Martin Luther lüftet Geheimnis ums Christkind

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Ein Streitgespräch über Weihnachten liefern sich Martin Luther und ein Engel.

Altena – Alle Jahre wieder das gleiche Palaver an Weihnachten. Die Engel sind genervt vom Weihnachtsstress, einer beschwert sich bei Martin Luther. Ein Streitgespräch über  Geschenke-Wahnsinn und Gerüchte übers Christkind.

Engel: Wieso hast Du eigentlich das Christkind erfunden? Dieser ganze Weihnachtsrummel auf Erden macht uns bis in den Himmel bekloppt. 

Martin Luther: (seufzt) Zu meiner Zeit auf Erden wurden schon die kleinen Kinder mit den Nikolausgeschenken für die Heiligenverehrung begeistert. An Nikolaus gab es Geschenke. Wir Evangelischen lehnten eine Heiligenverehrung ab, weil allein Christus das Heil gebracht hat. 

Engel: Und jetzt haben wir heute, an Heiligabend, einen Geschenke-Zirkus. Und wenn alle Geschenke ausgepackt sind, ist für die Familien Weihnachten vorbei. 

Luther: Als wenn ich das geahnt hätte... Ich habe damals gar nicht das Christkind erfunden, wie mir immer unterstellt wird. Ich habe auf den „Heiligen Christ“ als das Geschenk Gottes hingewiesen. Das ist ein feiner Unterschied. 

Engel: Wen interessieren hier wirklich feine Unterschiede, wenn es um viele und teure Wünsche geht?

Luther: Und ich sehe, dass an Nikolaus und Weihnachten geschenkt wird. Die Eltern wollen unbedingt ihren Kindern was Gutes tun. 

Engel: Und weil es alle machen, meinen auch die mitmachen zu müssen, die sich das eigentlich kaum leisten können ... 

Luther: Zu meiner Zeit wurde die Geburt Christi ausschließlich innerhalb der Kirche gefeiert. Dieses Fest im eigenen Haus zu feiern, war unüblich. Das haben sich lange auch in evangelischen Gegenden nur einige Bessergestellte geleistet. 

Engel: Weihnachtsbräuche als Wohlstandsprodukt... Ich wusste es schon immer. Da lobe ich mir das Markusevangelium ohne Weihnachtsgeschichte. 

Luther: Wer die klassische Weihnachtsgeschichte nach Lukas liest – „Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot vom Kaiser August ausging…“ –, der sollte auf jeden Fall auch die Weihnachtsgeschichte nach Matthäus lesen. 

Wer beide vergleicht, stellt fest, dass die Abläufe sich zeitlich widersprechen. Die Weihnachtsgeschichten sind Predigten und wollen keine historische Wahrheit überliefern. 

Engel: Das erklärt wohl auch, warum in den ersten Jahrhunderten nicht einmal Weihnachten in der alten Kirche gefeiert worden ist. 

Luther: Die Menschwerdung ist die Passion Gottes und spitzt sich in der Passionszeit zu. Von Ostern her bekommt Weihnachten seine Bedeutung, sonst bleibt das Fest ein volkstümliches Allerlei. 

Für mich steht im Mittelpunkt: „Christ der Retter von Sünd, Tod, Teufel ist geboren.“ Der eigentliche Sinn von Weihnachten erschließt sich Kindern nicht durch Geschenke, sondern wenn sie durch ihre Eltern und Paten erleben, welche Bedeutung Gott für sie das ganze Jahr über hat. 

Sie müssen auch an Ritualen in der Familie und am Gottesdienstbesuch ablesen können, was Jesus als Gottesgeschenk wert ist.

Quelle: evangelisch-reformierte Kirchengemeinde Dahle, Pfarrer Uwe Krause

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