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„Wie eine Art Therapie“: Nachbarn erinnern sich an Flutkatastrophe

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Von: Fabienne Schwarzer

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Christoph Kerper steht in seiner Garage an der Rahmedestraße, die vor einem Jahr überflutet war. An den Spuren an der Wand ist noch zu erkennen, wie hoch das Wasser hier im Juli 2021 stand.
Christoph Kerper steht in seiner Garage an der Rahmedestraße, die vor einem Jahr überflutet war. An den Spuren an der Wand ist noch zu erkennen, wie hoch das Wasser hier im Juli 2021 stand. © Schwarzer, Fabienne

„Das ist für uns wie eine Art Therapie“, sagt Sonja Pfaff. Mit Nachbarn aus der Rahmedestraße traf sie sich am ersten Jahrestag der Flut zu einem Austausch. Denn sie alle wurden durch das Hochwasser hart getroffen.

Altena – Seit der Flut hatten sich die Rahmede-Nachbarn schon einige Male getroffen. „Im Endeffekt haben wir uns immer und immer wieder dieselben Geschichten erzählt, doch irgendwie hat das geholfen“, so Pfaff. Hinter ihrem Grundstück verläuft der Rahmedebach, der am 14. Juli 2021 ein reißender Fluss war und drei Meter ihres Grundstückes verschluckte.

Die Anwohner erzählten, dass sich alle zunächst auf den Hang gegenüber konzentriert hätten, aus dem Teile auf die Häuser stürzten, und auf das Wasser, das die Rahmedestraße entlang floss und in die Keller eindrang. Sie bauten Dämme und versuchten sich zu schützen – doch die Gefahr, die vom Rahmedebach ausging, realisierten sie erst später. Beim Treffen am Donnerstagabend im Garten von Christoph Kerper floss der Bach völlig ruhig dahin.

Kerper und seine Frau sind bei der Freiwilligen Feuerwehr in Altena. „Wir wurden um 2.30 Uhr in der Nacht alarmiert. Wir dachten, dass das alles nicht so schlimm wäre und wir am Morgen wieder zuhause seien würden. Ich hatte mir schon überlegt, was ich am nächsten Tag so in der Firma zu tun habe“, kann sich Kerper noch genau an die Anfänge des Hochwassers erinnern.

Doch als seine Frau Antje und er ihre Schicht viele Stunden später nach dem Tod des Feuerwehrmanns Oliver Diehl in der Nette geschockt abgebrochen hatten, trafen sie auch zu Hause eine katastrophale Situation an. „Wir haben ein Mal tief durchgeatmet und dann das Hoftor geöffnet“, erinnert sich Kerper an die Wassermassen.

Die Nachbarn arbeiteten im Kampf gegen die Flut eng zusammen, bekamen aber auch Unterstützung von außen. „Einer Person sind wir besonders dankbar. Wir kennen nicht mal seinen Nachnamen. Viktor heißt der Mann, der mit seiner Frau und seinen drei Kindern kam, um anzupacken. Keiner von uns kannte ihn. Er hat einfach gefragt, wo sie helfen können und dann angepackt“, erinnert sich Sonja Pfaff. Eine Freundin von Pfaff aus Osnabrück brachte sofort einen Bautrockner. Zudem organisierte sie in Osnabrück eine Spendenaktion für die Nachbarschaft. 5000 Euro kamen zusammen. Bei allem Negativen der Katastrophe: Die Hilfsbereitschaft und der Einsatz der Helfer werde bei den Nachbarn nicht in Vergessenheit geraten. Das betonten sie unisono.

Mittlerweile sind die Schäden größtenteils repariert. Ein paar Spuren sieht man noch in den Kellern oder an den Garagenwänden. Rückblickend sind sie aber vor allem froh, dass keine Person in der Nachbarschaft zu Schaden gekommen ist.

Auch andere Bereiche der Stadt sind stark getroffen worden von der Flut, unter anderem der Grennigloher Weg.

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