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Windkraft: Altena ein „weißer Fleck“

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Von: Thomas Bender

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Die sechs Windräder auf dem Kohlberg auf Neuenrader Stadtgebiet drehen sich mittlerweile rund um die Uhr und produzieren Strom im 24-Stunden-Betrieb. Während das Landesamt für Natur- und Verbraucherschutz in einer Potenzialstudie in Neuenrade Möglichkeiten für noch bis zu 20 weitere Windenergieanlagen sieht, gilt das für Altena nicht. Die Burgstadt ist ein „weißer Fleck“ auf der Potenzialkarte.
Die sechs Windräder auf dem Kohlberg auf Neuenrader Stadtgebiet drehen sich mittlerweile rund um die Uhr und produzieren Strom im 24-Stunden-Betrieb. Während das Landesamt für Natur- und Verbraucherschutz in einer Potenzialstudie in Neuenrade Möglichkeiten für noch bis zu 20 weitere Windenergieanlagen sieht, gilt das für Altena nicht. Die Burgstadt ist ein „weißer Fleck“ auf der Potenzialkarte. © von der Beck, Peter

In Neuenrade ziehen schon wieder Landaufkäufer über die Dörfer – sie suchen Flächen für neue Windräder. In Altena wisse er nichts von derartigen Aktivitäten, sagt Andreas Kisker, Abteilungsleiter für Planung und Bauen in der Altenaer Stadtverwaltung.

Womöglich liegt dieses Desinteresse möglicher Investoren an der Burgstadt am Landesamt für Natur- und Verbraucherschutz (Lanuv). Das veröffentlichte im April eine „Potenzialstudie Windkraft NRW“. Darin wird untersucht, wie die Vorgaben des „Wind-an-Land-Gesetzes“ des Bundes erfüllt werden können. Das schreibt vor, dass bis 2032 zwei Prozent der Fläche der Bundesrepublik für Windenergie zur Verfügung stehen muss. Aktuell sind bundesweit 0,8 Prozent der Flächen ausgewiesen, tatsächlich genutzt werden 0,5 Prozent.

Es gibt also noch viel zu tun. Deshalb hat sich das Lanuv auf die Suche nach geeigneten Flächen gemacht. 59 600 Hektar können seiner Ansicht nach NRW-weit für Windenergie genutzt werden. Das ließe den Bau von gut 2400 neuen Windrädern zu, was zusammen mit den 1421 jüngeren Bestandsanlagen eine Gesamtleistung von 16,4 Gigawatt ergeben würde. Stand Ende 2021 waren in NRW insgesamt 3814 Windenergieanlagen mit einer Leistung von 6,5 Gigawatt in Betrieb, die 10,1 Terawattstunden Strom produzierten. Das ist etwa soviel Strom wie drei große Braunkohlekraftwerke erzeugen.

Zehn der 15 MK-Kommunen sind „weiße Flecken“

Die aus Sicht der Märker interessanteste Aussage findet sich auf Seite 68 der Studie – dort veröffentlich das Lanuv eine Karte, die Angaben darüber enthält, in welchen der 396 NRW-Kommunen der Bau neuer Windräder sinnvoll ist. Zehn der 15 Städte und Gemeinden im Märkischen Kreis sind darauf „weiße Flecken“ – der Bau neuer Windräder macht dort nach Ansicht des Lanuv keinen Sinn. Zu diesen weißen Flecken gehören auch Altena, Werdohl und Nachrodt-Wiblingwerde. Ganz anders sieht es weiter östlich aus: In Plettenberg und Neuenrade könnten zusätzlich zu den bereits vorhandenen Anlagen jeweils bis zu 20 neue Windkrafträder gebaut werden, meint das Landesamt. Nicht ganz so groß ist das Potenzial in Menden und Balve.

Dass das Lanuv in den meisten Kommunen des Kreises kein Potenzial für neue Windräder sieht, heißt noch lange nicht, dass dort keine gebaut werden. Diesen Schluss lässt ein Vortrag zu, den Tancu Mahmout vom Planungsbüro VDH Anfang des Monats vor dem Neuenrader Rat hielt. Der hatte bekanntlich vor Jahren seinen Teil des Kohlbergs als „Konzentrationsfläche“ für Windräder ausgewiesen, um den Wildwuchs solcher Anlagen überall im Stadtgebiet zu verhindern. Daraus wird wohl nichts: Mahmout erklärte, dass eine Konzentrationszone aktuell rechtlich keinen Bestand hat, weil es interpretationsfähig ist, was es bedeutet, der Windenergie „substanziellen Raum“ zu geben. Die gesetzlichen Leitplanken würden inzwischen so gesetzt, dass landesweit mehr Windenergieanlagen gebaut werden müssen. Begrenzt wird die für Windräder nutzbare Fläche dabei durch die neuen Abstandsregeln zu Siedlungen und Naturschutz-Belange, welche aber auch entschärft werden sollen. So sollen auch in Landschaftsschutzgebieten Windräder gestattet werden können. Interessantes Detail aus Mahmouts Ausführungen: Die auf dem Kohlberg ausgewiesene Fläche würde wegen der noch geltenden Abstandsreglungen kleiner ausfallen.

Windräder „stehen an der falschen Stelle“

Das bestätigt den Dahler Ortsvorsteher Helmar Roder in seiner Kritik an den sechs Windrädern direkt hinter der Stadtgrenze zu Neuenrade: „Einige stehen halt einfach an der falschen Stelle“, sagte er. Dass weitere Windenergieanlagen gebaut werden müssten, sei gerade angesichts der Ereignisse der vergangenen Wochen und Monate wohl keine Frage mehr. Natürlich gebe es im Dorf weiter Kritik an den Windrädern auf dem Kohlberg, sie habe aber nach der Genehmigung des Rund-um-die-Uhr-Betriebes nicht zugenommen. Und zum Thema Lärm: „Man hört sie schon – aber nur, wenn der Wind ungünstig steht.“

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