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Weil Strombedarf dramatisch steigt: Großes Umspannwerk auf Rosmart geplant

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Von: Jona Wiechowski

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Auf Rosmart soll eine Umspannanlage entstehen. So planen es jedenfalls Amprion und Enervie Vernetzt. Ob das wirklich so kommt, ist allerdings noch unklar und erfordere auch noch viel Gesprächsbedarf, wie Altenas Bürgermeister Uwe Kober erklärte. Das Bild zeigt die Umspannanlage in Paffendorf. Amprion zeigte sich offen, um etwa über die äußere Gestaltung zu sprechen.
Auf Rosmart soll eine Umspannanlage entstehen. So planen es jedenfalls Amprion und Enervie Vernetzt. Ob das wirklich so kommt, ist allerdings noch unklar und erfordere auch noch viel Gesprächsbedarf, wie Altenas Bürgermeister Uwe Kober erklärte. Das Bild zeigt die Umspannanlage in Paffendorf. Amprion zeigte sich offen, um etwa über die äußere Gestaltung zu sprechen. © Amprion GmbH/Daniel Schumann

Amprion und Enervie Vernetzt wollen auf Rosmart eine Schalt- und Umspannanlage bauen. Jetzt haben sie die Pläne erstmals öffentlich vorgestellt.

Altena – Zu Gast waren Vertreter beider Firmen am Mittwoch im Altenaer Stadtentwicklungsausschuss. Die Begeisterung nicht nur der Ausschussmitglieder hielt sich nach dem Vortrag allerdings stark in Grenzen. Festgezurrt oder genehmigt ist das Projekt bei Weitem noch nicht.

Wolfgang Hinz, Enervie-Vernetzt-Geschäftsführer Ressort Netzbetrieb, skizzierte zu Beginn, wieso das Umspannwerk überhaupt gebraucht wird. „Es rollt etwas Großes auf uns zu“, sagte er und sprach von einer Zukunft ohne Kohle, Öl und Erdgas – und das bis 2045. So gebe es jedenfalls die Regierung vor. Konsequenz: „Der Strombedarf wird dramatisch steigen.“ Darauf müsse man sich schon heute vorbereiten.

Das Kraftwerk Elverlingsen in Werdohl (Südnetz der Enervie) wurde bekanntlich im Zuge der „Dekarbonisierung“, wie es Hinz formulierte, mit mehr als 500 Megawatt Kraftwerksleistung aus dem Netz genommen. Dieser Wegfall müsse durch Netzeinspeisung kompensiert werden, um die Netzsituation und die regionale Versorgungssicherheit stabil zu halten.

Deswegen benötige die Enervie Vernetzt GmbH eine zweite Anbindung an das Übertragungsnetz für den zuverlässigen, sicheren und zukunftsfähigen Betrieb ihres regionalen Verteilnetzes als Ergänzung zur bestehenden Anbindung im nördlichen Netzgebiet in Hagen-Garenfeld. An dem neuen Umspannwerk will Amprion den Strom von ihrer 380-Kilovolt-Leitung (die aktuell unter anderem durch den Märkischen Kreis gebaut wird) umspannen und auf die 110-Kilovolt-Leitung der Enervie Vernetzt übergeben.

Wunsch und erste Planungen sehen vor, eine solche Anlage auf Rosmart entstehen zu lassen – „nicht im, sondern am Gewerbegebiet“. So erklärte es Thorsten Mikschaitis von Amprion. Der führte auch aus, wieso der Standort Rosmart so interessant sei: Das liege an der gewerblichen Vorprägung, an der unmittelbaren Nähe zum Übertragungsnetz (380-kV Amprion) und zum Verteilnetz (110-kV Enervie) und daran, dass keine zusätzliche Stichleitung mit allen ihren Erfordernissen gebraucht würde. Ein genau solcher „weiträumiger Leitungsneubau inklusive Planungsfeststellungsverfahren“ sei beispielsweise beim von Amprion ebenfalls näher betrachteten Standort Elverlingsen nötig, erklärte Mikschaitis. Die Ampriontrasse sei hier sehr weit entfernt.

Das Werk auf Rosmart soll groß werden. Entstehen soll es auf einer Fläche von gut 500 mal 80 Metern, wobei das Umspannwerk nicht besetzt sein und aus der Ferne gesteuert würde. 2026/2027 solle es „fertig und einschaltbereit“ sein, so Mikschaitis zu den Plänen. Die präsentierten Folien zeigten ein graues, aber dennoch gut sichtbares Bauwerk – bewusst habe man das getan, um die Anwesenden nicht zu blenden und nichts zu verstecken. Man sei offen für eine ansprechendere Gestaltung etwa in Form von Sichtschutzwänden und Bepflanzungen.

Guido Thal (CDU) sprach deutliche Worte: Man habe den Vortrag zur Kenntnis genommen. Die Verantwortlichen sollten von dem Abend aber nicht mitnehmen, dass es damit getan sei. „Wir werden sehr genau hinschauen“, machte er klar.

Bürgermeister Uwe Kober (CDU) erklärte, das erste Mal in dieser Ausführlichkeit gehört zu haben, was da überhaupt geplant sei. Den Rosmartern sei in der Vergangenheit schon viel zugemutet worden. Man müsse abwägen, vielleicht eine nettere Variante nehmen. „Das Thema erfordert noch viel Gesprächsbedarf.“ Rosmarter Anwohner wünschten sich eine Bürgerbeteiligung. Amprion zeigte sich offen dafür.

Auch kam in der Ausschuss-Runde die Frage auf, ob der Standort Elverlingsen nicht noch einmal geprüft werden könne. Anwesende Rosmart-Bewohner fragten zudem, ob es in der Zukunft möglich sei, dass, weil ja dann schon ein Umspannwerk dort stehe, weitere Masten hinzukommen und das Landschaftsbild weiter beeinträchtigen könnten. Dazu gebe es „keine Pläne und auch keine Notwendigkeit“, erklärte Hinz.

Wie berichtet, ist Amprion aktuell dabei, zwischen Kruckel bei Dortmund und Dauersberg in Rheinland-Pfalz auf 126 Kilometern eine Leitung in bereits vorhandener Trasse auszubauen – statt 220 wird die neue Freileitung eine Spannung von 380 Kilovolt führen. Der 36 Kilometer lange Abschnitt B führt auch durch den Märkischen Kreis. Die Gesamtinbetriebnahme plant Amprion für 2026.

Amprion und Enervie

Die Amprion GmbH ist einer von vier Übertragungsnetzbetreibern in Deutschland. Das nach eigenen Angaben 11 000 Kilometer lange Höchstspannungsnetz transportiert Strom in einem Gebiet von Niedersachsen bis zu den Alpen.

Enervie Vernetzt ist 2015 aus der Enervie AssetNetWork hervorgegangen und gehört zu 100 Prozent zur Enervie-Gruppe, die ein Tochterunternehmen der Mark-E-Aktiengesellschaft ist. Über die Netze der Enervie Vernetzt kommen Strom, Gas und Wasser direkt zu den Endverbrauchern.

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