Werner Wolfinger bekommt als Rentner kein Geld

Erst eine furchtbare Diagnose, dann kein Krankengeld

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Werner Wolfinger: Obwohl er Krankenversicherungsbeiträge gezahlt hat, bekommt er als Rentner keine Leistungen.

Altena -  Ach, wie gern die Rentner doch arbeiten. So hieß es erst vor wenigen Wochen vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. 90 Prozent der Älteren würden nicht wegen des Geldes, sondern aus Spaß an der Freude einen Job annehmen. Die Begeisterung dürfte allerdings ein jähes Ende finden, wenn sie krank werden und dann kein Krankengeld bekommen. So ist es Werner Wolfinger jetzt passiert.

„Was ist das für ein beschissener Staat“, sagt der 67-Jährige. „Darüber ist sich doch kein Rentner im Klaren“, ist sich der Altenaer sicher. Als er seinen Rentenbescheid erhielt, war dem gelernten Werkzeugmechaniker klar: Das Geld wird vorne und hinten nicht reichen.

Er hatte Glück und fand bei „Frebel und Obstfeld“ eine versicherungspflichtige Anstellung als Zerspanungsmechaniker. „Ich war sehr froh darüber. Nach einem Jahr wurde die zunächst befristete Stelle dann auch unbefristet“, erzählt Werner Wolfinger, der täglich vier bis fünf Stunden arbeitete.

1600 Euro Rente plus 1298 Euro Verdienst: „Das war brauchbar“, schmunzelt Werner Wolfinger. Und es hätte alles so schön sein können, wenn nicht plötzlich im Juli diesen Jahres die Diagnose Darmkrebs sein Leben abrupt verändert hätte. „Zwei Drittel des Dickdarms mussten entfernt werden“, erzählt der Altenaer, der sich aktuell einer sehr aufwendigen Therapie mit Chemo und Bestrahlungen unterziehen muss. Heilungschancen: 60 Prozent.

Werner Wolfinger ist eine Kämpfernatur und möchte andere ermutigen, eher zur Koloskopie zu gehen. Mindestens vier Jahre sei der Polyp im Darm gewachsen. Die normale Vorsorge könne keine Früherkennung von Darmkrebs leisten. „Mir ging es auch gut. Ich hatte keine Probleme und überhaupt keine Schmerzen.“

Als wenn die Diagnose nicht schlimm genug gewesen sei, schockte eine weitere Nachricht den sympathischen Altenaer: „Wenn eine Vollrente wegen Alters gewährt wurde, entfällt der Anspruch auf Krankengeld nach Paragraf 44, Absatz 2 1 Nr.4 SGB V i.V. mit Paragraf 50 Absatz 1 Satz SGB V“, teilt die AOK Nordwest mit. Obwohl Werner Wolfinger im Rahmen seiner Anstellung bei „Frebel und Obstfeld“ einen Krankenversicherungs-Beitrag gezahlt hat, gibt es keine Leistungen.

Die AOK bestätigt dies auf AK-Anfrage. „Es wurde ein verminderter Beitragssatz gezahlt. Und bei ermäßigten Beiträgen gibt es keinen Anspruch auf Krankengeld.“ Rentner seien sowieso finanziell abgesichert. Und da Altersrentner nur vereinzelt voll arbeiten würden, sei der Fall von Werner Wolfinger doch als „Ringeltaube“ zu sehen. Ändern könne man an der Gesetzgebung nichts.

Fazit: Berufstätige Rentner zahlen für eine Leistung, die sie nicht bekommen. Werner Wolfinger möchte, dass andere Rentner von diesem „Unding“ erfahren. Denn aus Langeweile oder Spaß an der Freud würden die meisten wohl nicht arbeiten – „auch wenn das gerne so dargestellt wird.“

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