Ulrich Biroth präsentiert Feldpostbriefe

„Die Hölle kann nicht schlimmer sein“

Ulrich Biroth zeigte sich betroffen über seine Funde.

Altena - Einen sehr aufschlussreichen Einblick in die Gemütsverfassung und Ansichten der Soldaten des 1. Weltkriegs vermitteln die Feldpostbriefe und Tagebücher, die den Kuratoren der Ausstellung „Lieb Vaterland magst ruhig sein“ zur Verfügung gestellt wurden.

Weitere Termine

20. August: „Deutschland muss leben, und wenn wir sterben müssen!“ – Gedichte für den Weltkrieg 1914 bis 1918. - Dr. Walter Wehner, Iserlohn - Beginn: 19 Uhr; Burg Holtzbrinck

31. August: 1914 – „Maikäfer flieg.“ Verschollene Lieder 1914 bis 1918.“ - „Die Grenzgänger“ präsentieren eine Auswahl von Liedern aus dem Deutschen Volksliedarchiv in Freiburg. - Beginn: 19 Uhr, Burggymnasium

3. September: „Kriegsende und Revolution in Iserlohn“. - Götz Beetge, Iserlohn - Beginn: 19 Uhr, Burg Holtzbrinck

17. September: „Das Realgymnasium in Altena und der 1. Weltkrieg“.  - Ergebnisse einer Projektarbeit von Schülern des Burggymnasiums - Beginn: 19 Uhr, Burg Holtzbrinck

1. Oktober: „Laterna Magica“, Bilder aus der Kaiserzeit für Groß und Klein - Peter Riecke, Neuenrade -Beginn: 19 Uhr,  Burg Holtzbrinck

15. Oktober:  „Ich habe mit allen Kräften das unsrige getan, hinter der Front durchhalten zu helfen.“ Die Ernährung und Versorgung der „Heimatfront“ durch das Kreiswirtschaftsamt Altena -Dr. Christiane Todrowski, Íserlohn - Beginn: 19 Uhr, Burg Holtzbrinck

29. Oktober: „Sommer 2014. Der Beginn des 1. Weltkrieges in Lüdenscheid.“ - Dr. Dietmar Simon, Lüdenscheid - Beginn: 19 Uhr: Burg Holtzbrinck

Zum Auftakt einer die Ausstellung im Altenaer Kreishaus begleitenden Vortragsreihe gab Kreisarchivar Ulrich Biroth einen aufschlussreichen Einblick in diese Dokumente, die Soldaten aus Altena und Umgebung an ihre Lieben nach Hause schickten. „So muss denn das Schwert entscheiden“, hatte Kaiser Wilhelm II. Verkündet, und Königin Auguste Victoria hatte diejenigen gewürdigt, die dieses Schwert „im Kampf zu unserer Verteidigung“ führen sollten.

„Um diese Söhne und Brüder geht es an diesem Abend“, kehrte Ulrich Biroth in die Perspektive aus der Provinz zurück. Bilder vom umjubelten Aufbruch der Soldaten in Altena waren sehr bald Geschichte: „Die Begeisterung hat sich schnell gelegt“, stellte Biroth fest. Überraschend unzensiert berichteten die Soldaten von Kriegsverbrechen an der Zivilbevölkerung, gaben Stellungen preis und kommentierten den Kriegsverlauf mit einem wachen Bewusstsein für die allgemeine politische Lage.

Mit dem jahrelangen Stellungskrieg, den niemand in dieser Form erwartet hatte, wuchsen die skeptischen Stimmen: „Das Blühen und Gedeihen der gesamten Menschheit ist doch auf 100 Jahre ruiniert“, schrieb der ehemalige Altenaer Landrat Fritz Hesse in sein Tagebuch. „In der Hölle kann es nicht schlimmer zugehen.“ Andere wurden durch das Fortdauern des Krieges in ihrem Nationalismus und Rassismus, vor allem gegen die Juden, bestärkt. „Insgesamt war ich ziemlich erschreckt, wie selbstverständlich die Soldaten ihre antijüdischen Bemerkungen nach Hause schickten“, zog Ulrich Biroth ein persönliches Fazit.

Am Ende des Krieges ließen die Streiks in der Heimat bei Soldaten an der Front das verhängnisvolle Gefühl eines Verrats aufkommen: „Das Volk ist es nicht wert, dass unser Heer siegt“, schimpfte ein Briefschreiber. „Fassungslos standen wir den Nachrichten gegenüber“, hieß es nach dem allerletzten Schuss.

von Thomas Krumm

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