Pfarrer Schmalenbach verlässt Altena

Gespräch mit Personalchef des Bistums

Pfarrhaus St. Matthäus
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Das Pfarrhaus neben der St. Matthäus-Kirche soll verkauft werden.

Knapp 5000 Katholiken bilden die Gemeinden St. Matthäus, St. Theresia und St. Josef. Für die Seelsorge gibt es nur einen Priester: Ulrich Schmalenbach. Den zieht der Bischof von Essen zum 31. März 2021 von der Lenne ab. Jetzt fragen sich viele: Gibt es überhaupt einen Nachfolger?

Altena/Nachrodt – Mehr als zwei Jahre haben sich die Katholiken an der Lenne seit 2017 mächtig ins Zeug gelegt. Sie erarbeiteten in Dutzenden von Sitzungen und Zusammenkünften ein neues Pfarrentwicklungskonzept, um ihre Gemeinden bis 2030 zukunftsfähig zu machen.

Nach der 2019 erteilten Zustimmung des Bischofs zu diesen Überlegungen, in denen das gesamte pfarrliche Leben auf den Prüfstand kam, sollte die konkrete Umsetzung im Frühjahr dieses Jahres starten. Sollte. Doch das Coronavirus hat all das massiv beeinflusst, der Prozess stand still.

Angst, dass keiner mehr kommt

Jetzt heißt es sowohl in Altena als auch in Evingsen und Nachrodt hinter vorgehaltener Hand, „einen Priester, einen Nachfolger für Pfarrer Ulrich Schmalenbach, werden wir wohl nicht bekommen.“

Was ist dran an den Befürchtungen der Gemeinden und diesem hartnäckigen Gerücht? Ulrich Lota, Pressesprecher des Bistums Essen, sagt: „Auf Gerüchte geben wir nichts, das kommentieren wir in der Regel auch nicht.“ Doch Lota hatte dann doch etwas zu sagen. Es gehe natürlich weiter an der Lenne und der Bischof habe die kleine Essener Enklave – eine solche ist nämlich Altena und Nachrodt im ansonsten vom Erzbistum Paderborn dominierten märkischen Territorium – natürlich im Blick. „In dieser Woche wird Dr. Kai Reinhold, ein Mitglied des Domkapitels und aktuell der Personalchef des Bistums, nach Altena kommen.“ Lota kündigte an, das sich der geistliche Würdenträger sowohl mit dem Pfarrgemeinderat als auch mit dem Kirchenvorstand austauschen wolle.

Zum Inhalt und zur Tagesordnung wollte sich Lota aber nicht weiter einlassen. Es gebe zur Nachfolge von Ulrich Schmalenbach noch „keine konkrete Entscheidung. Der Beratungsprozess ist noch nicht zu Ende“, sagte er. Warum der Bischof Pfarrer Ulrich Schmalenbach nach mehr als 14 Jahren Dienst im Lennetal abziehen wird, dazu gab es aus der Pressestelle nur Allgemeines. Es sei eben so, dass ein Priester nicht damit rechnen könne, sein ganzes Leben nur an einer Stelle als Pfarrer wirken zu können. Auch angesichts des Lebensalters von Ulrich Schmalenbach, der im März 65 Jahre alt wird, sei das nicht ungewöhnlich. Katholische Priester verrichten normalerweise ihren Dienst bis zur Vollendung des 70. Lebensjahres. Natürlich bereiten sich Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand auf das Gespräch mit dem Vertreter des Bischofs vor. Es sei, so hieß es, überhaupt das erste, das ihnen als Laien nach der Mitteilung über die Versetzung von Schmalenbach vom bischöflichen Stuhl angeboten worden sei.

Sitzung im Gemeindesaal von St. Theresia

Dietmar Flusche, zweiter Vorsitzender des Kirchenvorstandes, hat alle Pfarrgemeinderats- und Kirchenvorstandsmitglieder für Mittwoch, 16. Dezember, ins Gemeindezentrum Evingsen eingeladen. Ulrich Schmalenbach wird aber nicht dabei sein. „Wir werden auch nicht über ihn sprechen. Das garantiere ich“, sagte Flusche. Es ist natürlich auch im Bistum Essen üblich, dass ein Priester, der seinen Wirkungsort verlässt, nicht in seine Nachfolge eingebunden wird.

Die engagierten Katholiken der Gemeinde rechnen mit drei Modellen, die der Bischof über seinen Vertreter am Mittwoch zur Disposition stellen könnte: 1. Es kommt ein neuer Pfarrer. 2. Es wird ein Pfarradministrator (Verwalter) eingesetzt, der beispielsweise seinen Dienstsitz in Werdohl oder Lüdenscheid hat und Altena von dort aus mitbetreut. 3. Ausschließlich Laiengremien kümmern sich langfristig um die Seelsorge.

Das ist aber umstritten und wird keinesfalls vom Vatikan gebilligt. Aktuelle Praxis ist dies aber zum Beispiel im Bistum Münster, wo der dortige Ortsbischof sich über die Anweisungen aus Rom hinweggesetzt hat.

Altena könnte bei der Variante Laiengremien dann einen ständigen Diakon zugewiesen bekommen, der aber nicht mit einem Priester gleich gestellt ist. Ulrich Slatosch, Altenaer und selbst geweihter Diakon, hilft zwar ab und zu in den Gemeinden vor Ort am Altar und in der Seelsorge aus, dürfte aber keine Alternative sein. Der 63-Jährige ist hauptberuflich oberster NRW-Notfallseelsorger und in diesem Amt sehr gebunden.

Schmalenbach muss ausziehen

Wenn Pfarrer Ulrich Schmalenbach Altena verlässt, tritt er ab dem 1. April 2021 zunächst eine dreimonatige Auszeit an. Er muss aber auf jeden Fall aus dem Pfarrhaus ausziehen, und zwar zum 31. März 2021. Die Immobilie muss dann – so hat es der Bischof angeordnet und so steht es auch im Zukunftsplan der Gemeinde – veräußert werden.

Sollte ein neuer Pfarrer kommen, müsste der in die ehemalige Küsterwohnung neben der Kirche einziehen. Dort hat früher Dechant Wilhelm Bolte gewohnt. Der galt in Altena als Baupastor. In seinen 25 Jahren Dienstzeit habe er so ziemlich alles gebaut, was heute noch zu St. Matthäus gehört, darunter die aufgegebenen Gotteshäuser im Tiergarten und St. Thomas Morus sowie die Friedhofskapelle auf dem Breitenhagen.

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