Wenn’s gar nicht anders geht, bezahlt die Stadt

Jedem wird geholfen – auch ohne Krankenversicherung

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Geholfen wird immer, vor allem in akuten Fällen. Manchmal bleiben Ärzte und Krankenhäuser aber auf ihren Rechnungen sitzen, weil Patienten nicht versichert sind

Altena - Obwohl es in Deutschland schon seit Jahren eine Krankenversicherungspflicht gibt, rutschen bundesweit immer noch rund 100 000 Menschen durch die Maschen des sozialen Netzes. Einer von ihnen ist der Altenaer Ulrich Gasock (Name geändert). Ihm wurden die Leistungen nach Hartz IV gestrichen, weil er mit seiner Freundin zusammenzog.

Die Arbeitsagentur vertritt die Auffassung, es liege eine eheähnliche Gemeinschaft vor, deshalb stellte sie die Leistungen ein. Damit sei er auch nicht mehr krankenversichert, schildert Gasock sein Problem – „was ist, wenn mir jetzt etwas passiert?“ In Deutschland muss niemand sterben, wenn er nicht versichert ist. Auf diesen Nenner bringt es ein Kenner der Materie. Beispiel Unfall: Auch wenn Gasock verunglückt, kommt der Rettungswagen und bringt ihn in die Notfall-ambulanz eines der Krankenhäuser in den umliegenden Städten. Irgendwann während dieses Prozederes wird man ihm die Frage nach seiner Versicherung stellen. Wer antworte,

Prozedere

dass er keine habe, werde anschließend danach gefragt, wie er sich den die Sache mit der Bezahlung vorstellt, erklärt Corinna Schleifenbaum, die Pressesprecherin des Klinikums in Lüdenscheid. Oft fänden sich Bekannte oder Verwandte, die einsprängen. Grundsätzlich werde aber jeder Patient mit einer schweren und akuten Verletzung oder Erkrankung soweit versorgt, wie es nötig sei, schildert die Krankenhaussprecherin. „Das gilt aber nicht, wenn jemand kommt und mitteilt, dass er seit Jahren unter Rückenschmerzen leidet“, zeigt sie die Grenzen auf. In solchen Fällen seien die Patienten aufgefordert, sich zunächst einmal darum zu kümmern, wer

Behandlungskosten

die Behandlungskosten übernimmt. Das könnte zum Beispiel die Stadt sein. Der Abteilung Jugend und Soziales sei sehr daran gelegen, dass Menschen wie Gasock sich sofort melden würden, wenn sie ihren Versicherungsschutz verlören, erklärte der stellvertretende Abteilungsleiter Axel Freund gestern. Dann könne gemeinsam darüber nachgedacht werden, wie die Betroffenen wieder in eine Krankenversicherung gebracht werden könnten. Auch wenn das nicht gelinge, müsse niemand auf ärztliche Hilfe verzichten, wenn er sie dringend benötige: „Wir stellen dann einen Behandlungsschein aus“. Das bedeutet für den Arzt, dass er die Rechnung an die Stadt schickt, die sie dann bezahlt. Dieses Verfahren gilt auch für die

Flüchtlinge

Flüchtlinge, es sichert eine Grundbehandlung. Auch wenn das Gasock nicht weiterhilft: Sein Problem ist ein ziemlich exklusives. „So etwas gibt es nur ganz selten“, weiß Freund aus seiner langjährigen Praxis. Auch das Klinikum spricht von seltenen Einzelfällen. Meist handele es sich um Ausländer, deren Krankenversicherungen Behandlungen in Deutschland nicht übernähmen, berichtet Corinna Schleifenbaum. Oft springe in diesen Fällen dann die Familie ein. Gasock stellen diese Auskünfte nicht ganz zufrieden. Er fragt sich, warum einerseits seine Freundin für ihn aufkommen soll, ohne andererseits entsprechend entlastet zu werden. Wenn die Arbeitsagentur schon so tue, als seien sie verheiratet, dann müsse seiner Freundin auch die günstigere Steuerklasse drei zugestanden werden und er über die Familienversicherung in ihrer Krankenversicherung beitragsfrei mitversichert sein, argumentiert er gegenüber dem AK.

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