Reihe ,Burg Altena trifft’: Lydia Benecke bringt Gäste im Rittersaal zum Gruseln

Wenn Frauen morden

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 Unter einer Hängelampe und im gemütlichen Ohrensessel erzählte Lydia Benecke vorwiegend heiter von grauenhaften Mordtaten.

Altena - Mordende Frauen standen am Freitag im Mittelpunkt eines langen Abends im ausverkauften Rittersaal von Burg Altena. „Frauen sind wehrlos, sie leiden, sie dulden, sie verzeihen“, zitierte die Ankündigung ein gängiges Vorurteil, das jedoch sofort revidiert wurde: „Wenn die Psychopathie in ihrer Seele sich Bahn bricht, töten sie ebenso grausam und skrupellos wie Männer.“

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Burg Altena trifft…“ war die Kriminalpsychologin Lydia Benecke zu Gast, die das Publikum gründlich mit diversen Serienmörderinnen, vor allem aus den USA, bekannt machte. Mindestens eine Besucherin fragte sich nach kurzweiligen und grauenhaften dreieinhalb Stunden, ob sie wohl gut werde schlafen können. Doch zunächst begann der Abend eher harmlos: 30 Stunden pro Woche arbeite sie mit Sexual- und Gewaltstraftätern, erzählte Lydia Benecke von ihrem Hauptberuf als Straftätertherapeutin - ein Job, der weniger gefährlich sei als die regelmäßige Teilnahme am Straßenverkehr.

Nach dem Gott des Todes wählte Akteur Nino Arra aus Neuenrade seinen Alias-Namen „Thanatos“. Vor der Lesung bat er eine Besucherin, ihm aus einem Set von sechs Reagenzgläsern nach und nach einige zu reichen. Fünfmal Wasser, einmal Gift, lautete die Ansage. Sie zögerte nicht.

In Fortbildungen für Juristen propagiere sie ein rationaleres Herangehen an Straftaten zur Verbesserung von Prävention und Therapie. Schön war das Fazit, das sie daraus zog: „Ich bin also ein Weltverbesserer.“ Mit atemberaubendem Schwung ging es hinein in erste inhaltliche Klärungen: „Die allermeisten Tötungsdelikte werden von nicht psychopathischen Menschen begangen.“ Und nicht jeder Psychopath sei ein Mörder. Die Frage, ob Frauen aus anderen Gründen töten als Männer, leitete über zum Thema des Abends: „Frauen töten eher Menschen, wenn sie diese loswerden wollen“, lautete der erste Teil der Antwort. Das typische Verhalten der Männer ist dazu komplementär: „Sie töten ihre Angehörigen, wenn sie diese nicht verlieren wollen.“

Scheidungsrecht

Das moderne Scheidungsrecht hatte deshalb zwiespältige Folgen: Zwar hatten Frauen weniger Anlass, den ungeliebten Gatten zu vergiften. Doch Männer hatten nun weniger rechtliche Möglichkeiten, ihre trennungswilligen Frauen einzusperren. Das wirkte sich eher ungünstig auf die Zahl männlicher Tötungsdelikte aus. Aufhorchen ließ in diesem Zusammenhang Lydia Beneckes Bemerkung, dass viele Paare ihre Bücher nutzen, um ihre Beziehung besser zu verstehen. Mochten diese ultimativen Beziehungsklärungen noch eine gewisse Rationalität ausstrahlen, so ging es nun hinein in die Abgründe der menschlichen Seele:

Psychopath hat keine Angst

 „Der Psychopath ist frei von Angst-, Schuld- und Mitgefühlen“, lautete eine vorläufige Definition. „Er ist süchtig nach Kicks, Abwechslung und Selbstentwertung. Psychopathen sind sehr manipulativ und betrachten die Emotionen des Gegenübers als Schaltknöpfe, auf denen er oder sie drücken kann.“ Zwei Vorurteile räumte Lydia Benecke noch aus dem Weg, bevor sie die ausführlich dargelegte Theorie mit Filmausschnitten aus dem Film „Basic Instinct II“ illustrierte: „Es gibt Psychopathen in jeder Intelligenzstufe“ und, vergleichsweise beruhigend: „Die meisten Leute mit einem hohen Psychopathiewert töten niemanden.“ Was folgte, war ein kleines Psychologiestudium - verdichtet auf die Dimensionen eines Vortragsabends. Vergnüglich blieb das, trotz der atemberaubenden Vortragsgeschwindigkeit, durch die anschaulichen Erläuterungen.

Bekannte Gesichter

Lydia Benecke ordnete bekannte Gesichter in Kategorien der Psychopathologie ein und schreckte dabei auch vor Dagobert Duck und den Panzerknackern nicht zurück. Wie muss man sich die Persönlichkeit eines Psychopathen vorstellen, der die Eigenschaften der ewigen Gegner in sich vereint? Im langen zweiten Teil des Abends ging es um wirkliche Mörderinnen: Die US-Amerikanerin Aileen Wuornos meuchelte acht Freier und wurde dafür zum Tode verurteilt. Ihre Landsfrau Marybeth Tinning tötete mindestens drei, vermutlich aber acht ihrer eigenen Kinder. Lydia Beneckes fröhlich zwitschernder Bericht über diese Taten und Lebensgeschichten machte das Grauen, von dem sie inhaltlich erzählte, fast vergessen. Aber einige Bilder blieben doch hängen, wie die Frage nach dem Nachtschlaf deutlich machte.

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