Windkraft am Kohlberg: Bürger entsetzt über Kreis-Urteil

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Idylle oder nicht schützenswert? Die Meinungen zum Kohlberg gehen weit auseinander.

Altena – Einen Sturm der Entrüstung löst der Kreis mit seiner Einschätzung aus, dass der Kohlberg nicht schützenswert sei und durch Windräder nicht verschandelt würde.

Die Landschaft am Kohlberg von mäßiger Qualität, die geplanten Windräder nicht störend für die Naherholungsfunktion: So argumentierte der Märkische Kreis in seiner Begründung, warum er für die geplante Anlagen keine Umweltverträglichkeitsprüfung für erforderlich hält. 

"Nur den Kopf schütteln"

„Jeder, der den Kohlberg kennt, wird angesichts dieser Einschätzungen erstaunt den Kopf schütteln“, meint Frank Hoffmann, der Sprecher der Bürgerinitiative „Rettet den Kohlberg“. Zahlreiche Menschen würden sich „verwundert fragen, warum ihnen die geringe landschaftliche Qualität des Gebietes bisher gar nicht aufgefallen ist“. 

Tatsächlich handele es sich um eine außergewöhnlich wertvolle und besonders schützenswerte Landschaft. Die Kohlberg-Giebel-Hochfläche und ihre Hänge zeigten ein reizvolles und abwechslungsreicheres Landschaftsbild. Neben Waldflächen fänden sich dort Weide- und Ackerflächen, eine Reihe von Naturwiesen, zahlreiche Bachläufe, geschützte Biotope, ein Naturschutzgebiet mit Besonderheiten wie einer Wacholderheide und Feuchtwiesen. 

Viele Kulturdenkmäler

Hoffmann weist auch auf die Kulturdenkmale Kohlberghaus, SGV-Ehrenmal und Waldfriedhof sowie touristische Anziehungspunkte wie den Quitmannsturm und den Sauerland-Höhenflug hin. „Als die Bezirksregierung im Jahre 2016 das Naturschutzgebiet auf dem Giebel, das in rund 100 Metern Entfernung von der geplanten WEA-Zone liegt, beträchtlich erweiterte, wies sie zur Begründung ausdrücklich auf die ,hervorragende Schönheit des Gebietes‘ hin“, argumentiert die Bürgerinitiative. 

Behauptung unzutreffend

DieBehauptung des Kreises, die Erholungsmöglichkeiten auf der Kohlberg-Giebel-Hochfläche würden durch den Betrieb der geplanten Windräder nicht erwähnenswert beeinträchtigt, sei unzutreffend, weil hohe Lärmbelästigung, großflächiger Schattenwurf, optische Bedrängung und Eisschlaggefahr sich nicht wegdiskutieren ließen. Hinzu komme das mögliche Abrutschen von Eisstücken von Turm und Rotoren der Anlagen im Winter. 

Kohlberg herabgewürdigt

„Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass den vorgetragenen Behauptungen jegliche Überzeugungskraft fehlt“, meint Hoffmann. Statt eine unvoreingenommene Prüfung durchzuführen, habe der Kreis „eine systematische Herabwürdigung des Kohlbergs“ verfasst. 

Noch 2016 habe er als Umweltbehörde in vielen Punkten ganz andere Einschätzungen abgegeben. Die neuen Behauptungen über den Kohlberg sind nach Ansicht Hoffmanns „für eine Behörde, zu deren Aufgaben der Schutz von Landschaft und Natur gehört, eine höchst erstaunliche und erklärungsbedürftige Fehlleistung

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