Windräder am Kohlberg: Bürgerinitiative erhebt schwere Vorwürfe gegen den Kreis

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Gegen Windräder am Kohlberg kämpft die Bürgerinitiative.

Altena –Die Bürgerinitiative, die gegen den Bau von Windrädern auf dem Kohlberg kämpft, erhebt schwere Vorwürfe gegen den Kreis. Und ihr Sprecher warnt vor erheblichen Folgen.

Dr. Frank Hoffmann aus Dahle ist Vorsitzender der Bürgerinitiative „Rettet den Kohlberg“, die die Landesarbeitsgemeinschaft Natur und Umwelt bei ihrer Klage gegen die Windräder auf dem Kohlberg unterstützt. Formell richtet sich diese Klage gegen den Kreis, weil der die Anlagen genehmigt hat. 

Herr Hoffmann, Sie haben in der vergangenen Woche an der Sitzung des Verwaltungsgerichts teilgenommen. Können Sie uns Ihre Sicht der Dinge mit einer Woche Abstand schildern?

Frank Hoffmann: Die Vertreter des Märkischen Kreises lieferten bei der Vorlage ihrer überarbeiteten Stellungnahme zu den Auswirkungen der auf dem Kohlberg geplanten Windenergieanlagen (WEA) auf Natur und Umwelt vor dem Gericht einen höchst peinlichen Auftritt ab. Wie Schüler, die sich zum zweiten Mal für eine Prüfung unzureichend vorbereitet haben, wurde der Kreis vom Vorsitzenden Richter unzweideutig über die grobe Fehlerhaftigkeit der Ausführungen zur Landschaft der Kohlberg-Giebel-Hochfläche belehrt. 

Die Strategie des Kreises und der von SL Windenergie eingekauften Gutachter, durch die systematische Diffamierung von Natur, Landschaft und Erholungsmöglichkeiten den Bau von WEA auf dem Kohlberg zu rechtfertigen, ging vorerst nicht auf. 

Darüber müssten Sie sich eigentlich freuen ...

Hoffmann: Nicht ganz, weil das Gericht, für viele Beobachter überraschend, der Kreisbehörde am Ende gestattete, die zweimal mangelhaft abgelieferte Hausarbeit noch ein drittes Mal anzufertigen. 

Die Blamage des Kreises vor dem Verwaltungsgericht bietet aber auch Anlass zu großer Sorge. Denn es ist alles andere als eine Lappalie, wenn eine für das Funktionieren von Staat und Demokratie zentrale Institution wie eine Kreisbehörde öffentlich ihre Glaubwürdigkeit und das Vertrauen der Bürger verspielt. 

Dr. Frank Hoffmann ist Sprecher der Bürgerinitiative "Rettet den Kohlberg".

Wie meinen Sie das? 

Hoffmann: Bereits im Vorfeld der Gerichtssitzung hatte der Märkische Kreis die Landschaft des Kohlberg-Giebel-Gebietes öffentlich systematisch herabgewürdigt. Nachdem dies durch die Berichterstattung des Altenaer Kreisblatts bekannt geworden war, brach bei den Menschen, die den Kohlberg kennen und als naturgeprägtes Erholungsgebiet schätzen, ein Sturm der Entrüstung los. 

Sie machten unmissverständlich deutlich, dass die Behauptungen des Kreises mit den wirklichen Gegebenheiten am Kohlberg wenig bis gar nichts zu tun haben. 

Haben die Vertreter der Kreisverwaltung vor Gericht nicht versucht, das zu relativieren? 

Hoffmann: Ihr Auftritt in Arnsberg machte alles noch schlimmer. Das offenkundige Ignorieren aller Fakten, die einer Bebauung des Kohlbergs mit sechs über 200 Meter hohen WEA entgegenstehen, und das Beharren auf abwegigen Aussagen weckten große Zweifel daran, dass die Kreisverwaltung in erster Linie das Wohl der Bürger im Auge hat. 

Das beschädigt nicht nur das Ansehen der Kreisbehörde, sondern fügt unserem gesamten politischen System immensen Schaden zu, denn dessen Akzeptanz beruht auf dem Vertrauen der Menschen in seine wichtigsten Institutionen, die Parlamente und die Behörden. 

Der Kreis verschafft mit seinem Verhalten also denjenigen Kräften Aufwind, die die Demokratie bekämpfen und am liebsten abschaffen möchten. Ein Blick auf einschlägige Kommentare in den sozialen Netzwerken bestätigt diesen Befund nachdrücklich. 

Der Märkische Kreis wird Gründe für sein Verhalten haben. Wo liegen die Ihrer Ansicht nach? 

Hoffmann: Die Akten des Genehmigungsverfahrens legen die Schlussfolgerung nahe, dass die Ursachen in Drohungen mit Schadensersatzforderungen der Firma SL Windenergie und ihres Anwalts während des Genehmigungsverfahrens zu suchen sind.

Der Kreis wurde derart massiv unter Druck gesetzt, dass die Mitarbeiter anscheinend keine andere Möglichkeit sahen, sehen oder sehen wollen, als einer Firma aus der Windindustrie zu Diensten zu sein, selbst wenn dabei die Wahrheit und die berechtigten Interessen der Menschen vor Ort auf der Strecke bleiben. Das ist politisch und gesellschaftlich ein Riesenskandal. 

Wo sehen Sie die Rolle der Politik? 

Hoffmann: Vom Kreistag hat man in dieser Sache kaum etwas gehört ... Bedauerlich und kaum nachzuvollziehen ist es, dass der Landrat und der Kreistag, nicht eingeschritten sind, um solchen Machenschaften ein Ende zu setzen und sicherzustellen, dass die Verwaltung im Sinne der Menschen vor Ort entscheidet und handelt. 

Die Schülerbewegung Friday-for-Future wird von einer Welle der Sympathie getragen. Hat Schulze-Langenhorst, der Geschäftsführer von SL Windenergie, nicht Recht, wenn er sie als Kronzeugen dafür beruft, dass Windräder sein müssen, um den Klimaschutz voranzubringen? 

Wer weiß, wie SL Windenergie und ihr Anwalt während des Genehmigungsverfahrens gegenüber dem Märkischen Kreis aufgetreten sind, mit welch herablassender Arroganz Herr Schulze-Langenhorst die Sorgen der Bewohner und der Geschäftsführung des Kohlberghauses um das Wohl ihrer schwerkranken Patienten ignoriert hat, und wie SL Windenergie den Dahler Pastor Krause attackiert und ihm eine Denunziation bei den übergeordneten Kirchenbehörden angedroht hat, nachdem er sich öffentlich gegen den Bau von WEA auf dem Kohlberg ausgesprochen hatte, kann keinen Zweifel daran haben, dass es Herrn Schulze-Langenhorst nur um eines geht, nämlich um seine finanziellen Belange. Er redet von Umwelt- und Klimaschutz, tatsächlich interessiert ihn aber nur sein Kontostand.

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