Wein zu 1,80 Mark im Roten Teppich

Monika Biroth (links) und Margret Trippe.

ALTENA ▪ Beim Stöbern in den alten Plakaten, Werbezetteln, Firmenbroschüren oder Speisen- und Getränkekarten wird schnell klar: Es handelt sich um interessante Zeitdokumente, die der Nachwelt erhalten bleiben müssen. Und genau deshalb hat Margret Trippe Teile der alten Bestände aus ihrem fast 120 Jahre alten Buch- und Schreibwarengeschäft mit Buchbinderei jetzt dem Stadtarchiv gespendet.

„Es ist ein Stück Kulturgeschichte“, sagt Stadtarchivarin Monika Biroth. Sie besuchte Margret Trippe und schaute mit ihr zusammen in Regalen und Schränken nach Dingen, die auch in fünfzig Jahren noch interessant sein werden. „Ich bin da ziemlich subjektiv rangegangen“, erklärt Biroth ihre Vorgehensweise. Mitgenommen hat sie zwei große Kisten voll mit den unterschiedlichsten Produkten aus dem Hause Trippe: Da findet sich zum Beispiel die Weinkarte des Lokals „Roter Teppich“ (heute im Besitz der Geschwister Nielsen, die dort gerne wieder Gastronomie ansiedeln würden). „Das war für Weinkenner die Adresse in Altena“, erinnert sich Margret Trippe und schmunzelt, als sie die damaligen Preise sieht. Eine Flasche Wein für 1,80 Mark – das gibt‘s heute noch nicht mal beim Discounter.

Speisekarten aus dem

Märkischen Hof

Ebenso lesenswert: die Speisen- und Getränkekarte des Hotels „Märkischer Hof“, früher an der Bahnhofstraße. Die Inhaber warben mit dem Slogan, „der romantischste Punkt des märkischen Sauerlandes“. Und zum 15-jährigen Bestehen im Jahre 1953 ließ das Hotel von Trippes auf feinstem Papier aufwendige Klappkarten für die Kundschaft drucken. „Ich sortiere jetzt alles ein“, sagt Monika Biroth, „und eventuell wird daraus eine Ausstellung entstehen.“ Diese Idee gefällt auch Margret Trippe, die übrigens nichts dagegen gehabt hätte, wenn aus dem gesamten Komplex an der Lennestraße ein Museum geworden wäre. Aber: „Da hat sich leider nie jemand gefunden, der das machen wollte.“

Wilhelm Trippe sen. gründet im Jahre 1892 das Geschäft mit Buchbinderei, 1918 trat Wilhelm Trippe jun. in die Firma ein. Er starb 1974 und sein Sohn Herbert übernahm zusammen mit seiner Frau Margret das Ruder. Mittlerweile ist auch Herbert Trippe verstorben, seine Ehefrau führte das Geschäft alleine weiter – bis Ende Juni dieses Jahres. Seitdem räumt die 76-Jährige auf und mistet aus. „Jetzt ist es bald geschafft“, berichtet sie. Auch die Stadtbücherei hat einen Teil der alten Bestände bekommen, Antonius Gusik freut sich über Reiseführer, Bücher und Zeitschriften.

Von Ilka Kremer

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