Weihnachtsmann aus Altena rückt wegen der Pandemie nicht aus

Wegen Corona bleiben Mantel und Bart im Schrank

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Weihnachtsmann Wolfgang Hoppe kann wegen der Pandemie in diesem Jahr nicht auf Tour gehen, ausfallen wird das Weihnachtsfest aber natürlich nicht.

Ho, Ho, Hoppe. Mit rotem Mantel und Mütze, dem langen, weißem Rauschebart, großen Stiefeln und natürlich einem goldenen Buch, aus dem er mit tiefer Stimme vorlas, sorgte Hobby-Weihnachtsmann Wolfgang Hoppe in der Vorweihnachtszeit der vergangenen Jahre für leuchtende Augen bei kleinen und älteren Kindern. 2020 aber ist wegen Corona alles anders. Der Burgstadt-Weihnachtsmann bleibt auf der eigenen Couch, muss für Milch und Kekse, die ihm ab und an bereitgestellt wurden, im Dezember selber sorgen. Es dominiert der Konjunktiv: Es hätte wieder so schön werden können...

Altena - Ja, es müssen ganz besondere Momente gewesen sein, als der Hobby-Weihnachtsmann aus Altena bei Vereinsfeiern oder im privaten Rahmen auf einmal im Saal oder Wohnzimmer stand. Auch für Wolfgang Hoppe, der unter dem dicken Mantel und hinter dem langen Bart steckte, waren es ganz besondere Sequenzen. Sequenzen der Freude, Momente des Glücks. Auch in diesem Jahr wäre der 58-Jährige als Symbolfigur weihnachtlichen Schenkens in der Vorweihnachtszeit gerne wieder losgezogen für die gute Sache. Die Pandemie-Lage aber lässt das nicht zu.

„Es ist einfach nicht möglich. Ich möchte nicht gegen die Auflagen verstoßen, außerdem ist es einfach zu gefährlich. Ich bin in der Altenversorgung tätig und trage auch da Verantwortung“, sagt Wolfgang Hoppe, aus dessen Stimme die Enttäuschung durchaus herauszuhören ist. Zu gerne wäre er auch dieses Jahr mehrmals in sein hochwertiges Weihnachtsmann-Kostüm gehüpft, hätte sich mit seinem Schlitten auf vier Rädern auf den asphaltierten, vermutlich auch diesmal wieder schneefreien Weg gemacht und mit dem gesammelten Geld für seine Auftritte erneut Gutes getan. Hätte...

Obwohl die besinnliche Vorjahreszeit für ihn in den vergangenen zwei Jahren auch eine stressige Zeit war, hat es Wolfgang Hoppe regelrecht geliebt, in die Rolle des Weihnachtsmannes zu schlüpfen. „Für mich hat damit die Weihnachtszeit begonnen“, sagt der 58-Jährige. Anders als Künstler, die als Miet-Weihnachtsmänner in erster Linie für die eigene Geldbörse unterwegs sind, hat Wolfgang Hoppe die Gelder, die er 2018 und 2019 einsammelte, komplett und ohne jegliche Abzüge für Sprit oder andere Spesen gespendet. In der Vorweihnachtszeit 2018 kamen stolze 1200 Euro für das Kinderhospiz Balthasar in Olpe zusammen, im vergangenen Jahr gingen knapp 1000 Euro an den Obdachlosen-Freundeskreis Lüdenscheid.

In diesem Jahr wollte Wolfgang Hoppe das von ihm eingesammelte Geld an den Verein Helfende Pfoten spenden. Ein Verein, der Menschen mit Erkrankungen auf dem Weg zu einem Assistenzhund unterstützt. Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben: Vielleicht kann Weihnachtsmann Wolfgang ja Weihnachten 2021 Helfende Pfoten unterstützen.

Es macht mir große Freude, etwas Gutes zu tun. Diese Freude bei den Kindern, aber auch bei den Eltern oder Großeltern – es ist einfach ein Fest. Auch für mich.

Hobby-Weihnachtsmann Wolfgang Hoppe

Weihnachtsmann zu sein, für Wolfgang Hoppe war und ist es immer noch eine Mission. „Ich habe mir das Kostüm aus einer Laune heraus gekauft. Es macht mir große Freude, etwas Gutes zu tun. Diese Freude bei den Kindern, aber auch bei den Eltern oder Großeltern – es ist einfach ein Fest. Auch für mich“, sagt Wolfgang Hoppe. Auf rund 50 Auftritte, mehrheitlich auf Weihnachtsfeiern von Vereinen, sei er in den vergangenen Jahren als Weihnachtsmann gekommen.

Auch in diesem Jahr hätte im Dezember – und eben längst nicht nur am Nikolaustag – der Terminkalender gut gefüllt sein können, obwohl keine Weihnachtsfeiern von Vereinen oder Firmen stattfinden können. Wolfgang Hoppe hatte Anfragen aus privaten Haushalten, musste diese jedoch ablehnen. „Ich nehme in diesem Jahr auch keine privaten Veranstaltungen an. Das geht einfach nicht, allein schon wegen der Haushalte-Regelung“, so Hoppe. Der Weihnachtsmann, er ist eben auch ein Mann der Vernunft.

Was bleibt in der Corona-Vorweihnachtszeit 2020, es sind auch die Erinnerungen an zurückliegende Auftritte. Der Hobby-Santa, der begeisterter Camper und Boule-Spieler ist, erinnert sich unter anderem nur zu gerne daran, wie er mit seiner Rute an ein Fenster klopfte und im Haus die Kinder vor Aufregung wie Flummis durch die Gegend hüpften. Sehr bewegend war für den 58-Jährigen aber auch die Reaktion einer über 80-jährigen Dame, deren Enkelkind Hoppe überraschte. „Diese ältere Dame hat sich riesig über den Besuch des Weihnachtsmanns gefreut. Das war sehr, sehr schön und werde ich nicht vergessen.“

Ab und an wurden dem Weihnachtsmann – so ist es übrigens in Amerika verbreiteter Weihnachtsbrauch – Milch und Kekse bereitgestellt. Der Mann im roten Mantel soll ja schließlich nicht leer ausgehen, nachdem er die Geschenke abgeliefert hat. Milch und ein bisschen zu viel Kekse, wer weiß das schon so genau, sind möglicherweise auch ein Grund dafür, warum Weihnachtsmann Wolfgang durch die Haus- oder Kellertüren schreitet und nicht durch den Kamin zu Besuch kommt. „Solche Kamine gibt es nicht. Ich habe einen ganz guten Bauchansatz“, lacht Wolfgang Hoppe, der für fast jeden Spaß zu haben ist und auch schon von Kindern zum Tanz aufgefordert wurde. Nur singen mit den Mädchen und Jungen, das macht Weihnachtsmann Wolfgang dann doch nicht. Warum eigentlich nicht? „Der Weihnachtsmann lässt sich vorsingen“, sagt der 58-Jährige.

Vorlesen, das gehört zum Job des Weihnachtsmannes, der selbst Kinder und Enkelkinder hat, aber dazu. Aus seinem goldenen Buch trägt Wolfgang Hoppe, der echt zuverlässige Informanten namens Mama oder Papa hat, „zwei, drei gute Eigenschaften“ und meistens auch eine weniger gute Eigenschaft der Kinder vor. Der anschließende Griff in den Geschenkesack und das Überreichen von kleinen oder großen Päckchen, die ihm fleißige Helfer organisiert und zugesteckt haben, gehört natürlich auch zum Anforderungsprofil des Gabenbringers, der es – nennen wir es Berufungsrisiko – nicht immer leicht hat. „In beheizten Räumen bin ich unter dem Mantel und dem langen Bart oft schweißgebadet“, so Wolfgang Hoppe.

Das Schwitzen wird ihm im Advent 2020 ganz sicher nicht fehlen, die kleinen und großen Kinder aber schon. Daher hat der Altenaer mit dem großen Herz selbst Wünsche: Die Infektionszahlen sollen rasch sinken, Corona am besten so schnell wie möglich verschwinden. Damit Wolfgang Hoppe in der Vorweihnachtszeit 2021 wieder das sein kann, was er so gerne ist: der Weihnachtsmann. Ho, Ho, Hoppe...

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