Ohne Worte: Weihnachtsgrüße der besonderen Art 

Die Heinzelmännchen grüßen zum Weihnachtsfest: Die historische Postkarte stammt von 1925 und gehört zum Fundus des Kreisarchivs.
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Die Heinzelmännchen grüßen zum Weihnachtsfest: Die historische Postkarte stammt von 1925 und gehört zum Fundus des Kreisarchivs.

Ein schönes Motiv, wenige Worte: Weihnachtsgrüße der besonderen Art gibt es in Altena zu entdecken - und manche sind mehr als 100 Jahre alt.

Altena – „F F Mutter, alles Liebe, Joseph“, ist in hakeliger Schrift in einer kleinen Ecke einer Postkarte aus dem Jahr 1904 zu lesen. Joseph hat klein geschrieben, daher läuft sein Weihnachtsgruß nicht in das Bild der Geburtsszene im Stall zu Bethlehem, das die Karte ziert. „FF – das muss ich wohl nicht übersetzen“, sagt Ulrich Biroth: „Das steht einfach für Frohes Fest!“

Der Kreisarchivar legt die Karte vorsichtig aus der Hand und erklärt: „Auf Postkarten dieser Zeit war nicht viel Platz für Nachrichten. Minimalistisch, sicher, zwei Buchstaben und ein kurzer Gruß. Das zeigte aber der Empfängerin: Ich habe an dich gedacht“, fügt er an.

Verabredung per Post: Früher war es möglich

Eine der beiden Postkarten-Seiten war damals, kurz nach der Jahrhundertwende, einem Motiv vorbehalten, die andere der Anschrift und der Fünf-Pfennig-Briefmarke. Das Einfügen eines Textes war nicht erlaubt. Ab 1905 wurde die Adressseite der Karten geteilt und man durfte seine Mitteilungen an den Empfänger auf die linke Seite, die Adresse des Empfängers auf die rechte Seite schreiben.

Wenig Platz für nette Zeilen: Diese Weihnachtspostkarte von 1925 zeigt, dass es kaum Platz für viele Worte gab. Und so fielen die Weihnachtsgrüße oft kurz aus.

Was heute SMS oder Whats-App-Nachrichten erledigen, funktionierte damals mittels Postkarte. Die Post wurde drei Mal täglich zugestellt – und so war es eben durchaus möglich, sich per Karte morgens für abends zu verabreden. Undenkbar heute.

Schätze sind zu schade für den Schrank

Mehr als 10 000 Postkarten – nicht alle mit Weihnachtsmotiven – hat Archivar Ulrich Biroth im Fundus des Kreisarchivs an der Bismarckstraße bis heute katalogisiert und den größten Teil auch digitalisiert. „Es wäre zu schade, wenn diese Schätze, und das sind die Karten aus vielen Jahrzehnten nun einmal, nicht zu sehen wären und irgendwo im Schrank lägen“, sagt der Altenaer.

Nun hat er ein Album in der Hand. „Ab der Jahrhundertwende, vielleicht noch bis in die 1950er Jahre, war es üblich, die Postkarten, die man zugestellt bekam, zu sammeln und anschließend in ein Album zu kleben. So konnte man seine Erinnerungen auffrischen.“

„Viel Kitsch dabei“

Das Archiv besitzt „Dutzende solcher Alben mit Stadtansichten, Personen, Berufsdarstellungen oder Alltagsszenen und Weihnachtsbildern“. Biroth muss schmunzeln, wenn er das Album durchblättert. „Da ist viel Kitsch dabei. Überhaupt: Postkarten waren immer irgendwie kitschig.“ Diese Bewertung kann er sich nicht verkneifen.

Besonders zur Weihnachtszeit dominieren in den aus privaten Schenkungen stammenden Kartenbeständen quer durch alle Jahrzehnte Rauschgoldengel, Kirchenszenen oder auch Fantasie- und Märchenfiguren. Da gibt es etwa die Heinzelmännchen, die mittels eines Schlittens einen Tannenbaum nach Hause bringen. Aus der Sammlung Karl Heinrich Simon stammt diese Karte aus dem Jahr 1925. Unter dem Bild ist der einfache Gruß „Ein frohes Weihnachtsfest“ aufgedruckt.

Postkarte: Bismarck hat sie erfunden

Biroth mag diese Karte mit den beiden frech-fröhlich dargestellten Kobolden mit Axt, Sack und langen weißen Bärten. „Das Auge wollte auch immer etwas haben.“ Er mutmaßt, dass besonders Kinder an Postkarten-Bildern wie diesen ihre Freude hatten. Die Postkarte an sich ist – wie so vieles – auf Bismarck zurückzuführen.

Er erließ am 1. Juli 1870 „eine Verordnung betreffend: die Einführung der Correspondenzkarte.“ Das war quasi die Geburtsstunde der Postkarte. Offiziell erhielt sie ihren Namen aber erst 1872. Es war wieder Bismarck, der im Reich durchsetzte, dass man nun im allgemeinen Sprachgebrauch von Postkarten sprach.

Postkarten zeigen Zeitgeist

Sie wurden zunächst auch von Postseite doppelt gestempelt. Einmal am Ort der Aufgabe und dann nochmal am Empfängerort. Beim breiten Volk populär wurden die Post- oder Motivkarten etwa ab dem Jahr 1896. An Postkarten, so sagt Ulrich Biroth, lasse sich sehr gut der Zeitgeist ablesen. „Man sieht von Epoche zu Epoche, wie sich der Geschmack der Menschen verändert hat.“

Postkarten seien Nostalgie in Farbe und Schwarz-Weiß. Die Karten weckten Erinnerungen an Kindheitstage und die alte Zeit. Und sie geben auch Auskunft über kultur- und sozialwissenschaftliche Entwicklungen ihrer Zeitepochen.

Weihnachtskarten werden auch im Hause Biroth noch versandt. Doch dann gehen keine Karten auf die Reise, die auf Knopfdruck Musik spielen oder anderweitig animiert sind. „Und uns reichen auch nicht FF und ein kurzer Gruß – dass ist dann schon deutlich persönlicher.“

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