Am Ende ein Losentscheid

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Sie kann auch Holzschnitt: Anna Maleika Neu (links) im Gespräch mit Mitgliedern der Werkstatt.

Altena - So schwer wie nie zuvor fiel den Mitgliedern der Werkstatt am Donnerstag die Stipendiatenauswahl. Drei Künstlerinnen waren in der engeren Wahl und stellten sich in der Burg Holtzbrinck persönlich vor.

Besonders exotische Motive zeigte Maria Trezinski den Kunstinteressenten: „Ist das Gekröse?“ wollte eines der Werkstatt-Mitglieder wissen. Tatsächlich malt die Meisterschülerin von Prof. Wolfgang Ellenrieder auch menschliche und tierische Innereien. Trezinski hat Lust an großen Bildern, was auch dazu führte, dass sie für das sogenannte „Kunstschaufenster“ in Wolfsburg einen drei mal 16 Meter großen „Freudentanz der Bienen“ schuf.

Dass Trezinski es nicht werden würde, wurde in der Diskussion schnell klar. Aber zwischen Anna Maleika Neu und Jana Mertens konnten die Werkstatt-Mitglieder sich trotz langer Diskussion nicht so recht entscheiden.

Neu ist in Wesel aufgewachsen und hat in Berlin studiert. Sie ist Malerin und hat ebenfalls ein Faible zum Großformat. Sie malt bevorzugt auf Jute – Farbe und Struktur dieses Materials faszinieren sie. Jute ist ein Malgrund, der einiges an Vorbereitungen erfordert: Der Stoff muss auf Leinwand aufgeleimt werden, weil er sich sonst nicht bemalen lässt. Das erledigt die Künstlerin selbst, auch ihre Farben (Öl und Eitempera) mischt sie zum Teil selbst an. Selbst großformatige Werke stünden nicht für sich, sagte die Künstlerin. Sie sehe sie als „bewegliche Puzzleteile“, immer wieder arrangiere sie ihre Bilder neu.

Gewichtige Werke schleppte Jana Mertens in die Bürgerburg, weil ein Teil ihrer Exponate aus Beton besteht. Sie studierte in Halle nicht zur Malerei, sondern auch Bildhauerei. Ihr Plastiken und Bilder stünden in Beziehungen zueinander, erklärte sie. Zum Beispiel das Scharmützel. So heißt ihre Abschlussarbeit, zu diesem Thema schuf sie nicht nur Panzer (die alle einen Kosenamen haben), sondern auch Gemälde. Übrigens: Für größtmögliche Authentizität ihrer Schlachten-Bilder fuhr Mertens bei der Bundeswehr im Panzer mit.

Ausgesprochen groß war die Runde, die in diesem Jahr die Stipendiaten-Auswahl traf. Es gab auch neue Gesichter: Die Werkstatt hat im zurückliegenden Jubiläumsjahr eine Reihe neuer Mitglieder gewonnen, die sich teilweise auch an der Vergabe des Stipendiums beteiligten. Nach längerer Diskussion wurde abgestimmt, es gab ein Patt – eine Situation, die es noch nie gegeben hat. Das führte zu weiteren Diskussionen, am Ende einigte man sich auf einen Losentscheid, den dann Jana Mertens gewann.

Das Stipendium der Werkstatt fördert junge Künstler, die gerade ihr Studium abgeschlossen haben. Sie können sechs Monate lang kostenlos in Altena wohnen und erhalten einen Zuschuss zum Lebensunterhalt. Falls erforderlich wird ihnen auch ein Atelier gestellt.

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