„Wenn man was bewegen kann, sollte man das tun“

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Tanja Raffloer und ihr Schimmel Merlin, mit dem alles begann. ▪

ALTENA ▪ Es ist nur noch eine Formsache, dann wird aus der Interessengemeinschaft (IG) Pferdeschutz ein „e.V.“, ein eingetragener Verein. „Das wird unsere Arbeit erleichtern“, sagt Tanja Raffloer. Sie ist die Initiatorin und hauptverantwortlich für die Tierschutzorganisation mit Sitz auf dem Hegenscheid. „Dann können wir Spendenquittungen ausstellen“, erklärt sie weiter, was für viele Spendenwillige doch sehr wichtig sei.

Die IG Pferdeschutz gibt es bereits seit zehn Jahren. Angefangen hat alles mit dem Schimmel namens Merlin. Das Schulpferd war irgendwann für diese Arbeit nicht mehr zu gebrauchen und sollte geschlachtet werden. Davor hat Tanja Raffloer Merlin bewahrt und ihn zu sich genommen. „Peu à peu kamen immer mehr Pferde dazu“, erzählt die 39-Jährige.

„Gott hat uns die Tiere anvertraut, nicht ausgeliefert“ – dieses Motto steht für die Arbeit der Interessengemeinschaft. Tierschutzorganisationen für Kleintiere gebe es reichlich, doch für Großtiere leider nur sehr wenig, erklärt Raffloer. Deswegen haben sie und ihre Mitstreiter sich der hilfsbedürftigen Pferde angenommen. „Wir helfen Pferden in Not. Wir leisten Aufklärungsarbeit für die Fütterung, Haltung und Erziehung. Wir retten Pferde aus ausweglosen Situationen durch Übernahme und Vermittlung. Und wir helfen Besitzern von Problempferden, neue Wege für die Verständigung zwischen Mensch und Pferd zu finden“, so die Pferdeliebhaberin. Denn meistens liege es am Mensch, wenn es nicht klappt. Ihm das aber stets freundlich begreiflich zu machen, sei nicht immer einfach, berichtet Raffloer. „Viele wollen nicht einsehen, dass sie sich ändern müssen.“

Momentan leben 17 Pferde auf dem ehemaligen Heuson-Hof auf dem Hegenscheid: Shetland-Ponys, Trakehner, Westfalen, Haflinger. Die früheren Besitzer wollten sie nicht mehr, weil sie krank oder alt geworden sind. Manch einer war auch mit der artgerechten Haltung überfordert oder ist verstorben.

Die Tiere brauchen Futter, Pflege und viel Liebe. Diese Aufgabe füllt den Tag von Tanja Raffloer, die eigentlich Fotografin ist. „Wenn man was bewegen kann, dann sollte man das tun“, so begründet sie ihr ehrenamtliches Engagement. Ihr Lohn: „Zu sehen, wie sich die Pferde, die oft in schlechtem Zustand hierher kommen, positiv entwickeln. Die blühen nochmal auf. Das macht mich glücklich.“

Unterstützt wird Tanja Raffloer bei der täglichen Arbeit unter anderem von Laura Heuson und Canan Ezgi. Beide helfen so oft sie können bei der Pflege, beim Ausführen der Pferde auf die Weide, beim Stall ausmisten und beim Füttern. Warum? „Weil wir Pferde lieben.“ Sie sind auch dabei, wenn die IG Pferdeschutz Besuch von Grundschulklassen oder Kindergartengruppen hat. „Wir möchten den Kindern den verantwortungsvollen Umgang mit Tieren näher bringen“, begründet Tanja Raffloer die Motivation für diese Projekte.

Wenn es nicht in Strömen regnet, wie in den vergangenen zwei Tagen, kommen die Pferde immer auf die Weide – auch bei Minustemperaturen und Schnee. Spaziergänger haben sich sicher schon mal über die vielen Zäune, Absperrungen und Schilder mit der Aufschrift „Füttern verboten“ gewundert. Das diene dem Schutz der Pferde, erklärt die 39-Jährige. „Sie werden von uns nach ihren Bedürfnissen versorgt“, verdeutlicht Raffloer. Manche Pferde hätten Stoffwechselstörungen oder Diabetes, „da kann ein Brötchen schon fatale Folgen haben“. Zudem entstünde Futterneid unter den Tieren, wenn Spaziergänger Äpfel oder Brot auf die Wieden werfen würden. „Beim Kampf darum, können sich die Pferde verletzen.“ Außerdem: „Wir gehen ja auch nicht her und füttern über den Zaun den Hund vom Nachbarn.“

Die Tierschützer sind auf finanzielle Hilfen in Form von Spenden oder Patenschaften angewiesen, brauchen aber auch tatkräftige Unterstützung. Helfer mit handwerklichem Geschick werden immer gesucht. Gesucht werden auch Leute, die beim Trödel-Verkauf auf Flohmärkten helfen. ▪ Von Ilka Kremer

Kontakt nehmen Interessierte mit Tanja Raffloer unter der Rufnummer 0179/2421613 auf. Jeden ersten Mittwoch trifft sich die IG Pferdeschutz zum Stammtisch ab 19 Uhr in der Gaststätte „Zum Windsack“. Der nächste Termin ist der 2. Februar. Pferde- und Reitfreunde sind willkommen.

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