Ein Weihnachtsbaum, ganz typisch für Altena

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Man muss schon genau hinsehen, um die Haselnüsse im Baum als Schmuck zu entdecken.

ALTENA - Drei Tage vor Weihnachten schlägt Peter Adolf Welsholz Jahr für Jahr den Tannenbaum für das Christfest. Das hat Tradition in seiner Familie – aber es ist nicht die einzige, die der 80-Jährige seit Jahrzehnten pflegt und besonders fortführt.

Im Haus Welsholz auf dem Großendrescheid steht nämlich stets ein ganz besonderer Christbaum. Die rund 2,40 Meter große Tanne ist nicht nur hübsch mit historischen Kugeln und Lichtern geschmückt, Peter Adolf Welsholz hat als einer der wenigen Altenaer noch einen so genannten Nussbaum (zu plattdeutsch: Nuete-Christdachs-Fichte) zu Hause stehen.

Auf jeder Tannenspitze stecken dabei halb geöffnete Haselnüsse, die der Burgstädter beim Schmücken Stück für Stück auf das Grün aufsteckt. Am Ende hat er mehr als ein Pfund leckerster Nüsse im Baum platziert.

Nüsse als Hingucker, als Baumschmuck? Woher kommt das denn? „Ich habe das von meinem Vater Hermann und der wiederum von seinem Vater Hermann übernommen“, sagt der ehemalige Unternehmer. Und diese Art von Christtanne sei typisch für die Region, „in der vorwiegend Drahtzieher lebten und wohnten, die früher nicht auf Rosen gebettet waren.“ So hätten sie irgendwann einmal die Idee gehabt, ihre Tannen mit Nüssen zu besetzen.

Ganz einfach ist das nicht, dass die Frucht auch auf dem Zweig oder der Spitze der Tanne hält. „Ich werfe die Nüsse in heißes Wasser. Es hat so um die fünfzig Grad Celsius Temperatur“, erzählt Welsholz seinen „Trick“. Dann quillen die Haselnüsse etwas auf und sie lassen sich mit einem herkömmlichen Nussknacker bequem „halb aufknacken“. Wenn Peter Adolf Welsholz das vorführt, spürt man schon, mit wie viel Gefühl der Mann an sein Werk geht. „Ein kleiner Druck zu viel und die Nuss springt heraus. Es ist aber gerade gewollt, dass sie in der halb geöffneten Schale bleibt“, erzählt der Familienvater.

Bis zum Abschmücken des Baumes bleiben die Nüsse „aufgesteckt.“ Am Großendrescheid steht die Tanne „immer bis zum Festtag Heilige Drei Könige am 6. Januar eines Jahres. „Dann wird der Baum geplündert“, schmunzelt Welsholz. „Ich kann nur sagen: Die Nüsse, die jetzt natürlich voll geknackt werden, haben einen ganz anderen Geschmack. Ich würde mal sagen, irgendwie ein wenig harzig, aber sehr, sehr lecker.“

Früher, so sagt der ehemalige Firmenchef, hätten in den Stuben der Drahtzieher „normale Sauerländer Rotfichten gestanden“. Die waren extrem harzig und nadelten stark. Erst vor zwanzig Jahren habe ja der Siegeszug der Nordmann-Tannen begonnen. „Die nadeln eben nicht so sehr, aber der Geschmack beim Abernten der „Nuete-Christdachs-Fichte“ sei auch ein klein wenig anders.

Welsholz kennt vom Hörensagen auch die Geschichten über Gebäckbäume in der Stadt. „Gesehen habe ich die nicht. Aber, ich glaube schon, dass Nüsse und Gebäck für die Kinder besonders interessant waren“, sagt er.

Während bei Welsholz’ die Nüsse das Besondere am Baum sind, hängt sich Anita Hahn Glasschmuck in ihre Tanne. „Die ist nicht mehr so groß, ich bin ja schon 80 Jahre alt“, sagt die Seniorin und zeigt dabei ein mundgeblasenes, besonders schönes Stück Christbaumschmuck. „Das hat meinem Opa gehört und der hat es schon geerbt“, sagt sie. Schätzungsweise 150 Jahre ist es alt. Natürlich könne man heute rote, blaue, weiße, silberne, goldene oder in welchen Farben auch immer gestaltete Christbaumkugeln und -Schmuck im Geschäft kaufen. „Das hier aber, wie die anderen Stücke, strahlt eine derartige Eleganz aus, da muss man einfach hingucken.“

Natürlich bewahrt sie ihre von Generation zu Generation überlieferten Schätze in druckgeschützten Kistchen auf und legt sie auch speziell in weiches Seidenpapier. „Man sieht die Gebrauchsspuren schon, keine Frage. Aber, ich bleibe dabei: Ich könnte mir keinen anderen Christbaumschmuck vorstellen“, so die Achtzigjährige.

von Johannes Bonnekoh

Gedicht von Anita Hahn

Haselnüete

Min Beßfaar „Danne“ waß benaymt und dei moch es wor wiaten - de Wiehnachtsdanne schmückede hey met Äppel und met Nüeten.

In häitet Water schmiet de Mann de ganzen Haselnüete

Hey kniep se vörne innen Kopp, dann öepnet se de Füerte.

Hey stak se op de Zwiege dann

Hey mok es sik nicht liehte

In Wirklichkeit waß diese Baum men blaus ne Christdachs Fichte.

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