die Vorsitzende des Trägervereins Gartenhallenbad in Nachrodt. Sie fühlt sich auch nicht vereinsamt. „Zum Glück haben wir ein gut funktionierendes W-Lan“, erzählt sie schmunzelnd. Sorgen macht sie sich nicht um sich selbst, aber um andere. „Im Bekannten- und Freundeskreis gibt es viele Menschen, die chronisch krank sind und mein Papa wird in diesem Jahr 85. Mit Kontakt halte ich mich deshalb mehr als zurück.“

„Homeoffice ist intensiver“

Noch sehr weit von seiner persönlichen Belastungsgrenze entfernt ist auch Markus Windgassen. Seit März 2020 arbeitet er im Homeoffice. „Man hat mehr zu tun, es ist intensiver, man bewegt sich weniger. Aber man profitiert auch: Man spart den Weg zur Firma und hat etwas mehr Freizeit“, sagt der Presbyter der evangelischen Kirchengemeinde Nachrodt-Obstfeld. Mittlerweile hat er das zweite Familienauto abgemeldet. Die Verlängerung des Lockdowns empfindet er als absolut richtig. „Man muss da durch, egal, wie lange es dauert. Denn wenn die Menschen versterben, wenn wir alle draußen ‘rumrennen, dann ist das ein Pfund in der Waagschale, das ich für mich nicht verantworten kann.“ Markus Windgassen glaubt, dass erst im April/Mai halbwegs normale Kontakte wieder möglich sein werden. Bis dahin ist Durchhalten angesagt.

Ganz ähnlich sieht das Nicole Güldner, Inhaberin des Apollo-Service-Kinos in Altena. Sie rechnet damit, dass die Restaurants und Frisöre als erste wieder öffnen können. „Die Kultur kommt als Letzte dran“, glaubt Güldner. Generell zeigt die Kino-Inhaberin aber Verständnis für die Verlängerung des Lockdowns. „Das war doch klar, bei den Zahlen – da muss etwas passieren.“ Es dürfte Frühjahr werden, bis das Kino den Betrieb wieder aufnehmen kann, schätzt sie. Dabei seien die Bedingungen in der Nette gut: Es gebe zusätzlich zu einem leistunsfähigen Luftwechselsystem noch spezielle Luftreiniger in UV-Technik in beiden Säalen und im Foyer. Nicole Güldner ist froh darüber, dass ihr Kino vergleichweise klein ist. Keine Menschenmassen. Und: „Wir bieten Beinfreiheit.“ Das heißt Abstand.

Schwieriger Umstand gleich nach dem Start

Sehr schwierig gestaltete sich der Start für die Friseurinnen Julia Lissel und Janine Hagen in ehemaligen Salon Auwermann. Der Salon „Julia & Nina“ war erst im November 2019 eröffnet worden. „Es fehlen und nun schon 13 Wochen Umsatz“, schildet Mitinhaberin Julia Lissel die gegenwärtigen Umstände. Das Team aus vier Damen hat die Hoffnung, dass der Umsatzausfall ausgeglichen wird.

Zu einer Mehrbelastung kommt es bei Annelen Rechenberg, Inhaber von Annes Burglotto am Markaner. Aber immerhin durfte sie diesen bisher weiterhin jeden Tag öffnen. Der Geschäftsalltag sei durch Corona wesentlich anstregender geworden, berichtet die Händlerin. So müsse sie die Jugendschutz-Vorgaben intensiver überprüfen, was bei Kunden mit Maske nicht ganz einfach sei. Es gelte zudem, sich auf die Abwicklung des Lottospiels zu konzentrieren und darauf zu achten, dass sich nicht mehr als zwei Kunden im Geschäft befinden.

„Sorgen um die heimische Wirtschaft“

Weil durch Corona viele Veranstaltungen und Termine entfallen, gibt es für Altenas Bürgermeister Uwe Kober (CDU) derzeit „mehr Familie“. Im Homeoffice könne die Situation aber auch anstrengend sein, denn beide Töchter bereiten sich auf ihre Abschlussprüfungen vor – und das online. Und das wird nun auch erstmal so bleiben. „Da muss man schon Vorkehrungen treffen“, sagt der Familienvater.

„Sorgen um die heimische Wirtschaft“ sind es, die Nachrodt-Wiblingwerde Bügermeisterin Birgit Tupat umtreiben. Das sehe sie so als Verwaltungschefin, aber auch als Privatperson. Sie berichtet: „Auch mein Freizeitverhalen hat sich komplett verändert. Es ist schon schade, dass man nur noch wenige persönliche Kontakte pflegen darf.“ Aber: „Immerhin können wir jederzeit in die Natur gehen.“

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