Wetterfachmann Flusche: Der Winter ist vorbei

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Dietmar Flusche sammelte 28 Jahre zuverlässig Wetterdaten aus Altena und dem unteren Lennetal.

ALTENA - Dietmar Flusche legt sich fest: „Der Winter ist vorbei.“ In seinem Garten hat er erst gestern wieder Kleiber beobachtet, die bereits ihr Revier markierten. Für ihn ein untrügliches Zeichen, dass der Frühling nahe.

Noch mehr begründet sich diese Voraussage aber auf die Erfahrungen aus einem Ehrenamt, das Dietmar Flusche von 1979 bis 2007 für das Wetteramt Essen inne hatte. In seinem Garten stand die auch vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach amtlich anerkannte „NiederschlagsMess-Station für Altena und das untere Lennetal.“

Zufällig an Ehrenamt

Eher zufällig kam der ehemalige Rathaus-Spitzenbeamte an diese Aufgabe. „Das Wetteramt hatte die Stadt angeschrieben, ob sie keine Person wüsste, die diese Station betreiben möchte. Dieser Brief landete bei mir. Weil mich die Thematik interessierte, habe ich dann den Dienst übernommen.“

Genau 1 Mark erhielt er anfangs pro Monat dafür – der Aufwand, der dagegen stand, war allerdings erheblich. „Ich wurde zum Wetterbeobachter“, sagt Flusche.

Punkt 7.30 Uhr wurde täglich der Regenmessbecher an der Station geleert, den Tag über aber ein waches Auge auf das Wetter gehalten. Alles hat Flusche in Listen eingetragen, wann es Nebel gab, leichten, mäßigen oder starken Regen, ob Graupelschauer fielen oder Gewitter vorbei zogen und zusätzlich monatliche Berichte geschrieben.

Das Wetter, so meint er rückblickend, habe sich in diesen 28 Jahren gegenüber heute nicht wesentlich verändert. Vielleicht hätten wir heute etwas weniger Winter – die beiden letzten vielleicht ausgenommen. Und die Sommer seien etwas trockener geworden, die Regenmenge aber habe sich kaum verändert.

Gewitter überm Rathaus

Natürlich hat Flusche markante Daten wie selbstverständlich parat. Etwa den 13. Mai 2000, als ein Gewitter genau über dem Rathaus niederging. „Mit verheerenden Folgen. Die ganze Informationstechnik wurde beschädigt, das hat Wochen gedauert, bis wieder alles lief.“

Ob Hagel – der hier so gut wie nie vorkam, denn an sich spricht der Fachmann erst davon, wenn er etwa haselnussgroß ist – über Schneemengen oder Regen: Flusche bedauert, dass es Wetterbeobachter wie ihn künftig nicht mehr gibt. „Der Wetterdienst hat alles auf elektronische Mess-Stationen umgestellt. Ohne den Menschen.“

Geblieben sind viele Erinnerungen und das weiterhin bewusste Aufnehmen von Wind, Regen, Hagel, Sturm und Hochwasser. „Das vorletzte, dass uns hier heimgesucht hat, brachte an einem Tag 118 Liter Regen pro Quadratmeter. Diesen Rekord gab es in all den Jahren, in denen ich Wetterbeobachter war, niemals zuvor.“

von Johannes Bonnekoh

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