Windräder auf dem Kohlberg: Droht im Winter eine Gefahr? 

Für die Windräder auf dem Kohlberg herrscht ein Baustopp.
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Für die Windräder auf dem Kohlberg herrscht ein Baustopp.

Wie groß ist die Gefahr, die im Winter von Windrädern ausgeht? Kann Eis zu gefährlichen Wurfgeschossen werden? Müssen sich auch Besucher am Kohlberg vorsehen, sollten die Windräder fertig gebaut werden und sich drehen? Der Tüv gibt Antworten.

Altena/Neuenrade – Jeweils rund 200 Meter hoch sollen die sechs Windräder auf dem Kohlberg werden, die Investor SL-Naturenergie dort bauen will. An zwei Windenergieanlagen waren die Rotorblätter im Sommer bereits montiert, als durch das Oberverwaltungsgericht Münster (OVG) der neuerliche Baustopp kam. Seitdem darf auf der Baustelle nicht mehr gearbeitet werden.

Die Gegner des Windkraftprojektes fürchten, dass die Natur durch den Bau der Windräder nachhaltig geschädigt wird und die Tierwelt Schaden erleidet. Zwei Windräder sind bereits fertig montiert.

Windräder: Eis als gefährliche Wurfgeschosse?

Und wie würden sich diese, sollten sie laufen dürfen, bei Eis und Schnee verhalten? So stehen Windräder häufiger in Verruf, den winterlichen Wetterlagen nicht immer standhalten zu können. Sollte man bei Winterspaziergängen besser einen großen Bogen um die rotierenden Riesen machen? Und kann eine Anlage Eis zum gefährlichen Wurfgeschoss machen? Der Tüv Nord klärt auf, ob der Winter den Windrädern etwas anhaben kann und wie sicher sie wirklich sind.

Wie verhält sich eine Windenergieanlage bei Eis und Schnee?

Laut Tüv bildet sich Eis am ehesten an den Rotorblättern, da sich diese durch die kalte und nasse Luft bewegen und die Eispartikel dabei mitnehmen. Ob und wie stark sich Eis angesetzt hat, können die Anlagen durch eigens verbaute Systeme zur Eiserkennung selbst ermitteln, beispielsweise durch Sensoren.

Forschung für Anti-Eis-Beschichtung

Stellt das Eiserkennungssystem fest, dass ein Grenzwert überschritten wurde, schaltet sich die Anlage automatisch ab. Zum Teil verfügen Windenergieanlagen auch über eine Heizung, die die Rotorblätter erwärmt und so den Eisansatz begrenzt. Auch wird an Anti-Eis-Beschichtungen geforscht.

Wie kommt es dazu, dass Eisbrocken von der Anlage herabfallen?

Einmal an den Rotorblättern gebildetes Eis kann sich auch wieder lösen. Man unterscheidet hier zwischen Eisabfall, wenn die Anlage stillsteht, und Eisabwurf, wenn sie in Betrieb ist. Bei Letzterem können die Eisstücke in einem größeren Radius um die Anlage verteilt werden.

Risiko für Mensch und Umwelt minimieren

Um das Risiko für Mensch und Umgebung durch Eisabfall und -abwurf zu bewerten, fertigen die Windenergieexperten des Tüv regelmäßig Risikobeurteilungen an. Diese sind Teil jedes Genehmigungsverfahrens. In diese Risikobeurteilung fließen unter anderem die Wetterbedingungen am Standort ein und welche Schutzobjekte wie Straßen, Betriebsgelände oder ähnliches sich in der Nähe befinden.

Es wird auch berechnet und simuliert, wie viel Eisobjekte sich an den Rotorblättern bilden und wohin diese im schlimmsten Fall fliegen würden. Kommen die Fachleute zu dem Ergebnis, dass von der geplanten Windenergieanlage ein erhöhtes Risiko ausgehen würde, empfehlen sie verschiedene Maßnahmen, um dieses zu minimieren. So kann es auch sein, dass für den gefährdeten Bereich Warnschilder aufgestellt werden müssen.

Tüv: „Nie direkt unter Windrad aufhalten“

Besteht bei Eisabfall eine Gefahr?

Wenn sich Eis von der Anlage löst, ist dies mit einem gewissen Risiko für Mensch und Umgebung verbunden. „Daher sollte man sich nie direkt unter einer Anlage aufhalten, sondern sich nur auf den dafür vorgesehenen Flächen wie Wander- oder Feldwegen bewegen und gegebenenfalls vorhandene Warnhinweise berücksichtigen“, empfiehlt der Tüv.

Was bringt Windenergie im Winter überhaupt?

Windenergieanlagen sind in der kalten Jahreszeit besonders produktiv. In den vergangenen Wintern sorgten Stürme dafür, dass im Bereich der Windenergie immer neue Rekordwerte erzielt wurden.

Sturm und Wind nimmt zu

So sorgte etwa Sturmtief „Yulia“ im Februar 2020 dafür, dass der Anteil des aus Windkraft erzeugten Stroms in dieser Zeit 55 Prozent betrug. Zum Vergleich: Im Jahresdurchschnitt lag der Wert zuletzt bei rund 35 Prozent. Und das sind auch keine einmaligen Ereignisse, sondern stetige Aufwärtsentwicklungen der ganzen vergangenen Jahre.

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