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Für das Leben ihrer Töchter

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Familienglück in Altena: Kelechi Gemar Nwaiwu und ihre beiden fünfjährigen Zwillingstöchter Adaugo Trinity und Adanna Purity fanden in der Burgstadt ein neues Zuhause. Kita-Leiterin Karina Lazar und ihr Team der Johanniter-Kita Zwergenburg unterstützen die Familie.
Familienglück in Altena: Kelechi Gemar Nwaiwu und ihre beiden fünfjährigen Zwillingstöchter Adaugo Trinity und Adanna Purity fanden in der Burgstadt ein neues Zuhause. Kita-Leiterin Karina Lazar und ihr Team der Johanniter-Kita Zwergenburg unterstützen die Familie. © Eisenhauer

„Es war die richtige Entscheidung.“ Kelechi Gemar Nwaiwu hat es nie bereut, ihr Heimatland Nigeria verlassen zu haben und mit ihren beiden Zwillingen nach Deutschland gekommen zu sein. In Altena fand sie ein neues Zuhause. Anlässlich des Weltflüchtlingstags am 20. Juni erzählt sie, wie sie das Leben und die Integration in ihrer neuen Heimat erlebt. Dabei spielt die Johanniter-Kita Zwergenburg, in der eine ihrer Töchter betreut wird, eine große Rolle.

Altena –„Es ist ein guter Ort, an dem meine Kinder wohlbehalten aufwachsen können“, sagt die 37-Jährige. Seit ihrer Flucht aus Nigeria vor vier Jahren lebt die studierte Naturwissenschaftlerin mit ihren fünfjährigen Zwillingen Adaugo Trinity und Adanna Purity in Altena. Ihre Tochter Adaugo besucht die Johanniter-Kita Zwergenburg, ihre Tochter Adanna einen Förderkindergarten in Iserlohn.

Kelechi Gemar Nwaiwu erlebt die Atmosphäre in Altena als „sehr beruhigend“. Vor allem im Vergleich zu ihrem Heimatland. In Teilen Nigerais sind Gewalt, Entführungen und Terrorakte durch militante Gruppen an der Tagesordnung. Dennoch sagt die zweifache Mutter: „Ich habe alles verloren und vermisse vieles ganz furchtbar – vor allem meine Familie.“ Sie wurde als Asylbewerberin in Deutschland anerkannt. Ihre Eltern, Geschwister und Freunde sieht Kelechi Gemar Nwaiwu nur bei regelmäßigen Videoanrufen.

Neue Kontakte fand die Familie auch durch die Johanniter-Kita Zwergenburg. „Adaugo ist sehr beliebt, sie hat bei uns viele Freundinnen und Freunde gefunden“, erzählt Kita-Leiterin Karina Lazar. „Sprecht mit ihr bloß kein Englisch, sie soll doch die Sprache ihrer neuen Heimat lernen.“ Das gab ihre Mutter den pädagogischen Fachkräften von Anfang an mit auf den Weg.

Und das Lernen ging schnell: Adaugo Trinitiy spricht fließend Deutsch. Ihre Muttersprache Englisch gebe sie aber gerne anderen Kinder weiter, berichtet Karina Lazar: „In der Nachmittagsbetreuung redet sie mit ihrem aus Griechenland stammenden Freund in Englisch, und der versteht und spricht das mittlerweile recht gut.“

Deutschkurs

Auch bei ihrem eigenen Deutschkurs half Kelechi Gemar Nwaiwu die Betreuung in der Kita: Da sie mit dem Bus zum Unterricht nach Lüdenscheid fahren musste und der Kurs erst um 12 Uhr endete, setzte sich der Johanniter-Regionalverband erfolgreich beim Jugendamt für die Genehmigung eines Kita-Platzes bis 14 Uhr ein.

Dass die Erzieherinnen ihr immer wieder Mut machen, gibt Kelechi Gemar Nwaiwu Kraft: „Sie sagen, dass ich bisher sehr viel geschafft habe und darum auch meine weiteren Ziele erreichen werde. Das gibt mir Hoffnung.“

Ihr in Nigeria abgeschlossenes Studium der Naturwissenschaften und Labortechnik wird in Deutschland nicht anerkannt. Jetzt arbeitet Kelechi Gemar Nwaiwu in einem Coronatest-Labor in Iserlohn und ist darüber sehr froh: „Auf keinen Fall möchte ich von Sozialhilfe leben, ich will Geld verdienen und mir damit unter anderem später ein ergänzendes Studium leisten können.“

Ziele vor Augen

Ihre Ziele hatte Kelechi Gemar Nwaiwu von Beginn an vor Augen, auch wenn der Start in Altena manchmal schwerfiel. So erlebte sie ihr erstes Weihnachten in Deutschland als sehr deprimierend: „Während wir in Nigeria das Fest gemeinsam auf den Straßen und bei offenen Türen in allen Häusern feiern, saß ich alleine in Altena“, schildert die Katholikin. Zur Aufnahme in die Gemeinschaft der Kirchengemeinde verhalf ihr Christiane Frebel, Koordinatorin des Familienzentrums, in dem alle Kitas im Stadtgebiet zusammengeschlossen sind.

„Als berufstätige Alleinerziehende mit zwei kleinen Kindern, davon einem Mädchen mit einer mehrfachen Einschränkung, meistert sie ihren Alltag einfach großartig“, findet Kita-Leiterin Karina Lazar. Die Zwergenburg wird von vielen Kindern aus zahlreichen Herkunftsländern besucht. „Die Herkunft macht für uns jedoch keinen Unterschied, wir leben alle in einer Gemeinschaft und respektieren die unterschiedlichen Werte und die Kulturen“, betont Karina Lazar.

Eigene Erfahrung

Die Schwierigkeiten, die ein Umzug in die Fremde mit sich bringt, kennt sie aus eigener Erfahrung: „Als ich zwölf Jahre alt war, kam ich mit meiner Familie aus Polen nach Deutschland und kann nachempfinden, wie Kinder sich fühlen, wenn sie sich plötzlich in einer vollkommen fremden Umgebung wiederfinden.“ Wenn etwa Adaugo Trinity sehr traurig ist, weil ihre Großeltern nicht zu den Großeltern-Aktionen in die Kita kommen können, kann sie angemessen auf die Gefühle des Mädchens eingehen. Dass ihre Töchter in Deutschland kindgerecht begleitet werden und sich frei und selbstbestimmt entwickeln können, war für Kelechi Gemar Nwaiwu ein wichtiger Grund, ihr Geburtsland Nigeria zu verlassen.

Laut Amnesty International werden in dem westafrikanischen Land am Golf von Guinea die Rechte auf freie Meinungsäußerung und Vereinigungsfreiheit routinemäßig verletzt, Sicherheitskräfte verüben gravierende Menschenrechtsverletzungen einschließlich Folter. Vor allem Mädchen und Frauen sind von Gewalt, Missbrauch und Misshandlung erheblich bedroht.

Auch eine gute medizinische Versorgung ist in dem Land nicht gegeben. Ihre Tochter Adanna Purity hätte Kelechi Gemar Nwaiwu alleine, ohne jegliche Förderung und Therapie, zuhause betreuen müssen: „Hätte ich sie in eines der dortigen Heime gegeben, würde sie nicht mehr leben“, ist sie sich sicher. Als sie Nigeria verließ, konnte Adanna nicht richtig schlucken und sich kaum bewegen. „Sie lag nur und bekam flüssige Nahrung eingeflößt.“ Jetzt kann die Fünfjährige an der Hand laufen und Essen als Brei zu sich nehmen.

Diese Fortschritte der aufgeweckten Adaugo Trinitiy bestärken Kelechi Gemar Nwaiwu in der Entscheidung, die Heimat verlassen zu haben: „Wenn ich die Kinder anschaue, dann weiß ich: Ich habe das Richtige getan.“

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