Wenn die Rente nicht reicht: Viele Altenaer brauchen Hilfe vom Staat

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Vielen Rentnern reicht die Rente nicht zum Leben.

Altena – Immer mehr Rentner im Kreis brauchen weitere Unterstützung vom Staat. Ihre Rente reicht nicht zum Leben. Auch in Altena sind viele betroffen.

Immer mehr Menschen im Märkischen Kreis sind neben der Rente auf weitere staatliche Unterstützung angewiesen. Die Zahl der Empfänger stieg innerhalb von zehn Jahren um 41 Prozent. Gab es im Kreis 2008 noch 4219 Bezieher von Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung, so waren es 2018 bereits 5964. Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten mit.

In Altena beziehen derzeit 103 Rentner Grundsicherung, in Nachrodt-Wiblingwerde sind es 24, wie Agnes Goniwiecha, Leiterin der Abteilung Soziales, Jugend und Familie im Rathaus, auf Nachfrage mitteilt. 

Viele verzichten aus Scham auf Hilfe

Isabell Mura, Geschäftsführerin der NGG-Region Südwestfalen, sieht den Trend mit Sorge. „Die amtlichen Zahlen zeigen nur die Spitze des Eisbergs. Denn viele Menschen, die wegen Mini-Renten eigentlich einen Anspruch auf die Grundsicherung haben, schrecken aus Scham vor einem Antrag zurück.“ 

So sind nach einer Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) bundesweit aktuell 16,8 Prozent der Rentner von Armut bedroht. Ohne die Einführung einer Grundrente könnte das Armutsrisiko laut DIW bis 2039 auf 21,6 Prozent steigen. 

Niedriger Lohn als Ursache

„Eine entscheidende Ursache für dürftige Renten sind niedrige Einkommen. Auch wer Jahrzehnte in einer Bäckerei oder einem Restaurant gearbeitet hat, landet im Alter oft unter der Armutsschwelle“, sagt Gewerkschafterin Mura. Sie fordert eine „rentenpolitische Kurskorrektur“. 

Insbesondere die von der Bundesregierung angekündigte Grundrente müsse rasch angepackt werden, um ein Ausufern der Altersarmut im Kreis zu verhindern. Danach sollen die Bezüge von Menschen, die mindestens 35 Jahre lang gearbeitet haben und bei der gesetzlichen Rente trotzdem unter die Grenze von 896 Euro kommen, um bis zu mehrere Hundert Euro im Monat aufgebessert werden. 

Das Bundesarbeitsministerium geht bei der Grundrente von jährlichen Kosten von etwa fünf Milliarden Euro aus. „Für Tausende Beschäftigte allein im Märkischen Kreis stellt sich die Frage, ob ein würdiger Lebensabend in Zukunft noch möglich ist“, warnt Mura.

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