Wertvoller Fund beim Entsorger

ALTENA – Das Telefon von Kreisarchivarin Dr. Christiane Todrowski stand gestern Vormittag nicht still. Eine Meldung im Internet, dass auf dem Gelände einer Werdohler Firma eine Lastwagenladung alter heimatkundlicher Bücher aus den Beständen des Kreisarchivs entsorgt werden sollten, sorgte für diesen Telefonmarathon. „Ich bin ehrlich gesagt ziemlich überrascht von dem, was da geschrieben wurde“, lachte Todrowski.

Zur Internet-Meldung: Eine Bürgerin hatte von der Werdohler Entsorgungsfirma einen Tipp bekommen. Hunderte von Büchern lägen auf dem Hof. Es sei doch zu schade, diese zu verbrennen oder in den Altpapiercontainer zu werfen. Schnell war die Bürgerin zur Stelle und erschrocken über den Anblick, der sich ihr bot: Süderland-Heimatland-Bücher der Jahre 1926 bis 1935, Chroniken der Städte des Märkischen Kreises, das Buch „Das malerische und romantische Westphalen“ von Ferdinand Freiligrath und Levin Schücking in zweifacher Ausführung und viele andere Schätze.

Dr. Todrowski wehrt sich gegen den Vorwurf, die Bücher würden aus den Beständen des Kreisarchivs stammen: „Den Band von Schücking und Freiligrath würden wir doch nie aus der Hand geben. Und die Bände Süderland-Heimatland von 1926 bis 1935 hätte ich gerne – bei uns gibt es sie nämlich nicht. Vielleicht sollte ich auch mal nach Werdohl fahren und gucken, was da noch so an Büchern liegt.“

Das Kreisarchiv habe sich gezwungenermaßen von einigen Bänden trennen müssen. Es handele sich dabei aber bisher nur um alte Amtsblätter der Bezirksregierung Arnsberg und um für Sammler wenig interessante Bücher. Todrowski: „Wir haben hier im Haus Probleme mit der Statik bekommen. 100 000 Bände – die trägt das Gebäude einfach nicht. Wir haben uns viele Gedanken gemacht, welche Bücher wir aussortieren müssen. Entschieden haben wir uns für die Schriften, die sich nicht mit unserem Schwerpunkt der Region Südwestfalen beschäftigen.“ Doch auch diese Bücher habe das Kreisarchiv nicht verbrennen lassen wollen. Am 29. Mai findet im Kreisarchiv ein Tag der offenen Tür statt, bei dem die ausrangierten Bände an Sammler verschenkt werden sollen.

Woher die Bücher stammen, die bei der Werdohler Firma gelandet sind, konnte sich Todrowski nicht erklären: „Von uns sind sie definitv nicht – vielleicht stammen sie aus einer Haushaltsauflösung.“

Altenaer Kreisarchivarin Dr. Todrowski: „Die Bücher bei der Werdohler Firma stammen nicht von uns“

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