Zu wenig Personal für Waldschutz: Deutliche Kritik am Land NRW

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Sichtbare Spuren hat der Borkenkäfer im Wald oberhalb des Knerlings hinterlassen. Dort mussten kranke und abgestorbene Fichten auf riesigen Flächen gefällt werden.

Altena  – „Schwarz-Weiß-Denken bringt uns nicht weiter“, sagt Lisa Flender, Klimaschutzmanagerin der Stadt Altena. Es geht um den stark bedrohten Wald und seinen Schutz. Bei einem Netzwerktreffen wurde deutliche Kritik laut.

„Man muss Kompromisse finden. Es ist wichtig, in einen Dialog zu treten. Wir müssen optimistisch an die Sache herangehen, es ist noch nicht zu spät. Aber es muss schnell gehandelt werden“,  sagt Lisa Flender, Klimaschutzmanagerin der Stadt Altena. Ihr Appell beim Netzwerktreffen des Klimanetzwerk Südwestfalen – zu dem auch Altena gehört – in Lüdenscheid war eindringlich. 

Unter dem Motto „Wald im Klimawandel“ diskutierte de interkommunalen Arbeitsgemeinschaft, die sich aus Klimaschutz-Verantwortlichen südwestfälischer Kommunen zusammensetzt, über die Auswirkungen auf Tourismus, Forstwirtschaft und Naturschutz. Referenten aus Politik und Wirtschaft sprachen rund 40 Gästen. 

Gute Ideen, zu wenig Personal

Das Resümee fiel nach sechs diskussionsreichen Stunden ernüchternd aus: Die Landesregierung leitet zwar Maßnahmen ein, um den Wald zu schützen und die Forstwirte zu entlasten. Diese können jedoch von den betroffenen Stellen nur schwer umgesetzt werden, weil zu wenig Personal vorhanden ist – dem Stellenabbau sei Dank. 

Auf den Punkt brachte es ein Forstwirt aus dem Auditorium: „Die Personalausstattung ist der Schlüssel zum Erfolg. Vier Mitarbeiter für 16 Reviere ‚verdampfen‘ einfach. Wir brauchen mindestens doppelt so viele Leute.“

Niklas Raffalski vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen zeigte auf, wie ernst die Auswirkungen des Klimawandels auf den heimischen Wald wirklich sind. Absterbende Bäume und zunehmende Insektenpopulationen (Borkenkäfer) stellen Wald und Forstwirte vor immer größer werdende Probleme. Der Geschäftsführer des Vereins Sauerland-Tourismus, Thomas Weber, befürchtete, dass unser „Land der 1000 Berge“ bald keinen Waldbestand mehr haben wird. 

Ministerium erntet Kritik

Auch Jörn Hevendehl, Fachgebietsleiter vom Regionalforstamt Märkisches Sauerland und Forstamtsleiter, sieht das Klimakraftwerk Wald in ernster Gefahr. Bei der anschließenden Podiumsdiskussion meldeten sich einige Zuhörer zu Wort.

Zielscheibe ihres Unmuts war in erster Linie Dr. Thorsten Mrosek vom Umweltministerium NRW. „Es wird viel erzählt, aber wenig gemacht“, lautete die Kritik. Seit vielen Jahrzehnten sei bekannt, dass sich das Klima ändert, doch die Politik reagiere erst jetzt. 

Förderpakete "viel zu kompliziert"

Positiv wurde die Förderung der Forstwirtschaft hervorgehoben. Für private und kommunale Waldbesitzer stehen einige Angebote zur Verfügung. Die Klimaschutzbeauftragte des Kreises, Petra Schaller, verwies jedoch auf die Schwachpunkte des Angebots: „Viel zu kompliziert. Mit dem 20-seitigen Antragsformular sind viele einfach überfordert.“ 

Auch Klaus Brunsmeier vom Bund für Umwelt und Naturschutz betonte: „Wir brauchen ein attraktives Angebot der Landesregierung und Signale, damit Waldbesitzer eine Perspektive haben. Eine Baumprämie würde neue Möglichkeiten eröffnen“. 

Dr. Thorsten Mrosek vom Umweltministerium konnte nur relativieren: „Eine einfache Lösung gibt es nicht. Der Wald ist zu sehr von Menschen geprägt. Wir müssen uns mit den vorhandenen Informationen zunächst auseinandersetzen.“ 

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