Thorsten Janson wird neuer Vorsitzender

SPD will raus aus der Krise

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Die Kommunalwahlkandidaten mit dem SPD-Landratskandidaten Volker Schmidt (vorne)

Altena - Die SPD meldet sich zurück. Nachdem er sich über Wochen und Monate in erster Linie mit internen Streitigkeiten beschäftigt hatte, demonstrierte der Ortsverein am Donnerstagabend im Lennestein Geschlossenheit. Thorsten Janson wurde dort zum neuen Vorsitzenden gewählt.

Jansons Wahl kam für Außenstehende deshalb überraschend, weil der 49-jährige Evingser Ende 2019 als stellvertretender Fraktionsvorsitzender zurückgetreten war und sein Ratsmandat niedergelegt hatte – aus beruflichen Gründen, wie er damals erklärte. Das Statement, das er vor seiner Wahl am Donnerstag abgab, zeugte aber davon, dass er damals auch gehörig Frust schob. In den vergangenen Wochen habe er miterlebt, wie ein engagiertes Team im Ortsverein Verantwortung übernommen habe, um einen Neuanfang der Altenaer SPD zu ermöglichen. „Dann habe ich auch wieder Spaß daran“, sagte er zu den veränderten Rahmenbedingungen.

„Es ist mir nicht vergönnt, hier vor Euch zu stehen und etwas zu sagen“ – mit diesen Worten hatte zuvor der vorherige SPD-Vorsitzende Lutz Vormann die Sitzung eröffnet. Er ist wegen einer schweren Erkrankung seit längerer Zeit an den Rollstuhl gefesselt und bedankte sich bei seinem Stellvertreter Markus Ferber sowie bei Thomas Schmitz und Thorsten Janson dafür, dass sie ihn vertreten hatten. Dann legte er den Vorsitz nieder. Unter dem Beifall der SPD-Mitglieder ernannte Ferber ihn anschließend zum Ehrenvorsitzenden des Ortsvereins. Die Vorstandswahlen waren von großer Harmonie geprägt. Janson wurde mit einer Gegenstimme zum Vorsitzenden gewählt. Zweiter stellvertretender Vorsitzender wurde an Stelle des aus der SPD ausgetretenen Reiner Kemmerling Hartmut Göss (drei Gegenstimmen). „Ich bin voll motiviert“ – mit diesen Worten nahm Göss sein Amt an. Martin Müller kümmert sich zukünftig um die Kasse des Ortsvereins, stellvertretender Kassierer wurde Paul Rump.

Der neue Vorstand der SPD: (v.l.) Thorsten Janson, Paul Rump, Martin Müller, Helmut Göss, Christoph Kerper, Markus Ferber, Dennis Becker und Niclas Kozuchowski. Lutz Vormann (sitzend) wurde zum Ehrenvorsitzenden gewählt

Rumps Vorgängerin Vanessa Werner äußerte im Vorfeld der Sitzung ihr Unverständnis über diese mit ihr nicht abgesprochene Personalie, räumte aber auch ein, dass ihre politischen Aktivitäten in den vergangenen Monaten praktisch zum Erliegen gekommen seien: „Das traf bei einigen meiner Mitstreiter auf wenig Verständnis, ich sah mich mancher Anfeindung ausgesetzt“, schrieb sie.

Aus der Fraktion berichtete Thomas Schmitz. Bierbach und Schwarzenstein, der Lennepark und der Bau einer neuen Feuer- und Rettungswache – das seien die Pflöcke, die der jetzige Rat eingeschlagen habe und an denen sich der neue Bürgermeister abarbeiten müsse, was angesichts der sich abzeichnenden Finanzkrise der öffentlichen Haushalte keine leichte Aufgabe sein werde.

„Die letzten Wochen waren turbulent, die waren auch nicht schön“, sagte Schmitz zu den innerparteilichen Querelen. Man müsse es Lutz Vormann hoch anrechnen, dass er durch seinen Rücktritt den Weg für einen Neuanfang geschaffen habe. Nach den Entscheidungen, die der neue Vorstand im Vorfeld der Sitzung getroffen habe, sei er guten Mutes, dass der gelingen werde.

Dass der SPD-Vorstand neue Wege gehen will, zeigte auch der Respekt, den er Matthias Bergfeld entgegenbringt: Obwohl der der SPD kommunalpolitisch den Rücken kehrt und für die SDA kandidiert, war er auf der Versammlung nicht nur gern gesehen, sondern kümmerte sich auch um die Auszählung der Stimmen. Neben dem Vorstand wählte die Partei auch die Kandidaten für die Kommunalwahl und legte deren Reihenfolge auf der Reserveliste fest.

Geladener Gast der Versammlung war der parteilose Bürgermeisterkandidat Volker Spitz, der den Genossen den Rücken stärkte und ihnen einen Achtungserfolg wünschte: „Altena ohne eine starke SPD, da würde was fehlen“, sagte er. Angesichts der sich abzeichnenden Finanzkrise müsse man eine „Allianz derer schmieden, die ein soziales Gewissen zeigen“, sagte Spitz.

„Das war einer der schönsten Abende, die wir seit Langem erlebt haben“, schwärmte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Thomas Schmitz nach der Versammlung. Der Evingser Ortsvorsteher steht auf Platz eins der Reserveliste und wird damit im nächsten Rat mit großer Wahrscheinlichkeit weiterhin eine wichtige Rolle spielen.

Interview mit Thorsten Jansen

Unsere Redaktion stellte drei Fragen an den neuen Vorsitzenden des SPD-Ortsvereins Altena, Thorsten Jansen: 

Die SPD Altena hat turbulente Zeiten hinter sich. Was wollen Sie tun, um den Ortsverein in ein ruhiges Fahrwasser zu bringen?

In den vergangenen beiden Wochen haben wir hierzu schon die nötigen Schritte vorgenommen. Durch den Rückzug einiger weniger Mitglieder sind andere wieder motiviert, sich aktiv einzubringen. Zudem haben wir sogar neue Mitglieder für unseren Ortsverein gewinnen können. Die deutlich wahrnehmbare Aufbruchsstimmung bei der Veranstaltung gestern im Haus Lennestein hat gezeigt, dass uns der Start in eine gemeinsame erfolgreiche Zukunft schon gelungen ist.

Im September ist Kommunalwahl. Weiß man schon, was die programmatischen Kernaussagen der SPD sein werden?

Aufgrund Corona und einiger interner Hemmnisse in den vergangenen Wochen befindet sich unser Wahlprogramm noch in der Entwurfsphase. Das Programm werden wir zeitnah auf einer Veranstaltung im Juli vorstellen.

Es war bemerkenswert, dass der parteilose Bürgermeisterkandidat Volker Spitz auf Ihrer Mitgliederversammlung sprach. Wird es von der SPD, die ja keinen eigenen Bürgermeisterkandidaten hat, Rückendeckung für ihn geben, vielleicht sogar eine Wahlempfehlung?

Wir haben Volker Spitz zu unserer Versammlung eingeladen, um ihm die Möglichkeit zu geben, sich einer möglichst breiten Anzahl der Mitglieder vorzustellen. Die Gespräche hätten eigentlich schon zu Beginn des Jahres geführt werden sollen, wurden jedoch von einem ehemaligen Genossen mit eigenen Ambitionen auf das Amt des Bürgermeisters gehemmt. Nach der Vorstellung gestern schauen wir jetzt, inwieweit unsere Vorstellungen die Zukunft Altenas zu gestalten mit denen von Herrn Spitz zusammen passen. Dann wird sich ergeben, ob wir einen gemeinsamen Weg finden oder nicht.

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